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IBM macht sich fit fürs Wireless-Zeitalter

14.03.2000
Außerdem: Netvista - die erste EON-Hardware

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Mit einer neuen universellen Server-Software will sich IBM beim M-Commerce (Mobile Commerce), dem elektronischen Handel über mobile Endgeräte, ähnlich stark engagieren wie schon seit geraumer Zeit beim "klassischen" E-Commerce.

Die "Websphere Everyplace Suite" (WSES) ist eine integrierte Server-Lösung für die Entwicklung, Verwaltung und den Einsatz von Anwendungen für mobile Endgeräte vom Handy bis zum Handheld. Die Funktionalität reicht von WAP-Gateway-Technik (Wireless Application Protocol) über die Unterstützung unterschiedlicher Übertragungsstandards wie etwa GSM (Global System for Mobile Telecommunications) oder GPRS (General Packet Radio Service), Datenanpassung und -synchronisation bis hin zu Geräte- und Kunden-Management.

Die endgültige Version der Software wird allerdings erst in der zweiten Jahreshälfte fertig, bis dahin sind die einzelnen Komponenten separat verfügbar - jedoch ohne den Komfort einer umfassenden Integration. Einige Bestandteile von WSES hat der Hersteller bereits seit rund einem Jahr im Einsatz, vor allem in den Bereichen Online-Banking und Reisebuchung. Als Betriebssysteme werden derzeit AIX und Solaris unterstützt, Portierungen auf Windows 2000 sowie Linux hat IBM in Aussicht gestellt.

Ohne die Unterstützung durch Partner ist ein System wie WSES natürlich wertlos. Deshalb hat sich Big Blue rechtzeitig entsprechender Kooperationen versichert. Auf der Endgeräteseite hat man sowohl die Handy-Marktführer Nokia, Ericsson und Motorola als auch die Handheld-Größen Palm und Symbian gewinnen können, um gemeinsam Software und Dienstleistungen für ISPs (Internet-Service-Provider) und ASPs (Application-Service-Provider) zu entwickeln.

Konkret will IBM mit Motorola ein "offenes, skalierbares Sprach- und Daten-Framework" entwickeln, dessen erste Version im dritten Quartal dieses Jahres verfügbar sein soll. Bei der Kooperation mit Nokia geht es um E-Commerce-Anwendungen auf Basis von "Artus", der Messaging-Plattform des finnischen Herstellers. Zusätzlich haben sich die Armonker mit Netzwerkausrüster Cisco verbündet, um die nächste Generation von Mobilfunknetzen zu entwerfen.

EON nimmt Gestalt an

Zeitgleich mit den Wireless-Partnerschaften kündigte Big Blue eine neue PC-Familie namens "Netvista" an - im Prinzip die erste Hardware des neuen "Edge-of-Networks"-Konzepts (CW Infonet berichtete) . Dabei handelt es sich um Geräte, die speziell für schnellen Internet-Zugang und breitbandige Netzwerkarbeit konzipiert sind und für sicheren E-Commerce mit hardwareunterstützter 256-Bit-Verschlüsselung arbeiten. IBM hofft, mit den Neulingen dem schwächelnden PC-Geschäft auf die Sprünge zu helfen. Zu diesem Zweck sind Marketing-Investitionen von mehr als 100 Millionen Dollar geplant. Ab dem zweiten Quartal sollen die Rechner in den Handel kommen.

Geplant sind zunächst folgende Ausführungen:

Der All-in-One nimmt mit seiner Baugröße von 40 x 40 x 25 Zentimeter rund 75 Prozent weniger Platz ein als herkömmliche Desktops, stellt aber mit 64 MB Hauptspeicher und 20-GB-Platte ein "vollwertiges" System dar. Er verfügt über einen 15-Zoll-Flachbildschirm mit eingebauten Lautsprechern, CD/DVD- sowie Floppy-Laufwerk sind gut "versteckt". Für Erweiterungen stehen zwei PCI-Steckplätze sowie sieben USB-Ports zur Verfügung, über die sich Peripheriegeräte anschließen lassen. Die Verbindung zum Netzwerk kann der All-in-One optional auch drahtlos herstellen. Die Preise reichen von deutlich unter 2000 Dollar (mit Celeron-Prozessor) bis 2000 Dollar (mit Pentium III).

Der Legacy-Free PC ist eine Art Zwitter aus PC und Thin Client. Er kommt im platzsparenden Hochkant-Design mit integrierter Docking-Station für "Workpad"/Palm-PDAs (Personal Digital Assistants) daher, verfügt von Haus aus über einen Netzwerkadapter und lässt sich über zwei Steckplätze und drei "Bays" für Erweiterungsmodule ausbauen. Wie der All-in-One besitzt er sieben USB-Anschlüsse für die Anbindung von Peripheriegeräten. Preis ab rund 500 Dollar (ohne Bildschirm).

Das Internet Appliance ist eigentlich mehr ein Referenzdesign für eine speziell auf den Internet-Zugang zugeschnittene Kompakthardware. IBM wird dieses Gerät nicht selbst anbieten, sondern von Partnern in jeweils eigenem Design und unter eigenem Markennamen vertreiben lassen, vermutlich meist finanziert durch einen ISP-Vertrag (Internet-Service-Provider).

Der Zero Footprint Thin Client ist eine Kombination aus einem Network Computer "N2200" mit einem Flat-Panel-Monitor vom Typ "T55"; beide Komponenten lassen sich bei Bedarf austauschen. Der Netzwerkrechner wird mit speziellen Klammern auf der Bildschirmrückseite befestigt und damit quasi unsichtbar. Das vor allem für den Einsatz in räumlich beengten Umgebungen gedachte Gerät kann seine Software sowohl von einem Server im Netz als auch von einer lokalen Festplatte aus starten.