Powerserver 970 mit über 100 Specmarks

IBMs neuer RISC-Server macht Front gegen blaue Großrechner

24.04.1992

NEW YORK (CW) - Mit der Vorstellung des leistungsstärksten Servers in der Angebotspalette der RS/6000-Systeme macht Big Blue deutlich, daß der Wettbewerb gegen eigene Produktlinien nicht mehr tabu ist. Der "Powerserver Modell 970" könnte - so auch die hausinterne IBM-Meinung - wesentliche Aufgaben der blauen Großrechner-Systeme übernehmen.

Das jetzt vorgestellte Server-System löst das Modell 950 an der Spitze der IBM-RISC-Rechner ab, wird mit einem Preis von zirka 98 000 Dollar für eine Einstiegsversion mit 64 MB Arbeitsspeicher und 2,2-GB-Festplatte aber etwa gleich viel kosten wie das bisherige Top-modell.

Modell 970 kann zudem auf einige technische Besonderheiten verweisen: Die nach IBM-Angaben erzielten 100 Specmarks - damit wäre das RISC-System in puncto Rechenleistung momentan in der Branche die Nummer eins - habe man durch eine 0,5-Submikron-Implementation des Power-Chips in CMOS-Technologie erzielt. Eine vergleichbare Integrationsdichte kann bislang nur noch DEC mit dem Alpha-Chip bieten.

Außerdem werde in dem neuen Server erstmals IBMs neue Mikrokanal-Busarchitektur eingesetzt. Mit dieser sollen Daten-Transferraten von 80 MB/s realisierbar sein. Für die Nutzung als Server-System ist auch von Bedeutung, daß das neue Topmodell 16 Einschubsteckplätze für Massenspeicher aufweist.

Bei solchen Charakteristika wundern sich Branchenkenner nur noch über die Offenheit, mit der selbst innerhalb der IBM diese AIX-basierten RISC-Rechner als Konkurrenz für Mainframes eingestuft werden.

So zitiert die Wirtschaftszeitung "Wall Street Journal" IBMs Vice-President Phil Hester mit der Aussage, der Powerserver 970 sei nicht nur für Wissenschaftler interessant. Vielmehr dürfte er auch kommerzielle Anwender ansprechen. Banken etwa, so der Chef der Workstation-Entwicklungsabteilung bei Big Blue, hätten bislang nur die Möglichkeit gehabt, bei steigendem Rechenbedarf noch größere Mainframes zu kaufen.