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IBM-Krebsprozess geht in die letzte Runde

23.02.2004

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Am heutigen Montag beginnen in Santa Clara, Kalifornien, die Schlussplädoyers im Verfahren der beiden ehemaligen IBM-Mitarbeiter Alida Hernandez und James Moore gegen den Computerriesen. Die beiden beschuldigen das Unternehmen, es habe sie bei ihrer Arbeit in den 70er und 80er Jahren nicht nur krebserregenden Substanzen ausgesetzt, sondern auch über die Gesundheitsrisiken belogen. Die 73-jährige Hernandez war insgesamt fast 14 Jahre bei IBM in einem "Clean Room" in der Festplattenfertigung tätig und erkrankte vor zehn Jahren an Brustkrebs. Moore wiederum leidet seit acht Jahren an einem "Non-Hodgkins-Lymphom", einer bösartigen Krebserkrankung im Lymphsystem. Der Anwalt der Klägerseite fordert strafrechtliche Schritte gegen IBM und Schadensersatz.

Der Verfahren stößt auf großes öffentliches Interesse, da insgesamt mehr als 200 Krebsklagen gegen Big Blue eingereicht wurden. Seit Beginn der Verhandlungen im November 2003 weist die Verteidigung unermüdlich darauf hin, dass medizinische Untersuchungen und Messungen am Arbeitsplatz damals keinen Hinweis auf eine chemische Vergiftungsgefahr ergeben hätten. Es gebe keinen Beweis dafür, dass sich die Ex-Mitarbeiter die Erkrankungen am Arbeitsplatz zugezogen hätten. Auf die Anschuldigung, IBM-Manager hätten sie angelogen, entgegnete Chefverteidiger Robert Weber, die Anwälte hätten die Kläger zu dieser Aussage angestiftet, als sie von ähnlichen Fällen hörten.

Aus einem Gerichtsurteil zu Ungunsten von IBM könnten sich erhebliche Konsequenzen für andere Chip- und Festplattenhersteller ergeben. Viele von ihnen haben in den 70er und 80er Jahren ähnliche Chemikalien wie IBM in der Fertigung benutzt. (mb)