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IBM ordnet seine Softwaresparte neu

01.12.2003
IBM will sein Softwaregeschäft vertikal aufteilen und verstärkt mit Partnern kooperieren. Dies soll Umsatzwachstum sichern, wenn die Anwender wieder mehr investieren.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Anfang Januar lädt IBM über 10.000 Mitarbeiter seiner Softwaresparte nach Las Vegas, um ihnen die Details einer anstehenden Reorganisation zu erläutern. Der Bereich soll einem Bericht der "Financial Times" zufolge in zwölf vertikale Segmente gegliedert und damit besser für künftiges Wachstum aufgestellt werden, wenn die IT-Investitionen der Anwenderunternehmen wieder steigen.

Dann nämlich, so glaubt IBM, werden die Firmen vor allem nach Wegen suchen, um ihre Geschäftsprozesse zu automatisieren. "Technologie an und für sich genügt nicht mehr", hatte Konzernchef Sam Palmisano kürzlich in einer Rede in San Francisco erklärt. "Der entscheidende Wettbewerbsvorteil findet sich an der Schnittstelle zwischen Geschäftsprozess und Technik."

IBMs Softwaresparte, die immer noch stark von Mainframe-Softwarevermietung abhängt, steckt seit vier Jahren in einem schmalen Umsatzkorridor zwischen 12,6 und 13,1 Milliarden Dollar fest - und das trotz großer Zukäufe wie Rational und des Datenbankgeschäfts von Informix sowie zahlreicher kleinerer Akquisitionen. Die anstehende Vertikalisierung soll hier neue Potenziale erschließen. "Der strategische Wechsel hat das gleiche Ausmaß wie unsere Entscheidung von 1998, aus dem Markt für Anwendungssoftware auszusteigen", erklärte Vice President Scott Hebner.

Ende der 90er Jahre hatte IBM entschieden, sich auf integrierende Middleware zu fokussieren. Es wurde daraufhin von den großen Applikationsanbietern nicht länger als Wettbewerber angesehen, wovon der Softwarebereich profitierte. Nun sind weitere Veränderungen nötig, um neues Wachstum zu sichern.

Insgesamt 60 neue branchenspezifische Middleware-Produkte will IBM im kommenden Jahr herausbringen. Flankierend will der Konzern hunderte von Millionen Dollar für Partnerschaften mit ISVs (Independent Software Vendors) ausgeben, die in einzelnen Industriesegmenten als führende Anwendungsanbieter angesehen werden. Diesen will Big Blue mit Marketing- und technischer Unterstützung unter die Arme greifen, so sie sich entscheiden, IBMs Middleware zu unterstützen.

"Dass IBM diese Änderungen macht ist keine Überraschung", kommentiert Analyst George Gilbert von Tech Strategy Partners. "In einem ausreifenden Softwaremarkt müssen erfolgreiche Firmen in der Lage sein, Produkte anzubieten, die den Anforderungen ihrer Kunden besser entsprechen." Allerdings berge die stärkere Abhängigkeit von Partnern auf Konfliktpotenzial - vor allem im Bereich der Kontrolle über den Vertrieb.

Steve Mills, Chef von IBMs Softwaresparte, will außerdem die Beziehungen zu führenden Systemintegratoren wie Accenture, Cap Gemini Ernst & Young (CGEY) oder Bearing Point wieder verbessern. "Nach der PwC-Übernahme im vergangenen Jahr hatten sich unsere Beziehungen zu einigen der System Integrators abgekühlt", konzediert Mills. "Aber die kommen wieder." Durch die Übernahme der Beratungssparte von PricewaterhouseCoopers für 3,5 Milliarden Dollar hatte IBM rund 30.000 Berater mit guter Branchenvernetzung übernommen. (tc)