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IBM entlässt 13.000 Mitarbeiter und stellt 14.000 in Indien ein

24.06.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - IBM will in Europa und den USA rund 13.000 Angestellte entlassen (Computerwoche.de berichtete). Gleichzeitig plant der Computerriese, in Indien 14.000 Mitarbeiter einzustellen.

In einen internen Papier vom April 2005, das als "IBM Confidential" gekennzeichnet ist, hat das Unternehmen die Pläne für die Einstellungen in Indien ausgeführt. Das Dokument hatte die Angestellten- und Arbeiterinteressengemeinschaft Washington Alliance of Technology Workers, kurz WashTech, an die US-amerikanische Zeitung "New York Times" geleitet. Washtech wiederum wurde der Kassiber von einem IBM-Angehörigen zugeführt.

Big Blue gab keine Stellungnahme zu den Informationen ab. Das Unternehmen teilte lediglich mit, es produziere viele Dokumente, Präsentationen und Projektionen für künftige Entwicklungen.

Robert Moffat, ein Senior Vice President von IBM, erklärte den Personalaufbau in Indien allerdings mit der wachsenden Nachfrage nach Technologiedienstleistungen in der prosperierenden Wirtschaft Indiens selbst. Außerdem finde man auf dem Subkontinent sehr viele gut ausgebildete Software-Ingenieure, die IBM für Projekte überall in der Welt einsetzen könne.

Zudem, so Moffat weiter, habe Big Blue schon immer und überall in der Welt - und auch in den USA - neue Leute angeheuert, um sie in neuen Geschäftsfeldern mit Wachstumspotenzial einzusetzen. Das mache IBM, obwohl es gleichzeitig andere Mitarbeiter entlasse.

Das Beispiel der IBM zeigt, dass sich die neoliberalen Kapitalismustrends immer stärken an den global verfügbaren Ressourcen ausrichten und hierbei wenig Rücksicht auf landesspezifische Gegebenheiten nehmen. Viele Wirtschaftsstudien scheinen diesbezüglich zwar vordergründig Entwarnung zu signalisieren. Die Ergebnisse belegen nämlich scheinbar, dass Offshore-Outsourcing-Strategien nur geringe Auswirkungen auf die Jobs in den USA oder auch in Deutschland haben. Dies legt beispielsweise eine Studie nahe, die der Branchenverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) gemeinsam mit der Deutsche Bank Research erarbeitet hat. Sie befragten 572 Unternehmen in Deutschland zum Thema Offshoring. Fast zwei Drittel gehen davon aus, diese Form von Arbeitsplatzaufbau in anderen Ländern werde hierzulande nicht zu Jobverlusten führen.

Wirtschafts-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz von der renommierten Columbia University weist aber darauf hin, dass der Blick ausschließlich auf die Zahlen die wahren Probleme von Offshoring verstellt. "Was mich beunruhigt, ist die Tatsache, dass dies (Offshoring, Anm.d.Red.) einen enormen Effekt auf die Gehälter haben könnte und eine strangulierende Wirkung auf Gesellschaften", sagte der ehemalige Chef der Weltbank. (jm)