Nachfolgerin aus eigenen Reihen

IBM-Chef Palmisano hört auf

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Nach fast zehn Jahren an der Spitze des IT-Konzerns IBM räumt Sam Palmisano seinen Stuhl.
Sam Palmisano übergibt die Führung der IBM zum Jahreswechsel an Ginni Rometty.
Sam Palmisano übergibt die Führung der IBM zum Jahreswechsel an Ginni Rometty.
Foto: IBM

Der 60-Jährige höre zum Ende des Jahres auf, teilte das Unternehmen am Dienstag in Armonk im US-Bundesstaat New York mit. Nachfolgerin ist mit Virginia Rometty ein Eigengewächs des Unternehmens. Die 54-Jährige hatte 1981 bei "Big Blue" als Systemtechnikerin angefangen und sich bis zur weltweiten Verkaufsleiterin hochgearbeitet.

"Ginni" Rometty wird damit die erste Frau an der Spitze von IBM (die deutsche Niederlassung war hier unlängst mit gutem Beispiel vorangegangen) und der Konzern dann das größte börsennotierte US-Unternehmen, das eine Frau führt.

"Ginni Rometty hat in den vergangenen zehn Jahren eine ganze Reihe von IBMs wichtigsten Geschäftszweigen geleitet", sagte Palmisano und lobte seine Nachfolgerin als "ideale Konzernchefin". Er selbst wird sich allerdings noch nicht vollständig von der Firmenspitze zurückziehen. Palmisano bleibt Vorsitzender des Verwaltungsrats und ist in dieser Funktion der oberste Kontrolleur von IBM.

Rometty ist aus Sicht des früheren IBM-Managers Jim Steele, inzwischen Chief Customer Officer bei Salesforce.com, "seit mindestens zehn Jahren einer ihrer Top Stars". Rometty hatte 2002 die Integration der übernommenen Beratungssparte von PricewaterhouseCoopers (PwC) und später Teile des Dienstleistungsgeschäfts geleitet. Im vergangenen Jahr war die Managerin zur Chefin der Vertriebsmannschaft befördert worden und hatte in den drei Quartalen seitdem den Konzernumsatz (bei dem Analysten mehr Wachstum sehen wollen) um 5,8 Prozent gesteigert. Sie leitet inzwischen auch Marketing und Strategie.

IDC-Analyst Frank Gens sieht Rometty auch als eine treibende Kraft hinter der "Smarter-Planet"-Strategie der IBM, in deren Rahmen der Konzern mit Hilfe von Technik Unternehmen, Behörden und Industrien effizienter und intelligenter machen will. "Ich denke, diese Strategie hat sich als eine sehr starke erwiesen", befindet Gens. "Rometty steht für die Kontinuität dieser Strategie."

Rometty verfüge über ein gutes Verständnis der großen IBM-Geschäftsbereiche Software, Services und Hardware, urteilt auch Chris Foster von Technology Business Research. Kunden sollten daher unter der neuen Führung keine größeren Änderungen erwarten, sagt der Experte: "Die Company wird stark durch Prozesse geführt, und diese Prozesse werden sich nicht ändern." Rometty könnte allerdings nach Fosters Einschätzung noch besser als ihr Vorgänger in der Lage sein, Kunden zu begeistern.

Laut "Wall Street Journal" hatte zuletzt eine ganze Reihe von High-Tech-Firmen mit wenigsten zehn Milliarden Dollar Jahresumsatz versucht, Rometty von IBM abzuwerben. Der Verwaltungsrat hatte im Januar fünf Millionen Dollar für Aktienboni für Rometty und Global-Services-Chef Michael Daniels (56) genehmigt, falls beide bis 2013 im Unternehmen bleiben.

Palmisano war 2002 an die IBM-Spitze gerückt. Er hat den legendären Konzern von einem Computerhersteller zu einem IT-Dienstleister umgebaut - und das so erfolgreich, dass IBM selbst die Wirtschaftskrise fast schadlos überstanden hat. Er schlachtete nicht nur heilige Kühe (etwa mit dem Verkauf der PC-Sparte an Lenovo), sondern gilt auch weithin als Vertriebs- und Operations-Genie.

Seit geraumer Zeit sieht IBM sich mit deutlich veränderten Marktverhältnissen konfrontiert: Mobile und Cloud Computing standen bei Palmisanos Amtsantritt vor zehn Jahren noch nicht auf der Agenda, Outsourcing-Megadeals sind rar geworden und das Geschäft in den boomenden Schwellenmärkten ist nicht ohne Risiken.

IDC-Analyst Gens sieht die größte Herausforderung für die künftige Konzernchefin Rometty dann auch darin, in einem schwachen gesamtwirtschaftlichen Umfeld IBM weiter hoch profitabel zu halten (Palmisano hatte zuletzt die EPS-Prognose für das Fiskaljahr 2011 auf wenigstens 13,35 Dollar erhöht). Wenn sich die Lage nicht bessere, unkt Gens, "werden die Leute nicht in dem Tempo Technologie einkaufen, das IBM und der Rest der Branche gerne sähen".