Winfried Materna

"Ich würde Outsourcern den Garaus machen"

Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Weitere Interessen: der SV Werder Bremen, Doppelkopf und Bücher - etwa die von P.G. Woodhouse.
IT-Manager haben beste Voraussetzungen, um Anwendern fachliche Services anzubieten, meint Winfried Materna, Gründer des gleichnamigen Softwarehauses. Transaktionsorientierte Portale und Private Clouds helfen dabei weiter.

CW: Cloud Computing, Virtualisierung, Business-Process-Management - die IT-Welt ist im Umbruch. Gilt das auch für Ihr Haus?

Winfried Materna, Gründer und Geschäftsführer von Materna GmbH
Winfried Materna, Gründer und Geschäftsführer von Materna GmbH
Foto: Materna GmbH, Winfried Materna

Materna: Auch wir befinden uns in einem Wandel. Wenn ich mir unsere Kunden aus den verschiedenen Branchen und der Verwaltung ansehe, dann stelle ich fest, dass sie sich weg vom Silo- und hin zum Prozessdenken bewegen. Überall wird versucht, abteilungsübergreifend, ich sage auch gerne siloübergreifend, in Abläufen zu denken. Das vollzieht sich noch langsam und schleppend, aber es ist deutlich spürbar.

CW: Sind IT-Chefs überhaupt noch Ihre Ansprechpartner in den Unternehmen?

Materna: Sowohl die Fach- als auch die IT-Abteilungen. Kunden wollen Services angeboten bekommen, die klar definiert sind - übers Internet abrufbar, bezahlbar, leicht konfigurierbar, die also typische Eigenschaften von Cloud Computing haben. Im Hintergrund müssen abteilungsintern, vor allem aber übergreifend Prozesse definiert und eingerichtet werden. Wir beschäftigen uns mit Automatisierung und Virtualisierung und sehen uns zunehmend als Cloud-Enabler.

Das gilt insbesondere für den Private-Cloud-Bereich. Wir haben uns den Fragen Automatisierung und Virtualisierung von Seiten des IT-Managements genähert und stellen jetzt fest, dass unsere Kunden fachspezifische Services angeboten bekommen möchten. Nicht irgendeinen simplen Mail- oder Speicherservice, sondern zum Beispiel einen Bonitätsüberprüfungs-Service oder einen Ticketing-Service für Selbstbedienungsautomaten am Flughafen - Services also, die der Kunde braucht, aber nicht selbst realisieren kann. Will man einen solchen Endkundenservice anbieten, benötigt man dafür abteilungs- oder lösungsübergreifend eine Prozesskette, die alle relevanten Fragestellungen beinhaltet.

CW: Haben Sie dafür die richtigen Leute? Sie bräuchten hier ja Management-Beratungs-Skills.

Materna: Wir brauchen dafür Management-Berater mit stark ausgeprägten IT-Skills und möglichst auch Branchenkompetenzen. Auf der einen Seite müssen wir unsere Wertschöpfungskette in Richtung Prozesse und Services erweitern, auf der anderen Seite brauchen wir, wenn wir die Prozesse inklusive Automatisierung, Virtualisierung und Cloud Computing richtig umsetzen wollen, auch technisches Wissen. Ist man nur als Prozess- oder als IT-Management-Berater unterwegs, kommt man nie in die Rolle des Chirurgen, der den Patienten wirklich behandeln kann. Dann bleibt alles abstrakt. Also setzen wir uns natürlich mit den Tool-Welten auseinander, zum Beispiel von IBM, der Software AG oder Oracle. Hier muss übergreifend modelliert werden. Insbesondere bei Private Clouds liegen die Herausforderungen im Detail. Es reicht nicht aus zu sagen, wir haben die Tools. Wir müssen diese Tool-Welten zusammenbringen, und das ist richtige Knochenarbeit.

Inhalt dieses Artikels