Zusammenspiel von Netview und CMIP

IBMs Netz-Management-System Systemview nimmt Gestalt an

24.05.1991

FRAMINGHAM (IDG) - Big Blue bemüht sich offensichtlich darum, den Schleier über seine künftige Netzwerk-Management-Strategie zu lüften. So gaben die Armonker kürzlich einige Merkmale des noch in der Entwicklung befindlichen Tools "Systemview" bekannt.

Mit Systemview für heterogene und unternehmensweite IS-Netzwerke (IS: Information Systems) schlägt IBM eine Brücke zwischen Bestehendem und Neuem: So soll das Produkt, das allerdings nicht vor 1994 oder 1995 verfügbar sein wird, eine Reihe noch nicht angekündigter Komponenten oder Software-Elemente und zukünftige Versionen bereits vorhandener Systeme wie Netview umfassen. Kathy Howell, IBM-Direktorin für das System Management, betonte in diesem Zusammenhang, daß Netview einen wesentlichen Bestandteil der neuen Architektur abgibt.

Durch die Einbeziehung von CMIP als Grundlage für den Nachrichtenaustausch liegt die Betonung aber auch auf OSI. Im Bereich der Message-Formate will die IBM also ihren proprietären Kurs verlassen.

Die Management-Informationen dagegen behalten den IBM-Charakter. Die erforderlichen zahlreichen Objekte sollen bis Ende dieses Jahres definiert werden, wobei heutige Datenstrukturen von Netview aber nicht mehr als Vorlage dienen.

Um eine weitgehende Offenheit von Systemview zu gewährleisten, denkt man bei IBM auch an eine Unterstützung des Simple Network Management Protocol (SNMP). In Teilbereichen wurde die SNMP-Anbindung bereits realisiert, so durch Softwareprodukte für MVS und VM, die es unter Netview arbeitenden Hosts erlauben, SNMP-Netzwerke zu managen.

Trotz der jetzt bekanntgegebenen Einzelheiten begegnen potentielle Benutzer der Systemview-Strategie mit Skepsis. Für sie gibt es weiterhin noch zu viele offene Punkte. Neben einem definitiven SNMP-Support ist es beispielsweise fragwürdig, inwieweit sich eine Migration von Netview zu der neuen Lösung und eine Einbindung von bestehenden APIs in Systemview bewerkstelligen lassen.

Mangels konkreter Festlegungen sind Dritt-Anbieter daher nach wie vor dabei, Programme für das IBM-Netzwerk-Management einzufahren, die auf die gegenwärtigen Netview-Anwendungs-Interfaces zugeschnitten sind. Big Blue selbst hat indessen zu verstehen gegeben, daß eine Verträglichkeit von Systemview mit etwaigen "zuarbeitenden" Produkten anderer Anbieter nur dann gewährleistet sein wird, wenn diese OSI-konforme Agenten und Manager unterstützen.