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IBM gibt PHP Rückendeckung

25.02.2005
Neben Java wird IBM für die Entwicklung einfacherer Web-Anwendungen verstärkt auch PHP unterstützen. Das dürfte der quelloffenen Skriptsprache weitere Auftrieb geben.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - IBM wird dem Vernehmen nach heute sein Schwergewicht hinter die populäre Open-Source-Skriptsprache für Web-Anwendungen PHP stellen und eine Partnerschaft mit Zend Technologies ankündigen. Zend ist intensiv in die Weiterentwicklung von PHP involviert und bietet ferner kommerziell darauf basierende Entwicklungs-Tools und Services an.

IBM wird seine Embedded-Datenbank "Cloudscape" mit den Zend-Tools zu dem Paket "ZendCore" schnüren und außerdem auf seiner Entwickler-Website einen speziellen PHP-Bereich mit technischen Ressourcen wie Whitepapers einrichten. Der weiteren Verbreitung von PHP dürften die technischen und Marketing-Ressourcen von Big Blue in jedem Fall nützen. In der Vergangenheit hatten schon Linux und Java deutlich vom Commitment der Armonker profitiert.

"Wir haben Ideen, wie man die Dinge verbessern könnte", versprach Ron Smith, bei IBM Vice President of Emerging Technology. "Wir haben in der Java-Community an Spezifikationen gearbeitet, die nicht sprachspezifisch waren und auch auf die PHP-Welt anwendbar sind."

Hinter PHP, das häufig zur Erstellung von Web-Anwendungen auf Linux-Basis genutzt wird, steht eine ausgesprochen aktive Open-Source-Community. Zu den jüngsten Verbesserungen der Sprache gehören erweiterte Unterstützung für XML-formatierte Daten und Web-Service-Protokolle.

Smith zufolge wird IBM auch weiterhin signifikant in Java-Software, die Entwicklung von Java-Industriestandards und seine auf Java basierenden "Websphere"-Middlware-Produkte und Tools investieren. Über die Unterstützung von PHP sollen zusätzliche Entwickler angesprochen werden, besonders auch in kleinen und mittleren Unternehmen.

Als größten Vorteil von PHP sieht Smith dessen Einfachheit. Auch ein Geschäftsanalyst ohne Informatik-Hintergrund werde damit in die Lage versetzt, Web-Seiten zu erstellen, die Daten aus Backend-Quellen abgreifen.

Skriptsprachen wie PHP, Perl und Python sind seit etlichen Jahren verfügbar, und ihre Nutzung nimmt aus Sicht von Experten zu. IBMs Beteiligung an der quelloffenen PHP-Gemeinde werde die Entwicklung professionalisieren, erwartet beispielsweise Anne Thomas von der Burton Group. "Es gab immer großes Interesse an Skriptsprachen. Für IBM ist es sinnvoll, hier einzusteigen", meint die Analystin.

Ihr Kollege Thomas Murphy von der Meta Group verweist überdies darauf, dass vielleicht so manche kleine Firma, die ihre erste Web-Anwendung noch in PHP schreibt, später auf Websphere aufsteigt, das besser für Transaktionen geeignet sei.

Ein Branchen-Manager, der anonym bleiben wollte, äußerte gegenüber "Cnet" außerdem die Vermutung, in IBMs Unterstützung für PHP äußere sich auch die Desillusionierung des Herstellers bezüglich des Java-Standardisierungsprozesses und der Unfähigkeit der Branche, Java einfach benutzbar zu machen. "IBM hat so die Nase voll von Java, dass sie seit Jahren nach Alternativen suchen", sagte der Mann. "Sie wollen, dass Leute schnell Anwendungen bauen können, die sich ins IBM-Backend einklinken, und mit Java passiert das einfach nicht."

IBM-Mann Smith hingegen erklärte, Java und PHP seien zwei verschiedene Paar Schuhe, und IBM stehe weiterhin hinter Java.

Unabhängig von der PHP-Unterstützung wird IBM heute ebenfalls bekannt geben, dass es rund 30 Projekte an die Open-Source-Site Sourceforge.net übereignet. Dazu gehört auch "Jikes", das die Entwicklung von Java-Applikationen beschleunigen soll. (tc)