OpenPower Consortium

IBM gewinnt neue Partner für Power-Chips

Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Weitere Interessen: der SV Werder Bremen, Doppelkopf und Bücher - etwa die von P.G. Woodhouse.
Unter anderem mit Google und Nvidia hat IBM das OpenPower Consortium gegründet. Die Partner können nun auf der Basis des Power-Architekturdesigns eigene Prozessoren entwickeln.

Die wichtigste Nachricht ist wohl, dass IBM Designs seiner Mikroprozessor-Architektur nun an Dritte lizenziert, um eine größere Marktdurchdringung zu erreichen. Auch soll das geistige Eigentum rund um die Power-Technologie für andere Hardwarehersteller geöffnet werden, und IBM selbst will ebenfalls weiter Chips für Third Parties bauen.

Neben Nvidia und Google ist der taiwanische Serverhersteller Tyan im Boot, ein Tochterunternehmen des Technologiekonzerns MiTAC International. Das Quartett wird von Mellanox Technologies aus Israel vervollständigt, einem Anbieter, der auf innovative Netzwerk- und Speichertechnik spezialisiert ist.

Ein IBM-Wafer, aus dem lauter Power7-Prozessoren werden sollen
Ein IBM-Wafer, aus dem lauter Power7-Prozessoren werden sollen
Foto: IBM

Mitglieder des OpenPower Consortium haben die Möglichkeit, eigene Prozessoren auf der Basis von IBMs Architekturdesigns zu bauen. Komponentenhersteller können entsprechende Bauteile oder passende Peripheriegeräte beisteuern. Brad McCredie, Cheftechniker in IBMs Systems and Technology Group (STG), geht davon aus, dass die ersten Produkte von IBMs Allianzpartnern auf dem Power-8-Design basieren werden.

Google teilte in einem Statement mit, die Power-Architektur könne nunmehr zu einer "echte Option" für Anwendungen in den Rechenzentren des Internet-Konzerns werden. Google ist dafür bekannt, seine Server selbst zu designen. Mittelfristig könnte der Suchmaschinen-Primus integrierte Chips (System-On-Chip, kurz SOC) auf Basis der Power-Architektur entwickeln, mutmaßt Dean McCarron, Principal Analyst bei Mercury Research.

Angriff auf Intel

Die Allianz zielt klar gegen Intel, das mit seiner x86-Architektur - die auch der kleinere Marktbegleiter AMD verwendet - seit vielen Jahren den Server-Markt dominiert. Die Marktforschungsfirma IDC schätzt, dass 98 Prozent aller 2012 ausgelieferten Server mit x86-Prozessoren bestückt waren - auch wenn nur 70 Prozent der Server-Umsätze damit erzielt worden sind.

IBM wiederum hat seit geraumer Zeit Probleme, seine Hardware an den Kunden zu bringen. Im zuletzt abgeschlossenen Quartal waren die Umsätze mit Power-basierenden Unix-Servern gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 25 Prozent rückläufig. Die gesamte Hardware-Unit STG musste Einbußen von zwölf Prozent verschmerzen. IBM räumte sogar ein, einigen Mitarbeitern dieser Einheit für Ende August einen freiwilligen und nur zu einem Drittel bezahlten Kurzurlaub angeboten zu haben.

Seine Power-Server mit Unix wurde IBM zuletzt immer schwerer los.
Seine Power-Server mit Unix wurde IBM zuletzt immer schwerer los.
Foto: IBM

Indem der Konzern nun seine Chip-Hardware und auch die flankierende Softwaretechnik in Lizenz gibt hofft er offenbar auf mehr Einnahmen aus dem Hardware-Business. Zudem könnten sich Kunden aus dem Web-Umfeld, die Server in großen Mengen anschaffen müssten, neu orientieren. "Wir wollen unbedingt ein größeres Ökosystem aufbauen", sagte McCredie. "Darum machen wir das."

Der taiwanische Computerbauer Tyan wird als erstes Konsortiumsmitglied einen Server auf Basis der Power-Architektur herausbringen. Der Rechner wird ganz gezielt als Alternative zu Intels x86-Welt beworben.

Zielmarkt ist für IBM und Partner die Welt der Cloud-Rechenzentren, in denen momentan vor allem x86-Server eingesetzt werden. IBM hatte sich in der Vergangenheit stark in die lukrative Nische der Mainframes und High-Performance-Server zurückgezogen, die jedoch immer kleiner wurde. Mit preiswerten Modellen der "Flex Systems" und vorkonfigurierten "PureSystems"-Servern, jeweils sowohl mit x86- als auch mit Power-Prozessoren im Angebot, versuchte man dann diesen Fehler zu korrigieren.

Die eines Power7+-Chips
Die eines Power7+-Chips
Foto: IBM

McCredie teilte mit, dass sich die Öffnung der Power-Architektur nicht mit dem von Facebook betriebenen Open Compute Project ins Gehege kommen werde. Letzteres verfolge in erster Linie den Zweck, zukunftsfähige Serverdesigns zu entwickeln.

Analysten sehen IBMs Entscheidung grundsätzlich positiv, auch wenn sie aus einer Situation der momentanen Schwäche heraus gefallen sei. Innovative Chipentwicklungen für den Einsatz in Rechenzentren würden auch in Zukunft gefragt sein, meint beispielsweise Jim McGregor, Principal Analyst von Tirias Research. "Es gab schon immer Raum für eine gewisse Breite an verschiedenen Serverarchitekturen, da die Anforderungen an Workloads und Energieverbrauch nun mal variieren", so der Marktkenner.

Interessant sei, dass Nvidia bei der OpenPower-Allianz dabei sei. Wenn der Grafikkartenspezialist sein Toolkit für die Parallelprogrammierung "CUDA" für Power-Prozessoren tune, könnten etwaige Zweifel an der Zukunftsfähigkeit der Power-Architektur rasch beseitigt werden und es gebe eine gute Alternative im Markt.

Mercury-Analyst McCarron vermutet, dass nun eine Antwort von Intel nicht lange auf sich warten lassen wird. Die Preise für Server-Prozessoren könnten deutlich fallen - oder auch Intel ringe sich durch und öffne ebenfalls Design und Tests seiner Prozessoren.