Britisch-japanisches Kooperationsabkommen bestätigt:

ICL-Fujitsu-Ehe verunsichert Siemens

16.10.1981

MÜNCHEN (rs) - Mit Fujitsu-Hilfe soll der ICL-Karren wieder flottgemacht werden. Beide Unternehmen gaben eine Kooperation auf den Gebieten Mikroprozessor-Technologie und Großrechner bekannt. Danach wird ICL die beiden noch in der Entwicklung befindlichen Japan-Jumbos M380 und 382 vertreiben. Branchen-Insider rätseln, welche Auswirkungen die Kooperation auf den deutschen Fujitsu-Partner Siemens hat.

Mit den neuen Großrechnern will ICL zunächst die eigene Produktpalette 2900 erweitern. Um den Kunden die Zeit bis 1984 zu verkürzen, wenn die Japan-Rechner verfügbar sein sollen, bringen die britischen Computerbauer im nächsten Jahr den Doppelprozessor 2988 auf den Markt. Dieser Rechner, der die doppelte Leistung des bisherigen Topmodells 2966 bringen soll, wird in England gefertigt, beruht jedoch auf japanischer Technologie.

Mit dein Vertrieb der Fujitsu-Großrechner wird ICL zunächst in Großbritannien starten. Sicher scheint, daß die Briten auch den größten Teil des restlichen Europas sowie Südafrika beliefern wollen. Vom Kooperationsvertrag ausgenommen sind die USA sowie Japan. Auch Australien und Spanien will Fujitsu offensichtlich direkt angehen. Fraglich ist einzig die Situation in der Bundesrepublik.

Der bis dato alleinige Vertriebspartner der Japaner, die Siemens AG, vertreibt noch exklusiv die mittleren Fujitsu-Modelle unter der Bezeichnung 7.800. Ober die Verhandlungen zwischen London und Tokio sei man immer informiert worden, bestätigte ein Sprecher des Münchner Elektrokonzerns. Außerdem berühre dieses Abkommen nicht die laufenden Verträge zwischen Fujitsu und Siemens. Das britisch-japanische Vertragswerk schließe nämlich die Zentraleinheiten der 7.800-Modelle nicht ein. Mit Fujitsu verhandelt Siemens zur Zeit über die Erweiterung dieser Serie, aber die Einbeziehung der Großmodelle in eine weitere Siemens-Fujitsu-Kooperation ist noch ungeklärt.

Als Rückschlag für Siemens wertet ein PCM-Konkurrent die ICL-Fujitsu-Zusammenarbeit. "Für die alten Krücken M180 und 200", lästert der Insider, "hat Siemens die Exklusivrechte, aber die Nachfolgemodelle werden von mehreren Anbietern vertreten".