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IBM setzt voll auf Web-Services

15.05.2001

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Zur Jahresmitte will IBM seine betriebssystemnahe Software an eine Reihe von Standards angepasst haben, die eine weitgehende Automatisierung von Geschäftsprozessen im Internet möglich machen. Big Blue denkt nicht daran, den sich abzeichnenden Markt der Web-Services den Konkurrenten Microsoft mit .NET und Sun mit dem Open Net Environment (ONE) zu überlassen. Das Verkaufsargument von Big Blue ist die Befolgung der reinen Lehre offener Internet-Standards. Dass die Konkurrenten sich auch an diese Standards halten, kann Anwender nur optimistisch stimmen.

Fünf Spezifikationen sollen die Interaktion von Web-basierten Anwendungen in und zwischen Unternehmen verbessern: Universal Description, Discovery and Integration (UDDI), das Simple Object Access Protocol (SOAP), die Java 2 Enterprise Edition (J2EE), die Extensible Markup Language (XML) und die Web Services Description Language (WSDL). Bei letzterer handelt es sich um ein XML-basiertes Protokoll zu Definition und Verknüpfung von Workflows in E-Business-Prozessen, das IBM entwickelt hat und dem Standardisierungkomitee W3C als Ergänzung zum XML-Standard vorschlägt.

An diese Standards wird IBM seine Datenbank DB2 und seine Middleware anpassen. Neue Produkte sollen die Interaktion von Anwendungen per Internet verbessern. Basis der Anwendungen und Services wird eine neue Version von "Websphere Studio", von der es bis dato nur ein "Technology Preview" gibt und die im September erscheinen soll. Der darauf gesetzte entscheidende Baustein wird ein neues Tool namens "Websphere Business Integrator" sein. Diese Software transportiert SOAP-Messages zwischen den Anwendungen, um sie zu verbinden sowie ihre Interaktion und Prozesse zu kontrollieren. Über modulare Templates lassen sich spezifische Geschäftsprozesse definieren. Dafür rechnet IBM mit Beiträgen von unabhängigen Softwarehäusern.

DB2 ist seit der vor zwei Wochen vorgestellten Version 7.2 mit dem "DB2/XML Extender" und der Unterstützung von Standards wie UDDI und Soap schon so weit, eine neue Rolle über die Speicherung von Daten hinaus zu übernehmen: Die Datenbank dient jetzt auch als Repository, in dem die Funktionen und Vorschriften der verknüpften E-Business-Prozesse hinterlegt sind. Dazu kommunizieren unterschiedliche, auch nichtrelationale Datenbanken miteinander, soweit sie den genannten Standards entsprechen.

Die Software der IBM-Tochter Lotus wird um ein "Web Services Enabling Kit" erweitert. Mit seiner Hilfe sollen sich über die Internet-Standards Soap und WSDL nicht nur Nachrichten übermitteln, sondern auch Workflows verbinden lassen. Dadurch wird "Domino" zum Transportagenten für gemeinsames Wissen von Abteilungen oder Firmen.

Das Ganze wird gesteuert durch ebenfalls an Standards angepasste Tivoli-Programme. So überwacht der "Tivoli Web Services Manager" die Perfomance in der Kette von Transaktionen über die Applikationen und Services. Mittels des "Tivoli Secure Way Policy Director" sollen Anwender den Zugriff und die Nutzungstiefe von Applikationen und Daten regeln.