Internet of White Goods?

IFA soll Schub für vernetzte Hausgeräte bringen

03.09.2014
Das "Internet der Dinge" ist bei den Produzenten von Haushaltsgeräten das große Thema. Unter den Kunden ist die Nachfrage aber mäßig. Deshalb versuchen die Hersteller auf der Elektronikmesse IFA nachzulegen.

Die großen Hausgerätehersteller bringen mehr Modelle mit Steuerung über das Internet auf den Markt. Damit wollen sie dem bisher schwächelnden Marktsegment zu mehr Erfolg verhelfen, machten die Unternehmen Siemens, Bosch und Miele zum Auftakt der Elektronikmesse IFA am Mittwoch deutlich.

Die drei deutschen Unternehmen stellten auf der IFA neue Apps für das Smartphone vor, mit denen die Nutzer ihre Haushaltsgeräte auch von unterwegs steuern können. So lässt sich beispielsweise der Backofen mit Auswahl der Temperatur einschalten oder das Programm der Waschmaschine starten.

Die Miele-App kann nur mit Miele, die BSH-App nur mit Bosch-Siemens...
Die Miele-App kann nur mit Miele, die BSH-App nur mit Bosch-Siemens...
Foto: Miele

Bislang habe der Verkauf vernetzter Geräte nur "sehr mühsam im Markt zugenommen", sagte Miele-Geschäftsführer und ZVEI-Vorstandsmitglied Reinhard Zinkann. "Wir haben den Durchbruch noch vor uns", ergänzte Miele-Vertriebschef Axel Kniehl. Es gehe darum, den Nutzen für Kunden von technischen Spielereien abzugrenzen.

Die Menschen gewöhnten sich daran, ihr tägliches Leben mit Smartphones und Tablets zu organisieren, sagte Zinkann. "Die Schlüsselfrage ist: Wie können wir verschiedene Geräte in ein einziges vernetztes System für den Haushalt einbinden?" Noch gibt es keinen gemeinsamen Standard, lediglich mit den Apps von Bosch und Siemens lassen sich wechselseitig die Geräte beider Hersteller steuern. "Langfristig führt an einer gemeinsamen Plattform für alle kein Weg vorbei", sagte Zinkann. In der europäischen Branche werde darüber nachgedacht.

Die Branche rechnet für die nächsten Jahre mit einem wachsenden Markt. Der Geschäftsführer von Siemens-Hausgeräte Deutschland, Roland Hagenbucher, sagte, allein hierzulande seien zehn Millionen Küchen älter als 20 Jahre. "Das heißt, dass 40 bis 45 Millionen Geräte reif sind für den Wechsel." Auch wegen des Baubooms in den Städten und der großen Zahl an Altbau-Sanierungen sei die Branche optimistisch.

Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz mit Hausgeräten in Deutschland nach einer Studie der Marktforscher von der GfK um vier Prozent. 2013 lag der Umsatz bei 8 Milliarden Euro. Davon entfielen nach Angaben des Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) 5,2 Milliarden Euro auf Großgeräte wie Backöfen, Kühlschränke und Waschmaschinen.

Weltweit treibt Asien die Branche an, allen voran das starke Wachstum in China, Japan und Indien, heißt es in der GfK-Studie. Vor allem kombinierte Kühl-Gefriergeräte und Induktionskochfelder lägen weltweit im Trend. (dpa/tc)