IDS-Scheer-Chef Peter Gérard

Ich bleibe, bis die Marge wieder zweistellig ist

Karin Quack arbeitet als freie Autorin und Editorial Consultant vor allem zu IT-strategische und Innovations-Themen. Zuvor war sie viele Jahre lang in leitender redaktioneller Position bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Vor etwas mehr als einem halben Jahr hat Peter Gérard Thomas Volk als Vorstandsvorsitzenden der IDS Scheer AG abgelöst. Er hat große Pläne.
Peter Gérard, Vorstandsvorsitzender, IDS Scheer AG
Peter Gérard, Vorstandsvorsitzender, IDS Scheer AG
Foto: IDS Scheer

CW: Wie erleben Sie die Wirtschaftskrise als Vorstandsvorsitzender eines Unternehmens, das komplexe, erklärungsbedürftige und nicht zuletzt teure Produkte anbietet?

GÉRARD: Alle Unternehmen beschäftigen sich derzeit mit der Frage: Wie bekommen wir unsere Prozesse auf die Reihe? Die Welt ändert sich schnell, und mit ihr die Business-Prozesse; darauf gilt es zeitnah zu reagieren. Genau hier liegt unsere Kernkompetenz. Insofern hatten wir eigentlich den interessantesten Stand auf der CeBIT. Übrigens: Wer unsere Produkte als zu komplex bezeichnet, hat vermutlich ein zu komplexes Geschäftsmodell. Und die Kosten stehen durchaus in Relation zur Komplexität der Anwendung. Aber wir bieten mit Aris Express jetzt eine Freeware für all jene an, die einen Einstieg in die Welt der Geschäftsprozess-Management-Software suchen.

CW: Mit dieser Light-Version ihrer Modellierungsplattform adressieren Sie explizit die Business-User. Haben Sie etwa eine neue Zielgruppe entdeckt?

GÉRARD: Nein, die Business-User waren schon immer unsere Zielgruppe. Wir haben sie bislang nur nicht explizit angesprochen. Wir wollen den CIO nicht außen vor lassen. Aber er darf nicht der Flaschenhals der Unternehmenssteuerung sein. Ein selbstbewusster CIO wird es sicher begrüßen, wenn wir auch mit den Geschäftsbereichen sprechen.

CW: Zuletzt gab der Aktienkurs nach, das Management wurde umstrukturiert, und aus der Gerüchteküche dampfte ein mutmaßlicher Verkauf des Unternehmens. Wie ist das einzuordnen?

GÉRARD: Ich wurde nicht beauftragt, das Unternehmen zu verkaufen, als ich den Vorstandsvorsitz übernahm. Ich will vielmehr so lange bleiben, bis wir wieder eine zweistellige Marge vor Steuern ausweisen. Die Umstrukturierung hat auch nichts mit einem mutmaßlichen Verkauf zu tun. Um unsere Ziele zu erreichen, haben wir die Organisation verschlankt, den Vertrieb zusammengeführt und die internen Prozesse optimiert. Aber mir ist klar, dass ein niedriger Aktienkurs Begehrlichkeiten weckt. Bei unserer Liquidität könnten wir uns gut und gern selbst kaufen. Und tatsächlich dürfen wir - mit Genehmigung der Hauptversammlung - bis zu zehn Prozent der Anteile vom Markt zurücknehmen. Damit haben wir einen größeren Handlungsspielraum für eine zielgerichtete Expansion. (Zum Thema siehe auch "Achterbahnfahrt für die IT-Branche") (qua)