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IDF: Pat Gelsinger proklamiert "Radio Free Intel"

01.03.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Eine reichlich visionäre Keynote-Ansprache lieferte Patrick Gelsinger, seit September vergangenen Jahres Cheftechnologe des Konzerns (Computerwoche online berichtete), auf dem Intel Developer Forum in San Francisco. In rund zehn Jahren solle jeder Mikroprozessor des Unternehmens über integrierte und konfigurierbare Funktechnik verfügen, so der CTO (Chief Technology Officer). Dabei soll MEMS-Technik (Micro Electrical Mechanical Systems) bei der Konstruktion passiver Elemente helfen.

Das Silizium soll dann alle für drahtlose Kommunikation nötigen Elemente inklusive der Antenne bereits enthalten - die entsprechende Strategie hat Intel erst einmal "Radio Free Intel" getauft. "Wir wollen so weit kommen, dass bei jedem Chip in irgendeiner Ecke ein integriertes Funkmodul steckt", erklärte Gelsinger. Ein bisschen Zukunftsmusik ist das allerdings schon - in zehn Jahren soll die Technik so weit sein. Erste solche Produkte mit voller Wireless-Integration könnte Intel aber bereits in fünf Jahren fertigen, und einzelne Elemente könnten noch früher realisiert werden.

Auch das von Konzern-Mitgründer Gordon Moore aufgestellte Gesetz ("Die Zahl der Transistoren auf eine Chip verdoppelt sich alle 18 Monate") wird laut Gelsinger noch lange Bestand haben. Möglich werden soll dies unter anderem durch "Silizium-Photonik", die Integration optischer Technik in klassische Halbleiter. Optische Kommunikation soll nach und nach bis auf die Chipebene herunterwandern und die Preise optischer Komponenten auf ein Hundertstel drücken.

Als Drittes widmete sich Gelsinger noch dem Thema Sensoren. Intel unterstützt seit geraumer Zeit Forschung an der University of Berkeley zum Thema Ad-hoc-Netze. Diese Technik wurde bereits im vergangenen Jahr auf der Hot Chips in Palo Alto demonstriert. Gelsinger kann sich bereits Anwendungen vorstellen wie eine Babydecke, die Atmung und Herzschlag eines Kleinkinds überwacht, oder einen Weinberg, auf dem jeder einzelne Weinstock Daten über sein eigenes Mikroklima an den Winzer sendet.

Wie sich solche Intel-Technik auf Umwelt und Gesundheit auswirken könnte (Stichwort Elektrosmog), vermochte Gelsinger indes nicht einzuschätzen. "Wir sind keine Mediziner", erklärte der Cheftechniker in einer Frage- und Antwort-Session im Anschluss an seinen Vortrag. Intel werde sich aber in jedem Fall an die Auflagen der Aufsichtsbehörde FCC (Federal Communications Commission) halten. (tc)