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IBM baut Führung im Server-Markt aus

24.02.2005
Um alles Gerede um Virtualisierung, Partitionierung und andere Maßnahmen zur Erhöhung der Auslastung und Senkung der Systemzahl schert sich der weltweite Server-Markt offenbar herzlich wenig.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Um alles Gerede um Virtualisierung, Partitionierung und andere Maßnahmen zur Erhöhung der Systemauslastung und Senkung der Systemanzahl schert sich der weltweite Server-Markt offenbar herzlich wenig (was die Anbieter in diesem Segment natürlich freuen wird): Aktuellen Zahlen von Gartner zufolge kauften die Anwender 2004 satte 6,7 Millionen Server - 20,5 Prozent mehr als die 5,6 Millionen Maschinen im Jahr 2003. Und trotz sinkender Durchschnittspreise fuhren die Anbieter insgesamt 49,5 Milliarden Dollar Umsatz ein, ein Wachstum gegenüber dem Vorjahr von 7,2 Prozent.

Im vierten Quartal wuchs der Markt gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum um 5,7 Prozent auf Einnahmen von 14,2 Milliarden Dollar. Für die ersten drei Vierteljahre hatte Gartner Erlöse zwischen 11,4 und 11,8 Milliarden Dollar gezählt und Wachstumsraten von 9,6, acht und 6,1 Prozent ermittelt (Q1, Q2, Q3). Auch wenn das Umsatzplus zum vierten Quartal hin abfiel, so legten doch die verkauften Stückzahlen in den letzten drei Monaten gegenüber den vorigen Vierteljahren signifikant zu.

Das könnte laut "Computerwire" bedeuten, dass die Verkäufe 2005 anständig zulegen oder auch, dass sich die Hersteller Ende letzten Jahres wie verrückt ins Zeug gelegt haben und die ersten Quartale dieses Jahres eher zäh werden - das wird man jedoch erst in einigen Monaten sagen können.

IBM behielt natürlich seine Spitzenposition nach Umsatz mit 5,1 Milliarden Dollar im vierten Quartal, entsprechend 5,8 Prozent Wachstum und 36,1 Prozent Markanteil. Hewlett-Packard landete mit knapp unter 3,9 Milliarden Dollar auf Rang zwei, wuchs um neun Prozent (und damit zum ersten Mal seit langem über dem Marktdurchschnitt) und strich 27,4 Prozent der gesamten Erlöse ein.

Knapp den dritten Platz schaffte Sun Microsystems, dessen Umsatz von 1,365 Milliarden Dollar gegenüber dem Vorjahresquartal um 5,1 Prozent zurückging. Das liegt teils am Umstieg auf x86-basierende Server, aber hauptsächlich daran, dass die Sparc-Kundschaft weniger Server kauft oder für seine gekauften Maschinen deutlich weniger zahlt. Direktanbieter Dell, der Sun im dritten Quartal noch verdrängt hatte, fiel mit 1,316 Milliarden Dollar Umsatz (entsprechend 18,2 Prozent Wachstum im Jahresvergleich) wieder auf den vierten Platz zurück.

Rang fünf belegt Fujitsu (Siemens Computers) mit 3,1 Prozent Umsatzschwund auf 654,3 Millionen Dollar. Dahinter folgen NEC mit 182,7 Millionen Dollar (minus 7,4 Prozent) und Unisys mit 172 Millionen Dollar (plus 9,6 Prozent). NCR fällt mit 18,3 Prozent Umsatzplus auf 117,8 Millionen Dollar auf, und noch deutlich stärker zulegen konnte SGI um 43,3 Prozent auf 99,6 Millionen Dollar - es sieht danach aus, als kämen die Itanium-Linux-"Altix"-Supercomputer in Fahrt. Groupe Bull legte leicht auf 107,9 Millionen Dollar zu, der Rest des Markts stagnierte bei zusammen 1,19 Milliarden Dollar.

Gemessen nach verkauften Stückzahlen geht die Krone für das vierte Quartal an HP, das 547.698 Server-Einheiten absetzte und damit um 18,2 Prozent zulegte. Noch stärker wuchs mit 19,5 Prozent Dell, das aber nur auf 380.593 Systeme kam. Sprich: Dell ist nicht unbesiegbar, und HP weiß immer noch, wie man Server baut und verkauft. IBM steigerte seine Verkäufe im Q4 um 19,4 Prozent auf 327.198 Maschinen.

