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i2 will die Scherben kitten

16.05.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - i2 Technologies versucht nach den Schwierigkeiten der jüngsten Vergangenheit, wieder in ruhigeres Fahrwasser zu gelangen. Der US-Anbieter von SCM-Software (Supply Chain Management) hatte bis vor kurzem vor allem mit einer Serie von Quartalsverlusten, dem Bekanntwerden von Bilanzunregelmäßigkeiten, der Aufnahme eines Ermittlungsverfahren durch die US-Börsenaufsicht SEC und zuletzt dem Ausschluss von der US-Technologiebörse Nasdaq für negative Schlagzeilen gesorgt. Um der weiteren Abwanderung von Kunden Einhalt zu gebieten, gab die Company auf der diesjährigen i2 Planet User Konferenz in Las Vegas einen aktuellen Lagebericht und stellte neue Initiativen vor.

Finanzchef Bill Beecher bestätigte, dass die Company im Juni die Geschäftsberichte für das vergangene Jahr und das erste Quartal abliefern werde. Zwar betreffe die erneute Buchprüfung alle Bereiche, Unregelmäßigkeiten werden dagegen nur bei der Verbuchung von Lizenzgebühren erwartet. So habe i2 diese statt - wie vorgeschrieben - bei Eingang der Zahlungen bereits bei Vertragsabschluss verrechnet habe. Allerdings, so Beecher, werde der Jahresabschluss 1999 nur übersehen, während die Bilanzen der zwei darauffolgenden Jahre erneut testiert würden. Gerüchte, es gebe bei den Kreditlinien im Gesamtumfang von 350 Millionen Dollar Probleme, wies der CFO zurück. Laut vorläufiger Schätzung beendete das Unternehmen sein erstes Quartal 2003 mit Bargeld und kurzfristige Investitionen im Wert von 441 Millionen Dollar. 16 Millionen Dollar seien abgeflossen, 13 Millionen davon wurden für Restrukturierungsmaßnahmen aufgewendet.

Der SCM-Spezialist plant, gegen das Delisting von der US-Nasdaq formal Berufung einlegen, da der Jahresbericht 2002 sowie der Abschluss für das erste Quartal wie angekündigt im Juni fertig werden. Um beim Aktienkurs die kritische Ein-Dollar-Marke wieder zu überschreiten, werde außerdem die Zusammenlegung mehrerer Anteilsscheine (Reverse Stock Split) erwägt.

Glaubt man dem Unternehmen, halten die meisten Kunden i2 trotz der jüngsten Probleme die Treue. CEO Sanjiv Sidhu erklärte, die Zahl der abgesprungenen Kunden sei vernachlässigbar, mit 85 Prozent von ihnen bestünden nach wie vor Wartungsverträge. Sidhu kündigte nun unter anderem flexiblere Bezahlungsoptionen an, um das Investitionsrisiko für i2-Nutzer zu senken. Dabei können die Unternehmen nicht nur bereits im voraus für Softwarelizenzen zahlen, sondern auch bei der Einführung oder sogar erst nach der Live-Schaltung der Systeme. Außerdem denkt i2 an Berater zur Verfügung zu stellen, die sich nach Abschluss der Installation beim Kunden um die Optimierung der Geschäftsprozesse kümmern. (mb)