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Identitätskarte im Dienst ihrer Majestät

24.11.2004

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Queen Elizabeth II hat zur Eröffnung der neuen Parlamentssaison die Einführung eines in Großbritannien bisher gänzlich ungebräuchlichen Personalsausweises für das Jahr 2011 oder 2012 angekündigt - und zwar in digitaler Form. Die "ID-Card" soll neben Name und Adresse auch biometrische Daten wie Fingerabdrücke sowie Aufnahmen von Gesicht und Iris enthalten. Die Queen begründet das aufwändige Unterfangen mit der "globalen Unsicherheit und der erhöhten Bedrohung durch Terrorismus". Bereits ab dem kommenden Jahr wollen die Briten neue Pässe mit Chips für die biometrischen Daten ausstatten. Zug um Zug soll dann eine Datenbank mit solchen Informationen über alle Bürger aufgebaut werden.

Unklar ist allerdings noch, was genau in der Datenbank "National Identity Register" gespeichert werden und wer Zugriff auf die Informationen erhalten soll. David Blunkett, Chef des englischen Sicherheitsministeriums Home Department, kann sich vorstellen, dass die Datenbank mit der von der Europäischen Union ins Auge gefassten Registrierungspflicht für ausländische Bürger gekoppelt wird: Die EU will ab 2005 ebenfalls biometrische Daten erheben, allerdings nur von Nicht-Europäern. Zukünftig werden bei Anträgen auf ein EU-Visum und einer Daueraufenthaltsgenehmigung solche Informationen erhoben. Die Daten sollen sich über das "Visa Information System" im Rahmen des Schengener Information Systems abrufen lassen.

Englands Vorstoß bedeutet eine Änderung der bisherigen Praxis im Umgang mit ID-Karten. Belgien oder Litauen geben bereits Ausweise mit auf Chips gespeicherten Informationen aus. Dort sollen sie aber primär den Umgang mit Behörden, Stichwort E-Government, erleichtern. Blunketts Absicht zielt rein auf Sicherheitsaspekte ab. Kritiker der Pläne warnen insbesondere vor den Unsicherheiten, die sich durch die riesige Datenbank ergeben. Wer garantiert, dass die Eintragungen stimmen, wer kontrolliert den Zugriff, und wer schützt die Daten vor Hackern? Man darf gespannt sein, ob sich die britische Gesellschaft mit der ID-Card anfreunden kann, zumal sie auch noch für 28 Euro gekauft werden muss. Neue ebenfalls mit Chips bestückte Reisepässe dürften dann zum Luxusgut werden: 159 Euro will die Regierung dafür verlangen. (kk)