IBMs AS/400 - ein Auslaufmodell?

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Big Data / Analytics und Digitale Transformation.
Im Interview mit CW-Redakteur Wolfgang Herrmann lobt IBM-Topmanager Mark Shearer die Vorzüge der I-Series-Server, vormals AS/400. Andreas Zilch von der Experton Group hält die Plattform für ein Auslaufmodell.

CW: Nur Windows und Linux werden langfristig als Betriebssysteme überleben, prognostizieren einige Analysten. Wo sehen Sie die Zukunft der I-Series-Plattform?

SHEARER: I-Series-Server mit dem Betriebssystem i5/OS lassen sich mit einem Minimum an IT-Personal betreiben. Das unterscheidet sie von allen anderen Plattformen. In den vergangenen Jahrzehnten betrug der Hardware- und Softwareanteil an den IT-Budgets rund 70 Prozent. Heute entfallen 70 Prozent auf das Personal, das die Systeme verwaltet.

Mark Shearer, Chef von IBMs I-Series-Sparte, wirbt mit Kostenvorteilen beim Anwendungsbetrieb.
Mark Shearer, Chef von IBMs I-Series-Sparte, wirbt mit Kostenvorteilen beim Anwendungsbetrieb.

CW: Welche Einsparungen versprechen Sie konkret?

SHEARER: Aktuelle Berichte von IT-Analysten haben Kostenvorteile zwischen 30 und 70 Prozent identifiziert, wenn eine Business-Anwendung in einer I-Series-Umgebung läuft. Nicht wenige Unternehmen beschäftigen Dutzende von Spezialisten, um ihre Industriestandard-Server zu managen.

CW: Ausgefeilte Verwaltungswerkzeuge gibt es auch in der Windows- und der Linux-Welt, von Unix ganz zu schweigen. Der Vorsprung von integrierten Systemen wie der I-Series schmilzt.

SHEARER: Das Gegenteil ist der Fall. I-Series-Nutzer brauchen beispielsweise keine dedizierten Datenbank- oder Sicherheitsadministratoren. Viele Dinge, die in der Linux- oder Windows-Welt manuelle Eingriffe erfordern, sind auf der I-Series-Plattform automatisiert.

CW: Immer mehr Unternehmen entscheiden sich nach einem Vergleich der Gesamtkosten (TCO = Total Cost of Ownership) für billige x86-Server. Selbst ein Großanwender wie Google nutzt für seine kritischen Anwendungen eine Vielzahl gekoppelter Lowcost-Rechner. Warum soll ein Umstieg auf eine Intel- oder AMD-basierende Plattform nicht auch für I-Series-Nutzer attraktiv sein?

SHEARER: Man muss zwischen verschiedenen Workload-Arten unterscheiden. Die meisten Unternehmen werden künftig eine Kombination aus Scale-up- und Scale-out-Techniken nutzen, also eine Mischung aus leistungsstarken Einzelmaschinen und vielen kleinen Rechnern. Für einige Anwendungen kommt beispielsweise ein Blade-Center in Betracht, das zu großen Teilen aus Standardkomponenten besteht. Andere Applikationen wie Core Banking oder ERP, die große und sichere Datenbanken benötigen, laufen besser in einem Scale-up-Modell. Aus meiner Sicht besteht die ideale Lösung darin, Preis-Leistungs-Vorteile eines Blade Centers mit den Scale-up-Vorzügen einer I-Series zu kombinieren. Einige unserer Kunden sind dabei, Linux- und Windows-Applikationen auf I-Series-Server zu reintegrieren.