Medtronic und Under Armour

IBM nutzt die CES-Bühne für die Ankündigung neuer Watson-Deals

Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Weitere Interessen: der SV Werder Bremen, Doppelkopf und Bücher - etwa die von P.G. Woodhouse.
Mit Virginia Rometty hat erstmals ein IBM-CEO auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas eine Keynote gehalten. Sie kündigte Partnerschaften mit dem Medizingerätehersteller Medtronic und dem Sportswear-Anbieter Under Armour an.

Rometty verbreitet seit Monaten nur noch eine Botschaft: Die Zukunft gehört der Künstlichen Intelligenz oder auch dem Cognitive Computing. Hintergrund ist der Wandel im Geschäftsmodell von IBM: Mit klassischen Produkten rund um Hardware, Middleware und Applikationen lässt sich immer weniger Geschäft machen. Erst auf der Insight-Konferenz Ende 2015, ebenfalls in Las Vegas, sagte sie: "Wir haben im Wert von rund acht Milliarden Dollar Bestandteile unseres Business verkauft, um uns ganz auf neue Geschäftsfelder umzustellen."

Auf der CES legte die IBM-Chefin nach. "Die digitale Ausrichtung ist für Unternehmen nicht irgendein Ziel, sondern die Grundlage künftiger Geschäfte", sagte Rometty. Der entscheidende Wettbewerbsfaktor für Unternehmen werde künftig darin liegen, Daten zu verstehen und zu nutzen.

Bessere Informationen für Diabetis-Patienten

Um in den Bereichen Analytics und Cognitive Computing voranzukommen, sucht Big Blue Partnerschaften. Auf der CES kündigte IBM zusammen mit Medtronic an, die Watson-Analytics-Technologie werde als Backend für eine App eingesetzt, die theoretisch weltweit 400 Millionen Menschen mit Diabetis das Leben erleichtern könne.

Die App sammelt Daten der von Medtronic vermarkteten Insulin-Pumpen und Glukose-Monitoren. Diese lassen sich so auswerten, dass klar wird, wann der Blutzuckerspiegel einen bestimmten, kritischen Level unterschreitet. Wie Omar Ishrack, CEO von Medtronic, auf der CES erläuterte, lassen sich solche kritischen Zustände rund drei Stunden vor ihrem zu erwartenden Eintreten erkennen, so dass Patienten präventiv Maßnahmen ergreifen können.

Medtronic hat die App bereits an 600 Patienten getestet. Die Resultate seien positiv gewesen, vom Sommer an werde man die App in der Breite vermarkten. Was der Service kosten soll, ist noch unklar - und damit auch, wie viele der 400 Millionen potenziell betroffenen ihn sich leisten können werden.

Fitness-Tipps für Kunden von Under Armour

Ebenfalls mit IBM im Geschäft ist Under Armour, ein stark wachsender US-Anbieter von Sportbekleidung. Das Unternehmen ist gegenwärtig dabei, den Markt für Activity Tracker zu erschließen und bietet dazu unter anderem Fitness-Armbänder und ein Brustband für das Monitoring der Herzaktivität an. Hinzu kommt eine Waage, die laut Hersteller nicht nur das Gewicht, sondern auch den Körperfett-Anteil erhebt.

IBM-CEO Virginia Rometty mit Under-Armour-Chef Plank
IBM-CEO Virginia Rometty mit Under-Armour-Chef Plank
Foto: James Niccolai, IDG News service

Die Daten sollen nun gesammelt an Watson übergeben und analysiert werden, um daraus Empfehlungen abzuleiten, wie Nutzer Gewicht abbauen und fitter werden können, sagte Kevin Plank, Gründer und CEO von Under Armour, auf der CES. Plank hofft, das Interesse der Konsumenten an Fitness-Themen zu erhöhen, um in der Folge mehr Sportkleidung verkaufen zu können.

Roboter Pepper übergibt Daten an Watson

IBM-CEO Virginia Rometty mit dem Softbank-Roboter Pepper
IBM-CEO Virginia Rometty mit dem Softbank-Roboter Pepper
Foto: James Niccolai, IDG News service

Romettys Keynote wurde außerdem von "Pepper" begleitet, einem Roboter, der vom japanischen Telekommunikations- und Medienkonzern Softbank hergestellt wird. Pepper wird bereits von einigen Kunden eingesetzt, darunter der Schweizer Nahrungsmittelgigant Nestlé, der damit einige Hundert seiner Nespresso-Bars ausgestattet hat.

Pepper begrüßt die Kunden, fragt sie, welchen Kaffee sie mögen und empfiehlt ihnen Kaffeemaschinen. Der Humanoide kann aber auch alle Arten von Daten sammeln, einschließlich Informationen zum Geschlecht der Kunden und eventuell gezeigten Emotionen. Mit Hilfe der Watson-Technologie sollen diese Daten ausgewertet werden, um so die Marketing- und Vertriebsstrategien laufend zu verfeinern. Pepper hat eine anschmeichelnde Stimme und ist zu besonders reizenden Posen fähig, was auf der CES durchaus Eindruck hinterließ.