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IBM ist in Hochform

17.07.2003
Dank strategischer Zukäufe und des schwachen Dollars hat IBM seinen Umsatz im Q2 um zehn Prozent gesteigert. Mit 1,7 Milliarden Dollar Nettogewinn erwies sich Big Blue als weitgehend krisensicher.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - IBM hat gestern nach US-Börsenschluss für sein Ende Juni abgeschlossenes zweites Fiskalquartal nicht zuletzt aufgrund des blühenden Service-Geschäfts einen Nettogewinn von 1,7 Milliarden Dollar oder 97 Cent pro Aktie ausgewiesen, eine deutliche Steigerung gegenüber dem durch Sondereffekte belasteten Vorjahreszeitraum mit 56 Millionen Dollar oder drei Cent je Anteilschein. Der operative Gewinn von 98 Cent pro Aktie entsprach exakt der Erwartung der von Thomson First Call befragten Analysten. Allerdings machte CEO (Chief Executive Officer) Sam Palmisano wenig Hoffnung auf eine generelle Erholung der Branche und konstatierte eine "schwierige wirtschaftliche Lage".

Den Quartalsumsatz steigerte Big Blue um zehn Prozent auf 21,6 Milliarden Dollar. Hierbei darf man laut Sanford-Bernstein-Analyst Tony Sacconaghi jedoch nicht die positiven Währungseffekte sowie die beiden Großübernahmen von PricewaterhouseCoopers' Beratungssparte und Rational Software vergessen. Ohne diese wären die Einnahmen der IBM im Jahresvergleich um 2,5 Prozent gesunken, so der Experte. Schwächen zeigten sich insbesondere in den Bereichen Service-Neuabschlüsse, Halbleiter und Mainframes. Das Backlog des Konzerns ging insgesamt von 113 Milliarden Dollar leicht auf 112 Milliarden Dollar zurück.

Starkes Wachstum erzielte IBM nach eigenen Angaben insbesondere im Geschäft mit den Öffentlichen Händen sowie mit kleinen und mittleren Unternehmen, allerdings gaben Banken und Handel weniger aus. Regional gesehen lief das Business in den USA am besten und in Europa am schwächsten. Trotzdem stiegen die Einnahmen auf dem alten Kontinent aufgrund der Dollarschwäche um 23 Prozent.

Im Servicegeschäft, wo IBM fast die Hälfte seiner Einnahmen erzielt, legte der Konzern beim Umsatz um 23 und beim Vorsteuergewinn um 65 Prozent zu, hier schlagen sich teilweise die Zukäufe nieder. Größte Schwachstelle war die Microelectronics-Sparte, die Chips für IBM selbst, aber auch für Kunden wie Apple fertigt. In der drei Milliarden Dollar teuren Hightech-Fabrik in East Fishkill, New York, gab es im abgeschlossenen Quartal kaut Joyce Schwierigkeiten, das Equipment ans Laufen zu bringen. Die Sparte machte 111 Millionen Dollar operativen Verlust und wird wohl auch für den Rest des Jahres rote Zahlen schreiben.

Das Geschäft mit Servern und Storage wuchs um zehn Prozent. Allerdings gingen die Großrechner-Einnahmen zurück, weil die Kunden auf die neue Generation "T-Rex" warteten. IBMs PC-Sparte verzeichnete um 2,7 Prozent geringere Einnahmen von 2,7 Milliarden Dollar. Der operative Verlust des Bereich lag mit nur acht Millionen Dollar erheblich unter den teilweise Rekordfehlbeträgen von vor einigen Jahren.

Finanzchef John Joyce kündigte an, IBM werde die Erwartungen der Analysten für das gesamte Geschäftsjahr vermutlich erfüllen. Einer Multex-Umfrage zufolge erwartet die Wall Street ein Umsatzwachstum um 8,7 Prozent auf 88,23 Milliarden Dollar und 4,32 Dollar pro Aktie Pro-forma-Gewinn im Vergleich zu 3,95 Dollar im Vorjahr.

Zum Fixing an der Nasdaq hatte die IBM-Aktie gestern 30 Cent fester bei 86,74 Dollar geschlossen. Im nachbörslichen Handel gab der Kurs dann wieder auf 84,65 Dollar nach. (tc)