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IBM verstärkt Supercomputer-Dominanz

22.06.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - IBM hat gegenüber dem Wettbewerb seinen Vorsprung in der Welt der Supercomputer ausgebaut. In der heute auf der SC2005 in Heidelberg zum 25. Mal veröffentlichten neuesten Fassung der halbjährlich erscheinenden Top-500-Liste der weltschnellsten Numbercruncher finden sich gleich sechs Systeme von Big Blue in den Top 10, darunter die beiden leistungsstärksten, deren Vorsprung vor der Konkurrenz sich merklich vergrößerte.

Aktueller Spitzenreiter der Top 500 ist einmal mehr der bei den Lawrence Livermore National Laboratories des US-Energieministeriums installierte "BlueGene/L", der seine Leistung gegenüber der Liste vom vergangenen November auf 136,8 Teraflops (= Billionen Fließkommaoperationen pro Sekunde) nahezu verdoppelt hat. Im Laufe des Sommers sollen in der nächsten Ausbaustufe dann 270 bis 280 Teraflops erreicht werden, kündigte Dave Turek an, IBMs Vice President für Deep Computing.

Mit dem Watson Blue Gene (WBG), der vergangene Woche im Thomas Watson Research Center in Yorktown, New York, in Betrieb genommen wurde, landet ein weiteres Blue-Gene-System auf Platz zwei der Top 500. WBG wurde mit 91,2 Teraflops im Linpack gebenchmarkt und steht für wissenschaftliche und kommerzielle Forschung zur Verfügung.

Rang drei der Top 500 belegt das "Columbia"-System, das Silicon Graphics (SGI) bei Ames Research Center der US-Weltraumbehörde NASA installiert hat. Es leistet 51,87 Teraflops. Platz vier belegt der "Earth Simulator" von NEC mit unverändert 35,86 Teraflops. Der fünftschnellste Rechner weltweit kommt wieder von IBM. Es handelt sich um den kürzlich im Barcelona Supercomputer Center angelaufenen "Mare Nostrum" mit 27,91 Teraflops, dicht gefolgt von einem weiteren Blue-Gene-Rechner mit 27,45 Teraflops, der sich im Besitz von Astron befindet und an der niederländischen Universität Groningen aufgestellt ist.

IBMs Dominanz bei Supercomputern scheint zu Lasten von Hewlett-Packard zu gehen. Gegenüber der Novemberliste steigerten die Armonker ihren Top-500-Anteil von 43,4 auf aktuell 51,8 Prozent der gelisteten Systeme. HP belegt zwar noch Rang zwei unter den Hersteller, rutschte aber von 34,8 auf 26,2 Prozent ab. Dahinter landen SGI mit 4,8 Prozent, Dell mit 4,2 Prozent sowie Cray mit 3,2 Prozent. In punkto installierter Leistung führt IBM mit 57,9 Prozent vor HP mit 13,3 Prozent sowie SGI mit 7,45 Prozent.

In der Masse dominieren im Supercomputer-Bereich inzwischen aber Rechner mit Prozessoren von Intel. Die meisten der Top-500-gelistenten Systeme arbeiten mit "Xeon"-CPUs, dahinter folgt der kommerziell bislang nicht wunschgemäß erfolgreiche 64-Bit-Chip "Itanium".

Die Japaner wollen sich offenbar von IBM nicht länger die Butter vom Supercomputer-Brot nehmen lassen. Nachdem über Jahre der Vektorrechner Earth Simulator die Top 500 angeführt hatte, wird nun nachgerüstet: Das Ministerium für Bildung, Kultur, Sport und Wissenschaft (MEXT) hat NEC damit beauftragt, den weltweit ersten Petaflops-Rechner (= eine Billiarde Fließkommaoperationen pro Sekunde) zu entwickeln.

Dieser soll einer Pressemitteilung zufolge im Jahr 2010 für Simulationen in der Forschung zur Verfügung stehen. Geplant ist einer Mitteilung zufolge, dass die Maschine Daten zwischen CPU und Speicher optisch und nicht elektrisch überträgt. Dabei sollen pro Prozessor 1000 Signalwege mit mehr als 20 GB/s Durchsatz realisiert werden. (tc)