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IBM verzichtet bei Domino 6 auf Extended Systems

13.06.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Im nächsten Release von IBMs Groupware und Anwendungsplattform "Domino" ist Extended Systems offenbar nicht mehr mit von der Partie. Bislang belieferte die Softwareschmiede aus Boise, Idaho, mit Infrastruktur-Software für die Synchronisation von mobilen Endgeräten mit Desktops, und zwar sowohl für Domino als auch für die zweite Anwendungsplattform "Websphere". Beide Unternehmen wollten ursprünglich auch bei der Entwicklung einer leistungsfähigeren Mobile-Server-Lösung kooperieren.

IBM hat sich aber nun einem Bericht von "Computerwire" zufolge offenbar anders entschieden und setzt stattdessen auf eine Eigenentwicklung, die auf dem entstehenden Standard SyncML basiert. "Extended Systems liefert die Technik hinter Lotus EasySync Pro. Wir werden das weiterhin vermarkten, weil es immer noch einen Gutteil Anwender gibt, die die meiste Zeit an ihrem Schreibtisch verbringen", erklärte Jim Moffat, Lotus Market Manager IBM EMEA.

"Wir haben für mobile Nutzer den Kurs gewechselt, um den offenen Standard SyncML zu unterstützen. Die neue Version nutzt SyncML für den Server-Abgleich. Wir können damit PIM-Informationen in standardisierter Weise mit einer größeren Bandbreite von Endgeräten austauschen", so Moffat weiter. David Hofacker, UK Managing Director bei Extended Systems, war über die Entscheidung von IBM noch nicht im Bilde. Erstaunen würde sie ihn indes nicht: "Es würde mich nicht wundern, wenn IBM in Sachen Server seinen eigenen Weg geht, weil wir mit ihnen überall konkurrieren."

Schlechte Nachrichten würde ein derartiger Schritt von IBM allerdings nicht allein für Extended Systems, sondern auch andere Pioniere des mobilen Datenabgleichs wie Pumatech, Synchrologic, AvantGo und Sybase/iAnywhere bedeuten, die größtenteils von der "Mobilisierung" von Domino und Microsoft Exchange leben. Zumindest ihre Domino-Umsatzströme drohen zu versiegen, wenn IBM Domino 6 zusammen mit der SyncML-Komponente "Domino Everyplace" ausliefert. Moffat zufolge erhalten Kunden das Upgrade im Zuge des "Passport"-Programms vermutlich gegen Ende des dritten Quartals. Die Suche nach Third-Party-Middleware wird dann überflüssig.

Moffat geht davon aus, dass die davon betroffenen Anwender "eine 30-Grad-Wendung" vollziehen und ihre Kerntechnik um neue Produkte ergänzen werden, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Extended Systems beispielsweise hatte Ende Mai die auf mobile Anwendungen und Services spezialisierte Softwareschmiede Viafone übernommen und damit eine leichte Umorientierung bereits angedeutet. (tc)