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Hyperion führt Essbase in neue Anwenderkreise

Sascha Alexander ist Manager Marketing & Kommunikation bei der QUNIS GmbH, Neubeuern, die auf Beratung und Projekte in der Business Intelligence, Big Data und Advanced Analytics spezialisiert ist. Zuvor war der Autor als Director Communications bei den Marktforschungs- und Beratungsunternehmen BARC und PAC tätig. Als ehemaliger Redakteur der COMPUTERWOCHE sowie Gründer und Chefredakteur des Portals und Magazins für Finanzvorstände CFOWORLD verbindet ihn zudem eine lange gemeinsame Zeit mit IDG.
Seine Themenschwerpunkte sind: Business Intelligence, Data Warehousing, Datenmanagement, Big Data, Advanced Analytics und BI Organisation.

Mit innovativer Technik zum Visualisieren und Auswerten großer Datenmengen wirbt Hyperion Solutions anlässlich der Freigabe der Version 7X der multidimensionalen Datenbank "Essbase". Zudem versucht sich derBusiness-Intelligence-Spezialist erneut im Markt für analytische Anwendungen und treibt die Integration seiner Berichtswerkzeuge voran.

Die selben Informationen, aber mehr Überblick verspricht die neue Spreadsheet-Technik von "Visual Explorer".

Zwölf Jahre nach der Einführung des Essbase-Servers weitet Hyperion dessen Einsatzgebiet erheblich aus. Möglich machen dies Neuerungen in Version 7X, die laut Richard Clayton, Vice President Product Marketing, zwei bisherige Schwachpunkte beseitigen sollen. So zeigte die Datenbank für Online Analytical Processing (Olap) ihre Stärken laut Aussage des Managers bisher beim Systemzugriff (Concurrency), in ihrer Verfügbarkeit sowie bei den Antwortzeiten. Ging es hingegen um den Benutzerkomfort und die performante Auswertung großer Datenvolumina hatten Konkurrenten wie Microsoft beziehungsweise Microstrategy die Nase vorn.

So kam Essbase dort an seine Leistungsgrenzen (Ladezeit), wo große Datenmengen aus operativen Systemen etwa im Handel oder beim Management von Kundenbeziehungen zur Analyse in einem Olap-Datenwürfel verdichtet werden sollten, die einzelnen Datenpositionen der Würfeldimensionen jedoch nur dünn besetzt waren (sparse data). Als Beispiel nannte Clayton den Anbieter Kellogs. Marktanalysen müssen dort 17000 verschiedene Müsli- und Getreideprodukte berücksichtigen, die von 35 Millionen Kunden gekauft werden, die wiederum durch Marktforscher nach acht verschiedenen Attributen klassifiziert wurden. In der Praxis beschränkte sich der Einsatz des Olap-Servers daher bisher vor allem auf Analysen in Finanzabteilungen, wo meist Datenpositionen für jede Würfeldimension existieren (dense data) und sich Daten stärker verdichten, leichter speichern und auswerten lassen. Essbase ist hierfür mit einer Blockspeicherung ausgestattet. Sie gestattet einen lesenden und

schreibenden Zugriff auf Geschäftsdaten, hilft Informationen schnell zu aktualisieren und ermöglicht das parallele Arbeiten mit dem System in größeren Benutzergruppen.

Richard Clayton, Hyperion: "Analysen lassen sich mit Essbase 7X rund 400 mal schneller machen als bisher."

Mit Essbase 7X gesellt sich in Form von "Aggregate Storage" nun eine zweite Speicheroption hinzu, die die bisherigen Einschränkungen bei der Auswertung großer Datenmengen beseitigen soll. Zugleich hofft Hyperion, damit auch außerhalb der Finanzdomäne Anklang zu finden (siehe auch www.computerwoche.de/go/ 80116907). Kunden müssen sich fortan grundsätzlich überlegen, welche Speicherung ihre Anforderungen besser abdeckt. Laut Clayton ist es aber auch möglich, über eine Serverpartitionierung beide Mechanismen für eine Anwendung einzusetzen. Zudem kann mit Hilfe einer zur Patentierung eingereichten Technik das System getunt werden, um die optimale Nutzung der Aggregate zu erzielen. Erste Praxiserfahrungen zeigen, dass sich mit Aggregate Storage die Rechenzeit gegenüber der Vorgängerversion von Essbase um das 100- bis 400fache verkürzen lässt, erklärte der Manager. Der Speicherbedarf des Würfels reduziere sich um etwa das 20fache.

Künftig ein universelles Frontend

Auf der Client-Seite kündigte der Hersteller mit "Visual Explorer" einen Zusatz zum bisherigen Addin für Microsoft Excel an. Dieser entstand laut Clayton in langjähriger Entwicklungsarbeit und sei bisher einzigartig im Markt. Er dient dazu, vor allem bei großen Datenmengen mehr Überblick über die Zusammenhänge zwischen Informationen zu bekommen. Anwender können zwischen der Tabellensicht und einer farblich und grafisch aufbereiteten Darstellung der Essbase-Daten wechseln und dabei diverse Navigations- und Analysemöglichkeiten nutzen. Visual Explorer und die kürzlich vom Anbieter QIQ erworbene Technik zur programmierfreien Generierung von Dashboards sollen Bestandteile des Client-Portfolios werden. Dieses ist nach der Übernahme der Berichtswerkzeuge des BI-Herstellers Brio unübersichtlich geworden und soll nun bis zum nächsten Jahr durch ein universelles Frontend für alle Arten und Daten für Adoc-Abfragen und Reporting ersetzt werden.

Als Zwischenschritt steht jetzt in einem Beta-Release eine gemeinsame Oberfläche für alle Hyperion- und Brio-Werkzeuge bereit, hinter der sich die Sichten auf die einzelnen Clients verbergen. Zwar wird jede Anwendung weiter separat entworfen, doch können Daten jetzt mit Hilfe des neuen Tool "Hyperion Hub" kontextbezogen über alle Produkte hinweg betrachtet werden. Hyperion Hub steuert dabei den Austausch der Metadaten, synchronisiert, aktualisiert und versioniert sie. Ab der zweiten Hälfte 2005 soll dann die Integration des Portfolios abgeschlossen sein und auch das Design und die Entwicklung von BI-Anwendungen vereinheitlichen. Kunden die dann ein Upgrade auf den neuen Client vornehmen, müssen laut Clayton nur die zusätzliche Funktionalität von Hyperion oder Brio nachlizenzieren.

Zertifizierter Zugriff auf SAP-Daten

Weitere Ankündigungen von Hyperion betreffen die Zusammenarbeit mit SAP sowie den Wiedereinstieg in das Lösungsgeschäft mit analytischen Anwendungen. So wurde zum einen Essbase für das "SAP Business Information Warehouse" (SAP BW) zertifiziert, wodurch jetzt ein Zugriff auf BW-Daten auch über eine BAPI-Schnittstelle erfolgen kann. Zum anderen kommt mit "Profitability Management" ein integriertes Paket aus Software und Best Practices in Form von Metriken und Methoden auf den Markt, das Unternehmen speziell bei Rentabilitätsanalysen unterstützen soll. Laut Clayton sind weitere BI-Lösungen in Vorbereitung, die sich aber ganz auf Anforderungen im Finanz-Management beschränken. Zudem will der Hersteller offenbar auch im Mittelstand (Umsatz weniger als 500 Millionen Dollar) aktiver werden. So seien laut Clayton spezielle Produkte derzeit in Planung. (as)