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Hutchison Whampoa nicht an Mobilcom interessiert

01.10.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die Hongkonger Investment-Firma Hutchison Whampoa ist offenbar doch nicht an einem Einstieg bei dem finanziell angeschlagenen Mobilfunkanbieter Mobilcom interessiert. Presseberichten zufolge hat eine Sprecherin des Konzerns Spekulationen über eine mögliche Beteiligung an dem Büdelsdorfer Unternehmen zurückgewiesen. Die "Financial Times Deutschland" hatte am gestrigen Montag unter Berufung auf unternehmensnahe Kreise berichtet, die Hongkonger Investment-Firma hätte bereits Kontakt mit Mobilcom aufgenommen. Vor Gesprächen über einen Einstieg müsse jedoch die Sanierung des Unternehmens erfolgt und die Schuldenfrage geklärt sein, zitierte das Blatt Mobilcom-Chef Thorsten Grenz (Computerwoche online berichtete). Die Chancen auf eine

Fortführung des Aufbaus eines 3G-Netzes in Deutschland stehen damit weiter schlecht. Mobilcom hatte am vergangenen Freitag angekündigt, die UMTS-Aktivitäten wegen der akuten finanziellen Probleme vorerst auf Eis zu legen und 1850 der 4200 Vollzeitstellen zu streichen (Computerwoche online berichtete). Die für 8,4 Milliarden Euro ersteigerte UMTS-Lizenz soll vorerst behalten werden.

Auch die von der "Financial Times Deutschland" gemeldete Stundung der UMTS-Kredite über 4,7 Milliarden Euro bis Ende Oktober war offenbar nicht ganz korrekt. Wie Mobilcom am heutigen Montag mitteilte, wird das Darlehen bereits Mitte des Monats, nämlich am 14. Oktober fällig. Bis dahin hat das Bankenkonsortium unter Führung von ABN Amro, Deutsche Bank, Société Générale und Merrill Lynch die Norddeutschen von Zinszahlungen befreit. Mobilcom hat damit nur noch zwei Wochen Zeit, sich mit dem Großaktionär France Télécom über Schadensersatzforderungen und die Übernahme von Schulden zu einigen oder einen neuen Investor zu gewinnen. Der ehemalige Kooperationspartner hatte nach monatelangen Streit über Zeitplan und Investitionshöhe beim Aufbau eines deutschen UMTS-Netzes den Rahmenvertrag mit den Norddeutschen einseitig gekündigt und den Geldhahn zugedreht. Nach dem Ausstieg der Franzosen wurde Mobilcom nur durch eine

Finanzhilfe der Bundesregierung vor der drohenden Pleite gerettet. (mb)