Marktexperten sagen einen Mißerfolg von RISC-Maschinen voraus:

IBM verdoppelt Leistung der Serie 6150

19.08.1988

NEW YORK (IDG) - IBM investiert alle verfügbaren Ressourcen in die Rechnerserie 6150. Nach Aussage von Arthur Goldberg, Direktor von Big Blues AES-Division, soll die Geschwindigkeit zur Berechnung von Gleitkommazahlen bis 1989 mehr als verdoppelt werden.

Um den Durchsatz zu erhöhen, wolle der Marktführer als Zentraleinheit einen Gleitkomma-Prozessor in RISC-Technologie einsetzen. IBM plane, die Maschinen als Einplatzversion für Grafikanwendungen, als Mehrplatz-Rechner zum Anschluß von Low-Cost-Terminals sowie für den Einsatz als Netzwerk-Server auf dem Markt zu positionieren. Nach Goldbergs Einschätzung hätte derzeit IBM Marketingvorteile, weil die Open Software Foundation beschlossen habe, ihre Unix-Produkte auf Basis einer kommenden AIX-Version aufzubauen.

Bis die übrigen OSF-Mitglieder und andere Hersteller nachziehen, will Big Blue AIX weiterentwickeln und auf die PS/2-Rechner und die 370-Familie portieren. Goldberg machte deutlich, daß IBM Anspruch auf die Rechte an der RISC-Technologie erhebe und dies auch mit zwölf Patentschriften belegen könne. Mit welchen genau, wollte er allerdings nicht sagen. "Wir sind entschlossen" - so der IBM-Mann - "unsere intellektuellen Leistungen gegen jedes Unternehmen aggressiv zu verteidigen, das Produkte auf Basis unserer Patente entwickelt".

Nach Ansicht von Branchenkennnern wird IBMs Versuch, das Interesse an 6150ern neu zu wecken, jedoch ein Flop. Big Blue hätte seit der jüngsten Ankündigung in Sachen 6150 an Vertrauen eingebüßt. "Man versprach einen 6150-Rechner mit doppelter Leistung bereits für Ende dieses Jahres", so eine Marktanalystin. Herausgekommen sei eine Preiserhöhung von 25 Prozent. Das sei, so die Expertin, verglichen mit den Angeboten von Sun und Hewlett-Packard im RISC-Bereich kein gutes Angebot.