Augmented Reality Shopping, Location-based Shopping

Ihr Smartphone weiß mehr als Sie selbst!

Simon Hülsbömer
Simon verantwortet redaktionell leitend die Themenbereiche IT-Sicherheit, Risiko-Management, Compliance und Datenschutz. Er hat aber auch Trends wie Big Data, Analytics und Cloud Computing sowie IT-Projekte in den Fachabteilungen im Blick. Außerdem betreut der studierte Media Producer den täglichen Früh-Newsletter und ab und an die iPad-Ausgaben der COMPUTERWOCHE. Aufgaben als Online-News-Aushelfer, in der Traffic- und Keyword-Analyse, dem Content Management sowie die inoffizielle Funktion "redaktioneller Fußballexperte" runden sein Profil ab.
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Steht mir die Brille? Passt der Anzug? Wie sieht das Lego-Flugzeug aus? Waren diese Fragen lange ein Fall für den beratenden Einzelhändler vor Ort, kann sie der Online-Kunde heute dank Augmented-Reality-Techniken selbst beantworten.

Legos virtuelle 3D-Modelle haben bereits Kultstatus erreicht. Vor dem Kauf im stationären Lego-Shop hält der Kunde die mit QR-Code versehene Verpackung in die Kamera einer "Digital Box" und bekommt auf dem Bildschirm eine virtuelle, drehbare Rundum-Ansicht des fertigen Spielzeugs. Auch im Lego-Online-Shop gibt es bei einigen Angeboten wie der "Atlantis"-Fahrzeug-Serie diese Möglichkeit: QR-Code ausdrucken, über die Webcam einlesen und das 3D-Modell anschauen.

Kurzum: Analoges Einkaufen und digitales Erleben wachsen als "Augmented Reality Shopping" zusammen (Augmented Reality, kurz AR = erweiterte Realität). Laut einer Umfrage des E-Commerce-Consulting-Unternehmens Elmar/P/Wach von März 2011 halten fast ein Drittel der 64 befragten deutschen Online-Shop-Betreiber diese Technik für einen besonders wichtigen Trend im eCommerce.

Gesicht trifft Kamera

Der Brillenhändler Mister Spex ermöglicht die virtuelle Live-Anprobe via Webcam.
Der Brillenhändler Mister Spex ermöglicht die virtuelle Live-Anprobe via Webcam.
Foto: Mister Spex

AR-Shopping findet nicht nur bei großen Konzernen wie Lego und Ikea statt: So haben mehrere Brillenhändler wie Glasses Direct aus Großbritannien, Ray-Ban aus den USA und auch Mister Spex aus Deutschland auf ihren Sites eine virtuelle Anprobe integriert. Der Kunde hält sein Gesicht in die Webcam und bekommt eine um das ausgesuchte Modell ergänzte Live-Aufnahme zurückgespielt, die sich den Kopfbewegungen in Echtzeit anpasst. Für Thilo Hardt, Produktmanager bei Mister Spex, ist das Vorgehen im Sinne der Online-Kunden. Eine eigene Marktstudie habe ergeben, dass 80 Prozent der Brillenträger vor dem Kauf wissen wollten, wie ihnen eine Brille stehe. "Mit der virtuellen Anprobe verbessern wir das Einkaufserlebnis, steigern die Brillenverkäufe und senken die ohnehin überschaubare Retourenrate", so Hardt. Der Shop verwende die Software seit Juni und habe darauf viele positive Rückmeldungen erhalten. Mister Spex hat sein Angebot der Brillen, die virtuell aufgesetzt werden können, in den vergangenen Wochen von anfangs zwölf Sonnenbrillen auf 500 Brillen aller Art vervielfacht. Auch wurde eine Facebook-Schnittstelle eingerichtet, über die die erweiterten Webcam-Fotos mit Freunden geteilt werden können, um herauszufinden, welches Modell die Online-Bekannten bevorzugen. Eine iPhone-App für die virtuelle Anprobe unterwegs ist noch in Arbeit. Doch die "virtuellen Spiegel", wie sie verschiedene Brillen-Shops anbieten, haben noch einen entscheidenden Nachteil: Sie benötigen fast immer ein spezielles Browser-Plugin respektive eine eigene Software, die zunächst installiert werden muss und für einige Kunden noch ein Hindernis darstellt. So auch bei Mister Spex, das seine 3D-Anprobe nach Angaben von Thilo Hardt demnächst aber komplett auf Flash 11 umrüsten werde.

Von Kopf bis Fuß

UPcload vermisst den Körper via Webcam.
UPcload vermisst den Körper via Webcam.

Dass AR-Shopping nicht nur den Kopf, sondern den gesamten Körper betreffen kann, zeigt das Berliner Startup UPcload. Via Webcam misst eine Software den Körper aus und liefert genaue Größenangaben für maßgeschneiderte Kleidungsstücke.

Die Möglichkeiten von AR-Shopping scheinen unbegrenzt - richtig eingesetzt, können sie für Shop-Betreiber zum Kundenmagneten werden. "eShop-Betreiber werden sich künftig schwer damit tun, komplett auf AR-Anwendungen zu verzichten", blickt Thilo Hardt auf die Trends im Online-Handel.

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