Stuttgarter Dependance setzt Strukturwandel fort

IBM Deutschland legt für 1990 bisher bestes Umsatzergebnis vor

26.04.1991

HERRENBERG (ciw) - Die Geschäftsführung der IBM Deutschland GmbH ist sich trotz des erfolgreich verlaufenen Geschäftsjahres 1990 der Notwendigkeit zum weiteren Wandel bewußt: Die Entwicklung vom Hardware-Anbieter zum Hard-, Software- und Dienstleistungsunternehmen soll fordert werden. Eine Strategie, die es laut IBM-Deutschland-Chef Hans-Olaf Henkel auch erforderlich macht, in Verwaltung und Produktion Personal abzubauen.

Allerdings machte der Vorsitzende der Geschäftsführung keine konkreten Angaben darüber, welchen Anteil die deutsche Niederlassung an dem weltweit geplanten Personalabbau um 14 000 Stellen tragen soll. Er betonte nur, daß sich aufgrund des verschärften internationalen Wettbewerbs und des erhöhten Kostendrucks die Mitarbeiterzahl im laufenden Jahr reduzieren werde. Im vergangenen Jahr ist die Mitarbeiterzahl von 31 055 noch leicht auf 31 767 gestiegen.

Ebenfalls in die Höhe gegangen ist im vergangenen Fiskaljahr der Gesamtumsatz der deutschen IBM, und zwar auf 13,3 (1989: 12,4) Milliarden Mark. Dabei verbesserte sich der Inlandsumsatz um 9,6 Prozent von 8,4 auf 9,2 Milliarden Mark. Der sogenannte Exportumsatz, der vorwiegend mit den europäischen Schwestergesellschaften getätigt wird, stieg lediglich um 128 Millionen auf 4.1 Milliarden Mark. Henkel hob hervor, daß allein der Inlandsumsatz maßgebend dafür sei, "wie wir uns am deutschen Markt schlagen".

Das Ergebnis vor Steuern konnte gegenüber dem Vorjahr um 2,4 Prozent auf 986 Millionen Mark verbessert werden. Der Nettogewinn sank - nach Unternehmensangaben wegen des höheren Steueraufwandes - von 755 Millionen auf 692 Millionen Mark ab. An die Muttergesellschaft zahlte die deutsche Dependance 1990 rund 950 Millionen Mark (1989: 1,15 Milliarden) Dividende. Die Differenz in Höhe von 258 Millionen Mark entnahm man aus den Gewinnrückstellungen des Unternehmens.

Damit trugen die Deutschen mit 15,2 Prozent zum Gewinn der IBM Corp. bei, der sich 1990 auf sechs Milliarden Dollar belief.

Nicht zufrieden zeigte sich Henkel mit dem Betriebsergebnis, das nur um 1,8 Prozent auf 831 Millionen Mark anstieg. Hier hätten sich vor allem weitere Verbesserungen des Preis-Leistungs-Verhältnisses und der starke Preisdruck des Wettbewerbs ausgewirkt. Die Umsatzrendite sank sogar von 6,2 auf 5,2 Prozent.

"Wir sind von unseren Kunden als kompetenter Anbieter von Gesamtlösungen bestätigt worden, freute sich Henkel. Das stärkste Umsatzwachstum im Inland verzeichnete mit 28,7 Prozent das Leasinggeschäft, in dem Einnahmen von 1,1 Milliarden Mark erzielt wurden. Um 14,7 Prozent auf 3,25 Milliarden Mark kletterte der Umsatz im Bereich der Dienstleistungen. Wobei die zweistellig gewachsenen Einnahmen aus den "Programmprodukten" laut Finanzchef Horst Haberzettl rund 50 Prozent der Summe ausmachten. Am langsamsten wuchsen die Hardwareverkäufe, die lediglich um 3,2 Prozent auf 4,85 (1989: 4,69) Milliarden Mark zulegten.

Damit stieg der Anteil des Non-Hardware-Umsatzes auf 35,3 Prozent. Henkel wertete das als Indiz für den Erfolg des in den letzten Jahren eingeleiteten Strukturwandels: "1985 betrug der Non-Hardware-Anteil erst 24 Prozent, heute machen wir Mit Service und Software fast 36 Prozent unseres Umsatzes." Allerdings, so der IBM-Chef weiter, sei der Strukturwandel noch keineswegs abgeschlossen: " Der Anpassungsprozeß in der Branche geht erst richtig los."

Die Investitionen erreichten Im vergangenen Jahr eine Höhe von 157 Milliarden Mark (1989: 194). Dabei standen nach Aussagen des Finanzchefs die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit, der Ausbau des Dienstleistungsund Produktangebots sowie die Steigerung der Qualität und Produktivität im Vordergrund.

Für die Aktivitäten in den neuen Bundesländern investierte die deutsche IBM 1990/91 insgesamt 200 Millionen Mark. Joint-ventures haben die Stuttgarter mit drei Ex-Robotron-Unternehmen Im vergangenen Jahr gegründet. Darüber hinaus wurde die IBM Deutschland System und Service Ost GmbH ins Leben gerufen, die mittlerweile mit sieben Niederlassungen in den neuen Bundesländern vertreten ist und 300 Mitarbeiter zählt.

Allerdings wollte Henkel keine Aussagen zu den realisierten Umsätzen in der EX-DDR machen: "Vor 1990 machten wir in der DDR einen Umsatz von einer Million Mark, das ist heute ein Vielfaches. "Vor allem PCs AS/400-Maschinen, 4381-Rechner und kleinere Systeme der ES9000-Familie würden von den dortigen Kunden nachgefragt. Bernhard Dorn erklärte jedoch, daß rund 60 Prozent der in die neuen Bundesländer verkauften Produkte von Westfirmen bezogen werden.

Zum laufenden Fiskaljahr sagte der IBM-Chef wie üblich nichts Konkretes: Was das erste Quartal betritt liegen wir im Plan."

Veränderungen hat es in Aufsichtsrat und Geschäftsführung der IBM Deutschland gegeben: Den Aufsichtsrats-Sitz des ermordeten Detlev Karsten Rohwedder hat die neue Präsidentin der Berliner Treuhandanstalt, Birgit Breuel, übernommen. Als "neuer Kollege", wurde Hans-Werner Richter vorgestellt, der seit dem 1. Januar 1991 Arbeitsdirektor ist den Bereich Personal verantwortet. Sein Vorgänger, Ihno Schneevoigt ist nun bei der IBM Europa als General Manager verantwortlich für die Schweiz, (Österreich) Spanien, Belgien und Holland. Gleichzeitig wurde er Mitglied des European Management Boards.