IDC-Report vergleicht die beiden Betriebssysteme Windows NT kann Unix-Position im Server-Markt nicht gefaehrden

30.07.1993

MUENCHEN (CW) - Unix wird seine herausragende Stellung im europaeischen Markt fuer Server-Betriebssysteme in den kommenden Jahren ausbauen koennen - ungeachtet der bevorstehenden Freigabe von Windows NT. Das prognostiziert das Marktforschungsunternehmen International Data Corp. (IDC) in seinem Report "NT versus Unix in the Western European Server Marketplace".

Anfang August soll das Microsoft-Betriebssystem in die "Production"-Phase eintreten. Wann es tatsaechlich verfuegbar ist, darueber streiten sich noch die Gelehrten. Als sicher gilt immerhin, dass es zunaechst in der Client-Spielart und erst einen Monat spaeter in der Advanced-Server-Ausfuehrung freigegeben wird. Zudem aeusserten Marktbeobachter gegenueber der CW- Schwesterpublikation "Computerworld" die Ansicht, dass das erste Release des Server-Betriebssystems lediglich in einer Light- Version ausgeliefert werde. Bei den Betatests habe sich der TCP/IP-Support als suboptimal erwiesen.

Ungeachtet ihrer illustren Herkunft moegen die Marktauguren keiner der beiden Betriebssystem-Varianten einen Supernova-gleichen Start prophezeien. Billigen die Forrester-Research-Analysten dem Client- NT fuer die naechsten Jahre nicht einmal einen Marktanteil von zehn Prozent zu (vgl. Seite 11), so sieht die IDC-Prognose fuer den Advanced Server noch schlechter aus.

Demnach wird Microsoft 1996 nur 7,4 Prozent des westeuropaeischen Marktes fuer Server-Betriebssysteme fuer sich beanspruchen koennen. Nach den IDC-Schaetzungen belaufen sich die in diesem Markt erzielten Umsaetze dann auf insgesamt 4,4 Milliarden Dollar. Weit mehr als die Haelfte davon, naemlich 57,2 Prozent oder 2,5 Milliarden Dollar, werden, so der IDC-Report, die Anbieter von Unix-Betriebssystemen einstreichen koennen.

Wenn sich die IDC-Zahlen als richtig erweisen, wird Unix in den kommenden drei Jahren seine Position auf dem Server-Markt nicht nur halten, sondern sogar weiter ausbauen koennen. 1991 betrug der gemeinsame Anteil aller Unix-Flavours an dem 2,5 Milliarden Dollar schweren westeuropaeischen Markt fuer Server-Betriebssysteme lediglich 37,2 Prozent. Folglich duerfte die neue Konkurrenz seitens Windows NT durch sinkende Verkaufszahlen bei OS/2 und anderen proprietaeren Systemen mehr als ausgeglichen werden.

Der IDC-Report basiert auf Recherchen bei den Anbietern sowie einer Befragung von 500 europaeischen Anwenderunternehmen. Wie die deutsche Niederlassung des Marktforschungsunternehmens mitteilt, untersucht die Studie vor allem die Auswirkungen von Windows NT auf den europaeischen Server-Markt und die daraus resultierenden Entwicklungstendenzen bei Unix. Daneben liefere sie auch einen direkten Vergleich der beiden Betriebssysteme hinsichtlich ihrer primaeren Staerken und Schwaechen. Zu beziehen ist der Report direkt bei der IDC Deutschland GmbH, Kronberg im Taunus.