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Das Insider-Interview: André Braun, Head of Storage Germany

Hyperkonvergente Strukturen werden die Zukunft der IT massiv verändern

04.07.2016
Wir interviewen regelmäßig Mitglieder des deutschen Dell-Managements sowie Partner von Dell, um sie zu aktuellen Themen zu befragen. Diesmal im Gespräch: André Braun, Head of Storage Germany, zum Thema „Future Ready Enterprise – Unternehmen der Zukunft“.
André Braun, Head of Storage Germany bei Dell
André Braun, Head of Storage Germany bei Dell
Foto: Dell

Was war für Sie die nützlichste, beste technische Innovation der letzten Jahre?

Das Smartphone - ein Gerät, das die 10fache Rechenleistung jener Technik hat, mit der die Apollo Mission die Landung auf dem Mond ermöglicht hat. Es ist höchst spannend, wie inflationär Rechenleistung geworden ist.

Was hat Sie in die IT-Branche gebracht? Was war Ihre erste Karriere-Station?

Ich habe mich für eine Ausbildung in einem Betrieb entschieden - damals hieß die Bezeichnung dafür noch Datenverarbeitungs-Kaufmann. Der Betrieb war recht klein, und nachdem zwei Vertriebler dort gleichzeitig gekündigt hatten, wurde ich zum ersten und einzigen Verkäufer. So verdiente ich ab meinem 2. Ausbildungsjahr schon Sales-Provisionen - das war eine prägende Erfahrung für mich.

In welcher Firma waren Sie vor Dell und warum haben sie gewechselt?

Ich war vor Dell 11 Jahre lang bei EMC. Ich habe den Trend der Konvergenz zwischen Storage und Server schon sehr früh gesehen und wollte meine Kariere darauf ausrichten. Bei Dell konnte ich beides verbinden: die Aufgabe, das Storage-Geschäft weiter aufzubauen und die Konvergenz hin zur Server-Welt zu begleiten. Irgendwie schließet sich nun der Kreis, nachdem Michael Dell mit einer ganz ähnlichen Sicht der Dinge EMC schließlich gekauft hat.

Was ist das Besondere an Dell im Vergleich zu anderen Unternehmen?

Dell ist menschlich - in allem, was wir tun. Das gefällt mir sehr gut. Ich habe für Chefs aus zahlreichen Ländern dieser Erde schon gearbeitet: Amerikaner, Franzosen, Italiener, Taiwanesen, Japaner, Chinesen. Dells Firmen-Mentalität ist einfach schön.

Die Anforderungen an die Unternehmens-IT eines modernen Unternehmens wandeln sich permanent. Mitarbeiter wollen mobil arbeiten und aktuelle Technik einsetzen, Unternehmen müssen auf Kundenwünsche schnell und flexibel reagieren und sich aktuellen Trends stellen, um bereit für die Zukunft sein. Was verstehen Sie unter dem Begriff des zukunftsfähigen Unternehmens, dem "Future Ready Enterprise"?

Ich betrachte das Unternehmen aufgrund meines Schwerpunktes hauptsächlich aus der Rechenzentrums-Perspektive. "Future Ready" bedeutet für mich, dass Unternehmen heute die Scheuklappen von 40 Jahre geltenden IT-Strukturen ablegen müssen, um die Zukunft gestalten zu können. Das Rechenzentrum der Zukunft findet seine Basis nicht mehr in dem IT-Stack, der die letzten 40 Jahre vorherrschte. Hyperkonvergente Strukturen werden die Zukunft der IT massiv verändern. Die IT-Entscheider müssen hier lernen, außerhalb der "Das haben wir immer schon so gemacht!" Mentalität zu agieren.

"In einer virtuellen IT-Welt gibt es genügend Mechanismen, wie Systeme umgezogen werden können, ohne viel Arbeit zu verursachen."

Was verändert sich im IT-Bereich in Unternehmen gerade am meisten? Worauf müssen sich Unternehmen für die Zukunft vorbereiten?

