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IBMs PVU-Preise mit dem Power6 verstärkt in der Kritik

05.07.2007
Im vergangenen Jahr hat IBM anfangen, seine Softwarepreise nach Processor Value Units (PVU) zu bemessen. Der neue Power6-Prozessor wird aus Sicht von Anwendern hier als zu stark eingestuft.

Pro Kern bewertet IBM seinen stärksten Prozessor mit 120 PVU. Für Power5 und System z, Sun Sparc IV und Intels Itanium werden 100 PVUs je Core angesetzt. Die x86-Prozessoren von Intel und AMD (Xeon/Opteron) zählen mit 50 PVUs pro Kern, Schlusslicht ist Suns Ultrasparc T1 ("Niagara) mit 30 PVUs je Core.

Wie alle Softwarehersteller kämpft IBM mit der Bepreisung seine Lizenzen angesichts neuer Hardware, die mit mehreren Prozessorkernen pro Sockel oder mehreren Threads pro CPU(-Kern) arbeitet. Zur Ermittlung der PVU-Bewertung verwendet der Konzern Benchmarks. Welche das sind, kann man als Anwender bestenfalls vermuten.

IBM Power6 taktet mit bis zu 4,7 Gigahertz.
IBM Power6 taktet mit bis zu 4,7 Gigahertz.
Foto: IBM

Und zu Schlüssen kommen, die kaum im Interesse von IBM sein können. IBMs Maßstab zufolge sollte man wohl eher einen x86-Server kaufen als eine Power6-Maschine. "DB2 nutzt Threads, und man kann 2,2 x86-Threads für das gleiche Geld wie einen Power6-Thread kaufen", schreibt ein Nutzer als Kommentar zu einer Meldung in "The Register". "Unterm Strich kann man damit mehr als 1,5 Mal so viel Real-World-Arbeit erledigen."

Ein anderer Kommentar weist allerdings darauf hin, dass ein solcher Vergleich angesichts der Parallel-Processing-Fähigkeiten des Power6 unfair sei. Ein Dritter meint: "Der gesuchte Begriff ist 'Confusopoly' und beschreibt die Standardantwort von Unternehmen, wenn das Produkt, das sie verkaufen, Commodity ohne erkennbare Unterschiede zum Wettbewerb ist."

Offensichtlich ist diese Art von Bepreisung (die zum Beispiel auch Oracle verwendet) unangemessen, weil intransparent: Sie basiert auf Benchmark-Ergebnissen, die sich weder verifizieren noch in der wirklichen Welt nachvollziehen lassen. Oder wie ein weiterer Kommentar klarstellt: "Der Fairness halber sollte die Herleitung des Core-Performance-Faktors transparent und von einer unabhängigen Instanz überprüft sein. IBM ist sowohl Prozessor- und Systemhersteller als auch Softwareanbieter. Es hat damit die Macht, seine Softwarelizenzen zum Vorteil der eigenen Server zu manipulieren."

Die Geschichte des Softwaremarkts weist darauf hin, dass Anwender gegenüber offensichtlich unfairem und undurchsichtigem Pricing intolerant sind. Wenn es IBM also nicht gelingt, die Grundlagen der PVU-Ermittlung aufzuklären, dann könnte sich die ganze Übung auf lange Sicht hinweg als kontraproduktiv erweisen. (tc)