Sun wurde laut Gartner 93.553 Server los, ein Plus bei den ausgelieferten Stückzahlen von 13,1 Prozent. Der Großteil dieses Wachstum stammt aus dem x86-Geschäft. Auch Sun sollte man also noch nicht abschreiben. Mit Servern auf Basis der Intel-Architektur setzte Sun im vergangenen Jahr 152,5 Millionen Dollar oder 360 Prozent mehr um als 2003. Wenn die Firma dieses Wachstum halten könnte, würde sie heuer mit x86-Systemen bereits 700 Millionen Dollar erlösen.

Sollte dies durch eine Art Wunder gelingen (und der Unix-Umsatz weiterhin um rund fünf Prozent sinken), dann könnte Sun seine Server-Einnahmen 2005 insgesamt um rund fünf Prozent auf etwa 5,4 Milliarden Dollar steigern und damit in etwa auf das Niveau von 2003 bringen. Ein gewagtes Vorhaben, aber genau das dürfte der Hersteller anpeilen, der gerade seine kommenden "Galaxy"-Sunfires auf "Opteron"-Basis durchdenkt.

Weiterhin problematisch schaut es Unix-Segment aus, wo sich im Prinzip IBM, Hewlett-Packard und Sun ein totes Rennen liefern. Zum ersten Mal überhaupt erreichte Big Blue hier mit 1,338 Milliarden Dollar Umsatz im vierten Quartal den ersten Platz. Dahinter folgen HP mit 1,335 und Sun mit 1,329 Milliarden Dollar. Für das gesamte Jahr sieht die Reihenfolge genau umgekehrt aus - hier hat Sun mit 5,14 Milliarden Dollar die Nase vor HP (4,89 Milliarden Dollar) und IBM (4,32 Milliarden Dollar).

Falls IBM sein aktuelles Unix-Wachstum von sieben Prozent halten kann und die Einnahmen von HP und Sun weiter wie zuletzt um 7,8 und 5,3 Prozent fallen, dann wäre Sun auch 2005 noch der führende Unix-Anbieter; HP indes fiele auf den dritten Rang hinter Big Blue zurück. Das Rennen ist jedoch alles andere als bereits entschieden, vor allem angesichts der Tatsache, dass IBM und HP massiv Linux pushen. IBM würde eher Linux auf Power statt AIX verkaufen als Deals an Sun zu verlieren, und das könnte die Unix-Erlöse der Armonker heuer merklich beeinflussen.

Im Unix-Segment gewinnt auch Fujitsu (Siemens) an Fahrt, das seine Erlöse für 2004 laut Gartner um 8,8 Prozent auf 891 Millionen Dollar steigern konnte. Noch stärker wuchs NCR, nämlich um 16,2 Prozent auf 457,6 Millionen Dollar. Selbst Bull legte im Unix-Geschäft genauso stark zu wie die IBM, nämlich um sieben Prozent auf 159,8 Millionen Dollar. Insgesamt belief sich der Unix-Markt im vierten Quartal auf 4,47 Milliarden Dollar (minus 1,3 Prozent) und im Gesamtjahr 2004 auf 16,2 Milliarden Dollar (minus 2,8 Prozent).

Im Markt für Server mit x86-Prozessoren stiegen hingegen die Einnahmen im vierten Quartal um 16,4 Prozent auf 6,55 Milliarden Dollar und im Gesamtjahr um 16 Prozent auf 23,2 Milliarden Dollar. Diese Plattform wird sowohl von Windows als auch von Linux getrieben - Windows liefert die Basis und das Open-Source-Betriebssystem das Wachstum. Rund ein Drittel dieses Segments gehört Hewlett-Packard; jeweils etwa ein Fünftel können Dell und IBM für sich beanspruchen.

Beim gegenwärtigen Wachstumstempo wird das x86-Geschäft im Jahr 2005 mehr als die Hälfte der Server-Gesamteinnahmen ausmachen. Die Stückzahlen dominieren die PC-Server mit 91 Prozent der ausgelieferten Systeme bereits 2004. Bedenkt man, wie viele Legacy-Anwendungen noch immer unter Unix und auf proprietären Servern laufen, kann man sich kaum vorstellen, dass diese Prozentzahl noch steigen könnte. Sie wächst aber jedes Jahr ein kleines bisschen. (tc)