IT beschäftigt sich im Unternehmen vorrangig mit zwei Dimensionen. 50% der Arbeitsleistung verbringt IT damit, Schnittstellen zwischen den einzelnen Bausteinen eines IT-Stacks zu managen - beispielsweise, dass der Server optimal mit Storage, Hypervisor, Datenbank und der Applikation zusammenarbeitet. Die anderen 50% betreffen das Management der Ressourcen. Das bedeutet, dass die Applikation, die den Businessprozess unterstützt, die richtige Anzahl an Cores hat und genug Bandbreite, Storage oder was auch immer…es geht also um Ressourcen und Schnittstellen. Für beides gibt es aber inzwischen Automatisierungen. Was wird der Mensch hier in Zukunft noch zu tun haben? Er kann neue Felder der Produktivität erschließen. Das ist die Vision der Zukunft: Innovation entspringt aus einer IT, die nicht länger als Mittel zum Zweck nur der "Verwaltung" des Betriebes dient.

Wenn Sie mit Unternehmen sprechen, was sind da die drängendsten Probleme, womit beschäftigt sich ein CIO und CEO in Bezug auf die IT und die zukünftige Ausrichtung am meisten? Wie sieht die digitale Transformation einer Firma und Ihrer Services im Jahr 2016 aus? Gibt es dafür ein gutes Beispiel?

Ein CEO beschäftigt sich damit, dass sein Unternehmen mehr produziert und der Absatz dafür gesichert ist. Ein CIO beschäftigt sich damit, diesen Prozess möglichst effektiv und kostengünstig zu unterstützen. Wir sind bei Dell nicht so vermessen, dem CEO zu sagen, wie das besser geht, was er da tut. Wir können aber Wege aufzeigen, wie ihn Technologie dabei bestmöglich unterstützten kann. Digitalisierung bedeutet eine konsequente Nutzung von Informationen und Daten, um ein besseres Geschäftsergebnis zu erzielen - Daten sind quasi das "Rohöl" des 21. Jahrhunderts. Was denken Sie, was ein Unternehmen wie Amazon verdient durch die Vorschlagsliste "Kunden, die X gekauft haben, haben auch Y gekauft"? Daten verändern die Art und Weise, wie Profit zu erwirtschaften ist.

In der Anfangszeit der Computer gab es Server, die alles in einem Gehäuse vereint hatten. Dann haben IT-Anbieter Techniken wie Netzwerk, Storage und Compute-Leistung in eigene Systeme aufgespalten. Jetzt werden diese wieder in konvergenten Systemen vereint. Warum? Was sind die Vorteile?

Wenn in hyperkonvergenten Strukturen Schnittstellen zwischen den IT-Bausteinen wegfallen und sie aufgrund der Automatisierung auch fast administrationsfrei zu managen sind, fallen fast 100% der "alten" Administrationsaufwendungen weg. Das bedeutet eine deutliche Kostenreduktion und zudem noch einen Wegfall von Fehlerquellen. Beides sind Dinge, die unsere IT heute noch bestimmen, aber im zukünftigen Bild einfach komplett fehlen werden. Einen wichtigen Punkt muss ich hier aber noch ansprechen: Konvergenz ist nicht ausreichend - für die Zukunft muss Hyperkonvergenz gelten. Denn Konvergenz steht für eine Struktur, die in einem Rack die klassischen Bausteine der IT nur standardisiert und über ein Management austariert darstellt. Die Struktur darunter bleibt aber wie vor 40 Jahren. Hyperkonvergenz bricht mit dieser Struktur, daher ist sie der bessere Weg in die Zukunft.

"In einer virtuellen IT-Welt gibt es genügend Mechanismen, wie Systeme umgezogen werden können, ohne viel Arbeit zu verursachen."

Wie groß ist das Einsparpotenzial, wenn Unternehmen ihre Rechenzentren von traditionell auf konvergent umstellt?

