Einschübe quer im Rack

iDataPlex: Neue IBM-Server für das Web-2.0-RZ

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IBM hat mit "iDataPlex" eine neue Server-Linie für die Rechenzentren großer Internet-Firmen entwickelt. Die Systeme sollen besonders energieeffizient arbeiten.

Gedacht sind die iDataPlex-Systeme für den Betrieb stark frequentierter "Web-2.0"-Sites wie Facebook oder MySpace. Sie treten damit hauptsächlich in Wettbewerb zu namenlosen "Whitebox"-Rechnern, die Internet-Firmen zu Tausenden zusammenschließen, um damit ihre Web-Präsenzen anzutreiben.

Die neuen IBM-Server arbeiten mit vierkernigen Xeon-Prozessoren von Intel und laufen unter dem quelloffenen Betriebssystem Linux. Nach Angaben des Herstellers brauchen sie im Vergleich zu herkömmlichen Rackmount-Servern 40 Prozent weniger Strom und bieten gleichzeitig mehr Leistung. Die Energieersparnis erreicht IBM dabei hauptsächlich durch ein neues Design, das mit weniger Kühlung auskommt.

Bei iDataPlex sitzen die Server-Einschübe quer im Rack.
Bei iDataPlex sitzen die Server-Einschübe quer im Rack.
Foto: IBM

Herkömmliche "Pizzabox"-Server für das 19-Zoll-Rack mit 1U oder 2U Bauhöhe tendieren seit geraumer Zeit dazu, immer länger/tiefer zu werden, weil die Hersteller versuchen, immer mehr Komponenten in die Maschinen zu integrieren. Das hat laut Big Blue dazu geführt, dass die Kühlung - bei der die Luft von vorn nach hinten durch den Server strömt - immer aufwendiger und damit stromfressender wurde. "Die vom Lüfter verbrauchte Energie ist proportional zur dritten Potenz der Lüftergeschwindigkeit. Für die doppelte Lüftergeschwindigkeit brauchen sie also acht Mal so viel Strom", erläutert Gregg McKnight, Chief Technology Officer der Modular Systems Group von IBM.

Die Antwort von IBM mit iDataPlex sind nun schlicht um 90 Grad gedrehte, also quer ins (breitergelegte) Rack geschobene Servereinschübe. Diese sind breiter als normale Pizzaboxen, dafür aber nur etwa 15 Zoll tief im Vergleich zu 25 Zoll für herkömmliche Rack-Server. "Wir können damit die Lüfter viel langsamer laufen lassen und sparen allein da 67 Prozent Strom", sagt McKnight.

In ein iDataPlex-Chassis passen 84 Server-Einschübe.
In ein iDataPlex-Chassis passen 84 Server-Einschübe.
Foto: IBM

Das iDataPlex-Chassis besteht zudem aus zwei Schränken nebeneinander, in die zusammen 84 Server-Einschübe passen. Diese teilen sich drei Power Whips; zwei normale Racks bräuchten davon vier. Laut McKnight kostet der Betrieb einer Whip zwischen 1500 und 2000 Dollar Wartung monatlich. Dank der großen Rückenfläche kann IBM für das System optional auch eine wassergekühlte Rückwand mit Wärmetauscher anbieten, die die gesamte Abwärme aus dem iDataPlex entzieht, das damit das Data Center nicht mehr aufheizt.

Nachteil der gemeinsam genutzten Stromzufuhren ist ein weniger fehlertolerantes System. Was die Software, mit denen Internet-Firmen arbeiten, aber normalerweise locker wegsteckt. "Wir haben Web-2.0-Firmen interviewt, und sie haben uns durch die Bank erzählt, dass sie ihre Anwendungen so designen, dass diese Server-Fehler tolerieren", sagt der IBM-Mann. "Und weil dies ökonomischer und energieeffizienter ist, ist das für sei ein attraktiver Trade-off."

Aus Sicht des Branchenanalysten Joe Clabby von Clabby Analytics stellt diese Philosophie einen bedeutsamen Sinneswandel dar. Bislang hätten sich die großen Server-Bauer darauf fokussiert, teure Maschinen mit hohen Redundanz-Levels zu entwickeln, wie Unternehmen sie für den Betrieb von Back-Office-Applikationen benötigen, bei denen jede Transaktion geschäftskritisch ist.

Mit der optionalen Kühltür lässt sich iDataPlex bei Raumtemperatur betreiben.
Mit der optionalen Kühltür lässt sich iDataPlex bei Raumtemperatur betreiben.
Foto: IBM

"In der Web-2.0-Welt braucht man das nicht", sagt Clabby. "Wenn eine IP-Adresse ausfällt, wird der Server einfach gekillt und auf einen anderen umgelegt. Der Fokus liegt hier nicht auf der Kontinuität des Business, sondern auf schnell, günstig und 'fix-it-on-the-fly'. Das ist eine große Veränderung für die IBM und die Server-Industrie."

Aus Sicht von Clabby tritt Big Blue mit iDataPlex in Wettbewerb zu selbstgestrickten Clustern aus Standard-x86/x64-Servern sowie den Systemen kleinerer Spezialanbieter wie Verari Systems oder Rackable Systems. "Die bauen bereits diese schlüsselfertigen 'Plug-em-in-and-let-em-rip'-Server für Web-2.0-Firmen. Sie haben das Konzept bewiesen, und jetzt ist der 500-Pfund-Gorilla auf ihrer Türschwelle gelandet."

Auch wenn die Kernzielgruppe Internet-Firmen sind, eignet sich iDataPlex aus Sicht von IBM auch für andere Aufgaben wie komplexe Finanzanalysen, Video-Rendering oder HPC (High-Performance Computing). Zusammengebaut und vorkonfektioniert werden die Maschinen in einer Fertigungsstätte in China, und bestellen können sie nur Großabnehmer. Die meisten frühen Kunden orderten gleich tausende Racks, sagt McKnight.

Preise oder Konfigurationen verrät die IBM nicht. Kunden haben aber die Wahl zwischen 22 iDataPlex-Varianten mit verschiedener Netz-, Switch- und Storage-Ausstattung. Die Komponenten kommen teilweise von Partnern wie Avocent, QLogic oder Blade Network Technologies (das einen Switch für iDataPlex entwickelt hat).

Nach Angaben von McKnight begann IBM das Design von iDataPlex vor etwa 18 Monaten, nachdem der Firma klar wurde, dass sie kein Produkt für den boomenden Web-2.0-Markt im Angebot hatte. Der IBM-Mann wird die neuen Server passenderweise heute auf der Fachkonferenz Web 2.0 Expo in San Francisco der Öffentlichkeit vorstellen. (tc)