Desktop-Virtualisierung

Hype oder Realität?

Wolfgang Sommergut ist Betreiber der Online-Publikation WindowsPro.
Klassischer PC oder virtueller Desktop? Wir zeigen, wie die Realität in deutschen Unternehmen wirklich aussieht.

Die Zentralisierung der Windows-Clients im Rechenzentrum gilt als einer der großen Trends beim Desktop-Computing. Die Analysten von Gartner prognostizierten VDI-Lösungen (Virtual Desktop Infrastructure) für 2013 ein Marktvolumen von 65 Milliarden Dollar, das wären 40 Prozent des weltweiten Markts für professionell genutzte PCs. Mit dem Abflauen des Hypes mehren sich aber die Zeichen, dass einige Versprechen hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit und der technischen Möglichkeiten oft nicht gehalten werden können. Auch wenn die Zeichen für zentralistische Desktop-Modelle günstig stehen, lässt sich derzeit schwer absehen, welche Bedeutung sie tatsächlich erlangen können.

Für die Unklarheit ist auch verantwortlich, dass Desktop-Virtualisierung dank wirksamer Marketing-Tätigkeit von Citrix und VMware allgemein mit Server Hosted Virtual Desktops (auch VDI) gleichgesetzt wird. Dabei gibt es eine ganze Reihe von Ansätzen, die ebenfalls beanspruchen, unter den Begriff Desktop-Virtualisierung gerechnet zu werden. Sie reichen von den etablierten Terminaldiensten über die Applikations- und User-Virtualisierung bis hin zu innovativen Modellen von Startup-Unternehmen.

Hindernisse für die Desktop-Virtualisierung

Mit dem anfänglichen Hype schürten die Hersteller hohe Erwartungen an die neuen zentralen Desktops. Je mehr Erfahrungen Unternehmen mit VDI sammeln, umso klarer zeichnen sich auch die Nachteile und Beschränkungen dieses Modells ab.

Kosten: Das in Aussicht gestellte einfachere Management zentraler Desktops diente als Argument für insgesamt niedrigere Kosten im Vergleich zu herkömmlichen PCs. Eine von Microsoft zitierte Studie kam zum Ergebnis, dass VDI im Schnitt neun bis elf Prozent teurer ist als eine gut gemanagte herkömmliche PC-Umgebung. Als Preistreiber entpuppen sich die hohen Anfangsinvestitionen im Rechenzentrum und die zusätzlichen Lizenzgebühren.

Eingeschränktes Benutzererlebnis: Trotz aller technischen Fortschritte bereiten anspruchsvolle Anwendungen wie etwa grafikintensive Programme oder Videos in zentralistischen Modellen immer wieder Probleme. Wissensarbeiter und anspruchsvolle, technisch versierte Anwender müssen in solchen Umgebungen mit einer weiteren Einschränkung ihrer Freiheiten rechnen.

Fehlende Offline-Fähigkeiten: Notebooks sind dabei, normale Bürorechner als meistgenutzte Arbeitsgeräte abzulösen. Das Arbeiten von unterwegs ist aufgrund fehlender Offline-Unterstützung eine der Achillesfersen von VDI. Client-Hypervisoren sollen diese Lücke künftig schließen.

Andere zentralistische Optionen: Für aufgabenorientierte Tätigkeiten haben sich Terminaldienste (plus XenApp) etabliert und bieten ähnliche Vorteile wie VDI bei geringeren Kosten. Hinzu kommen mit der Anwendungsvirtualisierung neue Konkurrenten wie App-V und ThinApp.