Big Blue erwirbt Lizenz von Hewlett-Packard:

IBM will Netzwerknutzer kontrollieren

01.09.1989

MÜNCHEN (lb) - Hewlett-Packard hat eine Lizenz für die Control- und Accounting-Software "NLS" an die IBM Corp. vergeben. Das Paket der HP-Division Apollo ermöglicht IBM die Kontrolle lizenzpflichtiger Fremd- und Eigensoftware im Netz.

Insider vermuten, daß IBM das "NLS" im CAD/CAM/CAE-Bereich einsetzen will, um festzustellen, ob auch alle Benutzer ihrer Netzwerkprogramme linzenzberechtigt sind. Mit der Control- und Accounting-Software für Sun-Rechner und VAX/ VMS-Plattformen von DEC eröffnet sich für den blauen Riesen obendrein die Möglichkeit, die Zeit der Inanspruchnahme von Fremd- und Eigensoftware im IBM-Netz künftig exakt zu registrieren und danach mit den Kunden auf Heller und Pfennig abzurechnen.

Mit dem Erwerb der "NLS"-Lizenz verfolgt der Mainframe-Monopolist noch ein weiteres Ziel. Informationen aus HP-Managerkreisen zufolge beabsichtigt IBM, "NLS" standardisieren zu lassen. Um dieses Ziel möglichst schnell zu erreichen, habe IBM bei der Open Software Foundition (OSF) einen Vorschlag eingereicht. Die Chancen stehen nach Aussage des HP-Sprechers gut, da auch die Apollo-Network-Computing-Software "NCS" (vor kurzem von IBM erworben) inzwischen standardisiert sei.

Das "NCS" arbeitet in Verbindung mit "NLS" und ermöglicht den Datentransfer von Applikationsprogrammteilen auf Plattformen verschiedener Rechnerhersteller. IBMs Absicht, die Control- und Accounting-Software "NLS" zum Standard zu machen, wird begünstigt durch die Tatsache, daß das Paket nicht nur Apollo-Netze, sondern sämtliche in der Computerindustrie eingesetzten heterogenen Netzwerke unterstützt.