Nahfunktechnik mit Startproblemen

(i)Beacons funken in Deutschland noch im Nebel

Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Weltweit halten Tracking-Technologien, die Einzelhändlern Einblick in das Kaufverhalten ihrer Kunden geben, auch in Offline-Shops Einzug. Nur in Deutschland scheint das Thema nicht so richtig anzuziehen, berichtet das WSJ-Blog: Durch die zahlreichen Datenschutzskandale bereits sensibilisiert, mache der von Apple angefachte Hype um das Thema (i)Beacon die Deutschen noch nervöser.
Lockangebote sollen Anwendern die Beacon-Technologie schmackhaft machen.
Lockangebote sollen Anwendern die Beacon-Technologie schmackhaft machen.
Foto: tested.com

(i)Beacons sind kleine Funksender, die über den neuen Bluetooth-Standard 4.0 (BLE - Bluetooth Low Energy) einfache Informationen (IDs) an mobile Geräte senden. Dadurch sind verschiedene Einsatzszenarien möglich: Zunächst kann ein Shop-Inhaber messen, wie viele Kunden seinen Laden benutzen, wo sie sich bewegen und wo sie stoppen und anhand dieser Erkenntnisse Produkte und Einrichtung anpassen. Zudem lassen sich Kunden mit der Technik beispielsweise in Geschäften direkt am Regal per Push-Nachricht über ein bestimmtes Produkt informieren - dank Triangulation mit einer Genauigkeit von zirka zehn Zentimetern.

Außerdem ist es möglich, einem zögernden Kunden direkt bei der Ware ein Sonderangebot zu unterbreiten, um den Kaufprozess zu unterstützen. Da sich die Informationen nicht in den Sendern, sondern in der App oder auf dem Server befinden, lassen sich die Angebote an Besucherzahl oder Uhrzeit anpassen und automatisiert aussteuern.

Voraussetzung für diese Services ist allerdings, dass der Nutzer ein kompatibles Smartphone mit aktiviertem Bluetooth besitzt und die dazugehörige App installiert hat. Und genau da scheint es aktuell (unter anderem) noch zu hapern: Es gebe noch keine signifikante Anzahl von Nutzern, zitiert das WSJ-Blog Johannes Hofmann, Geschäftsführer der Blue Cell Networks GmbH.

Mit Hilfe von Beacons kann man die Frequentierung und Verweildauer in Einkaufszentren messen - wenn die Besucher mitspielen.
Mit Hilfe von Beacons kann man die Frequentierung und Verweildauer in Einkaufszentren messen - wenn die Besucher mitspielen.
Foto: Blue Cell Networks

Doch auch für den hiesigen Einzelhandel scheinen Tracking-Lösungen auf Basis von (i)Beacons oder aktivierter WLAN-Verbindung nicht attraktiv genug zu sein. Das Problem sei, dass die damit gesammelten Informationen nicht wirklich nützlich seien, erklärt ein weiterer Industrieexperte, der nicht genannt werden will, dem WSJ-Blog. Zu wissen, welche Anzahl von Leuten einen Shop betreten, wie lange sie bei einem Produkt stehen und wohin sie anschließend im Laden gehen, genüge nicht, um die Profite zu steigern, Dazu müssten besondere Angebote basierend auf den individuellen Vorlieben der Nutzer gemacht werden. Dies funktioniere aber nur, wenn sie die iBeacon-App auf ihr Mobilgerät laden.

"Jeden Tag gibt es Updates zu iBeacon, aber niemand nutzt diese wirklich", stimmt Hofmann seinem unbekannten Kollegen zu. Der Blue-Cell-Networks-Geschäftsführer ist aber dennoch überzeugt, dass es einen Bedarf für Kundenanalyse in der Offline-Welt gibt und auch die deutschen Einzelhändler dies irgendwann erkennen.

Alles Anfang ist schwer

Auch auf der CeBIT wurde fließig mit Beacons experimentiert...
Auch auf der CeBIT wurde fließig mit Beacons experimentiert...

Möglicherweise ist es aber auch einfach noch früh für ein erstes Resümee. So sind hierzulande erst im Frühjahr die ersten Pilotprojekte mit der Nahfunktechnik angelaufen, etwa bei MyMuesli oder auf der CeBit und es fehlen noch die Erfahrungen, welche Dinge rund um das Thema funktionieren und welche nicht. Gerade was NoGos betrifft, scheinen die Anbieter beim vermeintlichen Hype-Thema Location Based Services (LBS) schon ausreichend Lehrgeld gezahlt haben. Nun ist zu hoffen, dass diese alten Ideen nicht wieder aus den Schubläden geholt werden.

Die Wahrscheinlichkeit, dass uns Beacons noch länger begleiten werden, ist groß. So haben sich nicht nur eine ganze Reihe von Startups auf das Thema gestürzt, auch große internationale Player planen den Einsatz hier in Deutschland, etwa McDonalds. Und wer selbst mit den kleinen elektronischen Leuchttürmen experimentieren will, muss sich gedulden - aktuell scheinen iBeacons hierzulande wegen der großen Nachfrage weder für Geld noch für gute Worte erhältlich zu sein.