VMware vSphere 5.5 und Microsoft Hyper-V 2012 R2 im Vergleich

Hyper-V 2012 fordert vSphere im Data Center heraus

Andrej Radonic ist Experte für Virtualisierung, Cloud-Technologien und Open Source Anwendungen. Der Fachbuchautor ist Vorstand der interSales AG und entwickelt für mittelständische Unternehmen anspruchsvolle E-Commerce Lösungen.
Der Kampf der Virtualisierungsgiganten geht in eine neue Runde: Microsoft bringt sich in Stellung, um VMware den Spitzenplatz im Markt der Server-Virtualisierung streitig zu machen. Das jüngste Release seines Hypervisors Hyper-V im Bundle mit Windows Server 2012 schärft die Enterprise-Waffen der Virtualisierungsplattform. Wer hat künftig im Rechenzentrum und in der Hybrid Cloud die Nase vorn?

Bislang war es Microsoft nicht gelungen, VMware die Führung im Markt für x86-Server-Virtualisierung streitig zu machen. Das mit fünf Jahren recht junge Produkt Hyper-V bot bislang vor allem mittelständischen Unternehmen eine gute Basis für den Einstieg in die Servervirtualisierung, konnte sich jedoch in großen und größten Installationen nicht gegen VMware behaupten. So sieht der Magic Quadrant von Gartner Hyper-V auf Platz 2 am Markt hinter VMware positioniert. Aufgrund des neuen Releases und der Integration mit Windows Server 2012 soll sich die Verfolgungsjagd aber beschleunigen. Laut Gartner bildet Microsoft nun zusammen mit VMware die Gruppe der Leader unter den Herstellern für Rechenzentrums-Virtualisierungslösungen.

Konkurrierende Ansätze

Während Microsofts Hyper-V fester Bestandteil des Windows-Betriebssystems ist und besonders anfangs vergleichsweise langen Release-Zyklen unterlag, konnte VMware als Pionier der x86-Virtualisierung mit seinem Hypervisor- und Management-Paket schon frühzeitig einen großen technologischen Vorsprung aufbauen und sichern.

Erst mit Windows Server 2012 und dem damit verbundenen Hyper-V 2012 ist es Microsoft gelungen, in vielen Bereichen mit dem großen Konkurrenten gleichzuziehen. Zu den Verbesserungen zählen unter anderem eine flexiblere Live Migration, höhere Skalierbarkeit, größere Flexibilität im Networking dank Extensible vSwitch, erweiterte Storage-Features sowie ein ganzes Paket von Neuerungen, die den Einsatz in Cloud-Umgebungen vereinfachen sollen.

Um beim Feature-Wettlauf nicht in Rückstand zu geraten, hat VMware unlängst mit Release 5.5 von vSphere gekontert, und beispielsweise bei den Host-Leistungsdaten nachgelegt (Anzahl logischer Prozessoren, unterstützter Arbeitsspeicher).

vSphere und Hyper-V: Verschiedene Philosophien

Die Hersteller verfolgen sehr unterschiedliche Ansätze, wenn es darum geht, welche Funktionen und Management-Optionen mit welchem Paket und zu welchen Zusatzkosten zu haben sind.

Sowohl bei Microsoft wie auch bei VMware ist der Hypervisor als Basistechnik der Lösung separat und kostenlos zu haben. Während VMware den kostenlosen ESXi funktional jedoch sehr stark abspeckt und jegliche Enterprise-Features über kostenpflichtige Pakete der vSphere Familie bereitstellt, verfügt der Hyper-V 2012 über dieselben Leistungsdaten wie das Vollprodukt Windows Server 2012 R2 und kann zudem mit nahezu allen Enterprise-Features wie Live Migration, Storage Migration und High Availability aufwarten. Grundlegende Management-Werkzeuge wie Powershell Cmdlets sowie Hyper-V Manager sind kostenfrei, Letzterer ist aber nur für die Verwaltung einzelner Hosts gedacht. Wer die verfügbaren Funktionen jedoch auf Enterprise-Niveau einsetzen will, benötigt das kostenpflichtige System Center 2012 samt VMM.

Dementsprechend unterscheiden sich die Fähigkeiten beider Lösungen stark bezüglich der zugekauften und eingesetzten Optionen. Dies ist bei Leistungs- und Feature-Vergleichen jeder Art zu berücksichtigen.

Ambitionierte Plattformen für Cloud Computing

Neben dem Duell um Features und Leistungsdaten bewegt sich der Entwicklungstrend bei beiden Herstellern sehr deutlich in Richtung Cloud: Man richtet sich darauf ein, dass Rechenzentren in Zukunft verstärkt auf Public- und Hybrid-Cloud-Dienste setzen werden. Microsoft und VMware buhlen hier als Plattformlieferanten um Akzeptanz bei den großen Service Providern. Aus diesem Grund wird derzeit vor allem in den Bereichen Netzwerk- und Storage-Virtualisierung sowie Cloud Management entwickelt.

Windows Server 2012 R2, das Microsoft explizit als umfassende Plattform für die Private Cloud positioniert, erweitert daher die technische Plattform um eine Vielzahl an Cloud-orientierten Funktionen, die vor allem der Virtual Machine Manager (VMM) bietet: Automatisches Ausrollen von Hyper-V auf Bare Metal Server und Erstellung von Hyper-V Clustern, Provisionierung vom Betriebssystem bis zu physischen Servern, Nutzung der "create cloud"-Funktion im Virtual Machine Manager, um virtuelle Ressourcen, die auf Hyper-V, vSphere, und XenServer laufen, zu einer einheitlichen Private-Cloud-Umgebung zu aggregieren. Applikationseigentümer können über Self-Services die Provisionierung neuer Private-Cloud-Ressourcen anfordern und automatisieren. Vergleichbare Funktionalität bietet VMware seit längerem mit seiner separaten vCloud Suite.