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Hybridtelefon soll Festnetz-Abwanderer stoppen

09.06.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die BT Group plant in Großbritannien ein Hybrid-Telefon anzubieten, das zu Hause und im Büro preiswerte Festnetztelefonate erlaubt und unterwegs als Handy zu nutzen ist. Telefongesellschaften in aller Welt interessieren sich für das unter dem Codenamen "Bluephone" angekündigte Gerät, weil sie damit möglicherweise die Abwanderung ihrer Festnetzkunden in Richtung Mobilfunk aufhalten können. Das "Wall Street Journal" berichtet, die BT Group werde das von Motorola gefertigte Gerät am kommenden Mittwoch einschließlich des entsprechenden Tarifangebots präsentieren.

Obwohl Telefonie im Mobilfunknetz noch immer nicht billig ist, zeigen die Kunden anhaltend starkes Interesse. Immerhin haben sie oft ihr komplettes Telefonverzeichnis im Handy gespeichert, außerdem nähern sich die Kosten langsam einer tolerierbaren Größenordnung. Für British Telecom führte diese Entwicklung allein im ersten Quartal 2005 dazu, dass die Umsätze im Festnetzbereich gegenüber dem Vorjahr um neun Prozent sanken. Andere Telefongesellschaften registrieren eine ähnliche Abwanderungsbewegung

Technisch ist das Bluephone mit einer besonders leistungsfähigen Version der drahtlosen Übertragungstechnik Bluetooth ausgestattet. Bluetooth wird unter anderem für die Anbindung von Computerperipherie oder für die drahtlose Übertragung zwischen Handy und Headset genutzt. Skeptiker fragen sich, ob es wirklich gelungen ist, diese für kurze Distanzen ausgelegte Technik in größeren Räumlichkeiten zu nutzen. Technische Probleme hatten bereits dafür gesorgt, dass Bluephone rund ein Jahr hinter dem ursprünglichen Zeitplan zurückhängt. Auf Wireless-LAN-Technik verzichtete BT aus Kostengründen.

Die Briten sind nicht die ersten mit einem solchen Angebot. Pionier auf dem Gebiet der Hybrid-Handys ist das südkoreanische Unternehmen KT Corp., das Anfang 2005 ein solches Gerät zum Preis von 500 Dollar angeboten hatte. Der kommerzielle Erfolg ist noch bescheiden, doch das Unternehmen ist erst jetzt mit einer groß angelegten Werbekampagne im Fernsehen gestartet. KT kassiert von Anwendern für ein Drei-Minuten-Gespräch in den eigenen vier Wänden rund vier US-Cent, das dreiminütige Mobilfunkgespräch wird mit rund 36 US-Cent berechnet. Bei BT dürfte das Gerät etwas billiger werden, dafür nehmen die Briten voraussichtlich mehr für das Festnetztelefonat.

Beim Mobilfunkspezialisten Vodafone macht man sich angesichts des konkurrierenden Angebots des Festnetzbetreibers angeblich keine Sorgen. CEO Arun Sarin gab zu Protokoll, man werde sehr schnell reagieren können, falls Bluephone beim Kunden ankomme. Unter diesen Umständen werde Vodafone Handy-Telefonierern, die Gespräche in der Nähe ihres Hauses oder Büro führten, deutlich günstigere Konditionen bieten. "Wir können das mit drei Softwareänderungen erreichen", sagte Sarin. (hv)