Google-Entwicklung

IETF übernimmt SPDY für HTTP 2.0

Thomas Cloer
Thomas Cloer ist verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Email:
Connect:
Der Internet Engineering Task Force (IETF) gefällt Googles "Speedy"-Protokoll so gut, dass sie es in Version 2.0 des Hypertext Transfer Procotols (HTTP) übernehmen möchte.

Google hat SPDY im Zuge seiner Bemühungen entwickelt, das Web schneller zu machen (natürlich damit mehr Nutzer mehr auf den Google-Webseiten tun können) und einen umfänglichen Draft des Protokolls veröffentlicht.

Der IETF gefallen daran drei Dinge besonders gut, wie der Branchendienst "The Register" berichtet:

  1. Mit SPDY können Client und Server Request- und Response-Header komprimieren. Das reduziert die Bandbreite, wenn ähnliche Header (etwas Cookies) für mehrere Requests wieder und wieder über das Netz geschickt werden.

  2. SPDY erlaubt mehrere gleichzeitige Requests (multiplexed) über eine einzige Verbindung, was Round Trips zwischen Client und Server spart und verhindert, dass Ressourcen mit niedriger Priorität solche mit höherer blockieren.

  3. Der Server kann bei SPDY aktiv Ressourcen (etwa JavaScript- und CSS-Dateien) zum Client pushen, von denen er "weiß", dass dieser sie benötigen wird, und zwar schon bevor der Client sie aktiv anfragt. Der Server kann so ungenutzte Bandbreite besser ausnutzen.

Die für die Weiterentwicklung von HTTP zuständige httpbis-Arbeitsgruppe hat vergangene Woche einen Entwurf für die Version 2.0 vorgelegt. Der aktuelle Standard verursache "mehrere Probleme, darunter zusätzliche Round Trips für den Verbindungsaufbau, Verzögerungen durch langsamen Start und Rationierung der Verbindung durch den Client, der nicht zu viele Verbindungen zu einem einzelnen Server öffnen möchte", heißt es darin.

Workarounds wie HTTP-Pipelining schafften hier keine nachhaltige Abhilfe, so die IETF-Experten. Anders Speedy, das außerdem die bisherige HTTP-Semantik beibehalte und "nur die Art und Weise ersetze, mit der die Daten ins Netz geschrieben werden". Google setzt SPDY, das aus zwei Protokoll-Layern besteht, bereits umfänglich ein und hat in der Vergangenheit erklärt, dass sich die Ladezeiten von Webseiten damit im Schnitt um 15 Prozent verringern lassen (angestrebt werden 50 Prozent).

Die Browser Chrome, Firefox, Opera und Silk (Amazon) unterstützen SPDY ebenso wie die Server von Twitter. Wann es tatsächlich von der IETF standardisiert werden könnte, steht allerdings noch in den Sternen.

Newsletter 'Nachrichten morgens' bestellen!