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IBM schwingt den blauen Hammer

21.03.2001
Im hart umkämpften Markt der Unix-Server hat IBM eine neue Runde eingeläutet: Unter dem Programm "E-Server Cluster" (Codename: "Blue Hammer") lassen sich bis zu 32 Rechner unter AIX oder Linux zusammenschalten

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Im hart umkämpften Markt der Unix-Server hat IBM eine neue Runde eingeläutet: Unter dem Programm "E-Server Cluster" (Codename: "Blue Hammer") lassen sich bis zu 32 Rechner unter AIX oder Linux zusammenschalten. Die Cluster sollen vor allem bei ISPs und ASPs als Herzstück großer Server-Farmen zum Einsatz kommen.

Die technische Grundlage von Blue Hammer bilden eine Software zur Cluster-Verwaltung und ein spezielles Dateisystem aus IBMs massiv-paralleler Supercomputer-Baureihe "SP". Damit sollen sich bis zu 32 Server von einer Workstation-Konsole aus kontrollieren lassen.

Typische Anwender sieht Big Blue in Internet-Service-Providern (ISPs) oder Application-Service-Providern (ASPs), die große Server-Farmen betreiben. Daneben eigneten sich die Rechnerverbände für Unternehmen, die Data Warehouses benötigen oder mächtige Schlüsselanwendungen für Customer-Relationship-Management (CRM) sowie Enterprise-Resource-Planning (ERP) einsetzen.

Server-Cluster für das herstellereigene Unix-Derivat AIX werden voraussichtlich noch im März verfügbar sein, erklärte David Gelardi, IBMs Director für Linux-Lösungen. Varianten für das Open-Source-Betriebssystem Linux stünden im dritten Quartal zur Verfügung. Der Einstiegspreis für einen AIX-Cluster liege bei knapp 32.000 Dollar pro Rechnerknoten.

Als Bausteine in den AIX-Clustern dienen IBMs Rack-basierte Midrange-Server "M80" mit zwei bis maximal acht Prozessoren oder die Baureihe "H80" mit einer bis sechs CPUs. Maximal 32 dieser Systeme können im Verbund arbeiten. Darüber hinaus lassen sich die leistungsstärkeren Server "p680" und "S80" in ein Cluster integrieren. Alle genannten Rechner arbeiten bei Bedarf auch im Verbund mit den massiv-parallelen SP-Supercomputern.

Als einen der ersten Kunden präsentierte Big Blue die Daimler-Chrysler AG. Der Automobilkonzern plane, Verbände aus M80-Servern in seinem Rechenzentrum in einem Vorort von Detroit einzusetzen. Laut Mike Kasperek, Gruppenleiter für den AIX-Support in Michigan, lasse sich mit dem Server-Cluster insbesondere Platz im Data Center einsparen. Daimler-Chrysler werde zunächst vorrangig AIX einsetzen, sei aber an einer Migration auf Linux interessiert. Nach den Ausführungen Kaspereks verspricht sich der Automobilhersteller davon Einsparungen bei den Softwarekosten, beispielsweise durch den Einsatz des Web-Servers "Apache".

Bei dem jüngsten Angebot IBMs handelt es um eine Mischung aus Supercomputer-Technik und herkömmlichen Systemen aus der Risc-Unix-Welt. So verwendet der Hersteller etwa die Cluster-Verwaltung "Parallel System Support Program" (PSSP) und das Dateisystem "General Parallel File System" (GPFS) aus der SP-Serie. Beide Systeme wurden bereits für die Verwaltung der Website der Olympischen Spiele in Sydney eingesetzt.

Systemadministratoren können alle Steuerungsfunktionen von einer Konsole aus verwalten; GPFS erlaubt den Angaben zufolge den Dateizugriff über alle Rechnerknoten im Verbund hinweg und skaliert bis zu einer Datenmenge von 9 Terabyte (TB). In diesen Management-Funktionen sehen Experten ein wichtiges Differenzierungsmerkal für IBM gegenüber Systemen von Sun oder HP. Mit dem Clustering File System erhalte "jeder Server Zugriff auf jede Datei auf einem anderen Rechner, ohne sich in diesen einloggen zu müssen", erläutert Jean Bozman, Analystin beim Marktforschungsunternehmen IDC.

Gelardi bezeichnet das Cluster-Programm als Bestandteil von IBMs Linux-Strategie. Man werde in diesem Rahmen Kerntechnologien des Konzerns für das Open-Source-Betriebssystem zugänglich machen und damit dessen Präsenz im professionellen Einsatz stärken. IBMs SP-Technologien und Erfahrungen mit Supercomputern könnten dazu beitragen, Skalierungsprobleme von Linux zu lösen.