In der Beschaffung ist es gleich teuer, eventuell etwas teurer (CAPEX) - im Betrieb dagegen (OPEX) ist es um Faktoren günstiger. 30 bis 50% Einsparung sind mit Sicherheit möglich, je nachdem wie weit man geht in der Implementierung und wieviel der konventionellen IT man entsprechend ablöst.

In welchen Bereichen sind überhaupt Einsparungen mit konvergenten Systemen möglich: beim Personal, beim Energieverbrauch und bei der Aufrüstung in der Zukunft?

Ja, Ja und Ja. Zum Personal hatte ich schon etwas gesagt. Zum Thema Energie: Stellen sie sich einfach nur vor, IT genau passend für den realen Bedarf zu kaufen, weil es so einfach ist, passgenau zu skalieren, wenn ein Unternehmen größer oder auch kleiner wird. Die Einsparungen an Energiekosten für Systeme, die auf den Endausbau nach 5 Jahren gesized worden sind und 4 Jahre lang halb leer betrieben werden müssen, sind gewaltig.

Gibt es die Möglichkeit eines sanften technischen Übergangs von einem traditionellen Data Center mit Storage, Network- und Server-Einheiten zu einem Converged Datacenter?

Natürlich gibt es die. Es fängt an einer Stelle an und wird dann nach und nach größer. In einer virtuellen IT-Welt gibt es genügend Mechanismen, wie Systeme umgezogen werden können, ohne viel Arbeit zu verursachen. Beispielsweise Storage VMotion oder generell VMotion, um mal beim Beispiel VMware zu bleiben.

Wie stehen IT-Leiter zu dem Thema Converged? Begrüßen Sie die neuen Systeme, oder haben Sie eher Angst, die vorhandenen Strukturen aufzubrechen (was ja auch Konflikte mit den IT-Spezialisten erzeugt).

Meiner Einschätzung nach sind wir hierzulande hoch konservativ. In Deutschland neigt man dazu, neue Technik erstmal sehr argwöhnisch zu betrachten. Man wartet gern mal ein zwei Generationen ab, bevor die "Kinderkrankheiten" ausgestanden sind. Das führt zu einer langsameren Adaption. Allerdings ist das nicht notwendig, da die Grundzüge dieser Technologien schon viele Jahre lang im Einsatz sind und alles schon längst den Kinderschuhen entwachsen ist. Generell begrüßen aber IT-Leiter solche Ansätze viel eher als die Administrations-Ebene in Unternehmen.

Wie unterstützt Dell seine Channel-Partner und Distributoren dabei, die Diskussion und Umsetzung eines zukunftsfähigen Unternehmens voranzubringen? Was gibt es da an Programmen und Möglichkeiten?

Hier setzt Dell ganzheitlich an: Unsere kompletten Bestrebungen drehen sich nur darum, diese Ideen und dieses Thema zu unseren Kunden zu tragen. Eine der Hauptsäulen dabei sind unsere Partner und Distributoren.

Was sind die nächsten, wichtigen technischen Entwicklungen, auf die sich IT-Entscheider einstellen müssen, um ihr Unternehmen fit für die Zukunft zu machen?

Die nächste Entwicklung wird nicht technisch sein. Die nächste Entwicklung passiert in den Köpfen der Menschen in der IT. Ganz ähnlich wie die industrielle Revolution körperlich anstrengende Arbeit an die Maschinen übertragen hat, werden wir in der IT der Zukunft sehen, dass Menschen nicht mehr für einfache Administrationsaufgaben benötigt werden. Die neuen hyperkonvergenten Architekturen werden diese Arbeit einfach überflüssig machen. Der zukünftige Job in der IT ist der des Architekten und Designers einer Infrastruktur, nicht mehr der des Administrators. Umdenken ist angesagt! Willi Brandt hat einmal gesagt: "Der beste Weg, die Zukunft vorauszusagen, ist, sie selbst zu gestalten." Genau das müssen wir selbst tun.