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IBM: Zu wenig neue Serviceverträge?

05.01.2004

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - IBM hat sich einen klassischen Fehlstart ins Jahr 2004 geleistet. Ein negativer Analystenkommentar hat die Anleger des Konzerns verunsichert. Demnach soll die Sparte Global Services ihr Ziel von 14 Milliarden Dollar an Neuverträgen im vierten Quartal verfehlen. In Südkorea ist Big Blue zudem in einen Korruptionsskandal verwickelt.

Zuerst ging Bear-Stearns-Analyst Andrew Neff mit der Dienstleistungssparte Global Services ins Gericht. Seiner Einschätzung nach hat es Big Blue im vierten Fiskalquartal nicht geschafft, das prognostizierte Volumen von 14 Milliarden Dollar an Neuverträgen zu erreichen. Stattdessen rechnet Neff mit Abschlüssen im Wert von zwölf bis 13 Milliarden Dollar. Die IBM-Prognose stammt indes vom Oktober des vergangenen Jahres und war damals als eine Art "Arbeitsgrundlage" bezeichnet worden. Auf einer Analystenkonferenz Anfang Dezember wollte das Management von Big Blue die Summe nicht mehr bestätigen.

Zwar sei das Neugeschäft nicht mit konkreten Umsätzen gleichzusetzen, schränkte auch Neff ein. Dennoch bezeichnete er die Zahlen als einen wichtigen Indikator für den Geschäftsverlauf. Im vierten Quartal des Jahres 2002 hatte IBM Neuverträge von 18 Milliarden Dollar gemeldet, im dritten Quartal 2003 waren es knapp 15 Milliarden Dollar gewesen. Wegen der Nachricht gehörte IBMs Aktienkurs mit einem Minus von 1,2 Prozent zu den größten Tagesverlierern im Dow-Jones-Index. Die endgültigen Zahlen für den jüngsten Berichtszeitraum stellt der Konzern Mitte Januar vor.

In der Bear-Stearns-Prognose enthalten ist bereits ein großer Anschlussauftrag, den IBM Ende Dezember ankündigte. Der US-amerikanische Einzelhändler Target lässt seine Mainframe-Infrastruktur in den kommenden zehn Jahren vom Computerkonzern verwalten. Dem Deal liege laut IBM eine Preisstruktur zugrunde, wonach Target nur für die anfallenden Dienste zahlen wird. Big Blue nennt dies On-Demand-Computing. Bereits in den vergangenen fünf Jahren war der Einzelhändler Kunde von IBM gewesen. Finanzielle Details wurden nicht genannt.

Derweil droht Big Blue weiteres Ungemach aus Südkorea, wo Mitarbeiter dort ansässiger IBM-Firmen Beamte bestochen und Preisabsprachen getroffen haben sollen. Insgesamt werden 48 Staatsdiener und Manager der Korruption beschuldigt. Betroffen sind unter anderem IBM Korea und LGIBMPC, ein Joint Venture mit dem koreanischen Konzern LG Electronics. Berichten zufolge ging es um Aufträge für PCs und Server von über 50 Millionen Dollar. Die schwarze Kasse soll 2,5 Millionen Dollar schwer gewesen sein.

IBM hat eigenen Angaben zufolge bereits rechtliche Schritte eingeleitet. Drei Manager seien entlassen worden, weil sie gegen den Verhaltenskodex verstoßen hätten. In einem offiziellen Statement bedauerte Big Blue die Entwicklung. Dem Computerkonzern droht nun der Ausschluss von öffentlichen Ausschreibungen in Südkorea für zwei Jahre. (ajf)