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HPs Druckersparte will sich neu erfinden

20.06.2005
HP hat beschlossen, dass seine "Cashcow" - im ersten Halbjahr 2004/05 erwirtschaftete die Druckersparte 60 Prozent des Gesamtprofits - eine Generalüberholung benötigt

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Lange Jahre war der "Druckerkonzern" Hewlett-Packard (HP) auf seine Business-Unit Imaging and Printing Group (IPG) angewiesen, um hohe Profite einzufahren. Nun hat das Unternehmen beschlossen, dass seine "Cashcow" - im ersten Halbjahr 2004/05 erwirtschaftete die Druckersparte 60 Prozent des Gesamtprofits - eine Generalüberholung benötigt.

Erst vor kurzem hatte der neue HP-Chef Mark Hurd die von seiner Vorgängerin Carleton Fiorina beschlossene Zusammenlegung des PC- und Printer-Geschäftes wieder zurückgenommen (Computerwoche.de berichtete). "Jetzt, da PSG und IPG separat und hoch fokussiert geführt werden, können wir unsere Wettbewerbsfähigkeit weiter stärken und unsere Kostenstruktur verbessern", sagte Hurd in einer knappen Stellungnahme. Dabei bedarf nicht nur die PC-Sparte stärkerer Aufmerksamkeit. Auch das Geschäftsmodell, Drucker preiswert anzubieten, um dann über Tinte und Toner-Kartuschen Profite einzufahren, funktioniert nicht mehr so gut wie früher. HPs Marktanteile sind zurückgegangen, nachdem Wettbewerber wie Dell, Lexmark, SeikoEpson und Canon ihre Printer zu Kampfpreisen auf den Markt bringen. Konkurrenz droht dem Unternehmen auch im Zubehörmarkt - durch Anbieter von Nachfülltinte oder Ersatzpatronen.

Im Jahr 2001 war - rein rechnerisch - noch der gesamte HP-Profit mit Tinte und Toner erzielt worden. Aktuell steuert das Zubehörgeschäft immer noch mehr als zwei Drittel zum gesamten Konzernprofit bei, doch das scheint IPG-Chef Vyomesh Joshi nicht zu reichen. Angesichts des rückläufigen Wachstums im gesättigten Druckermarkt könne HP nicht länger auf einem Bein stehen, zitiert das "Wall Street Journal" den 51-Jährigen, der seit 1980 bei HP tätig ist. "Wir benötigen mehr Wege, um Geld einzunehmen, und verschiedene Geschäftsmodelle."

Joshi plant unter anderem, die Investitionen in Basisprodukte wie Tintenstrahldrucker zurückzufahren und Wachstumsthemen wie Digitalfotografie und Digitaldruck stärker zu fördern. Gleichzeitig möchte er neue Einnahmequellen auf Basis von Services wie dem Online-Printing oder der Lizenzierung von HPs hoch gelobter Drucktechnik aufzutun. Die Maßnahmen sollen dazu beitragen, dass sich die Umsätze der Sparte innerhalb eines Jahrzehnts verdoppeln. Gleichzeitig sollen statt der bislang 20 Prozent künftig 60 Prozent der IPG-Einnahmen mit Produkten jenseits des klassischen Geschäfts mit einfachen Drucker und Zubehör erwirtschaftet werden.

Die Bemühungen, das Geschäft auf neue Beine zu stellen hat zu strategischen Änderungen geführt. Um mehr Tinte zu verkaufen, hat HP die Endkunden im Bereich Digitalfotografie lange dazu ermutigt, ihre Bilder zuhause zu drucken. Im März kaufte HP dann den Online-Fotodienst Snapfish.com, um Kunden zu erreichen, denen dieses Procedere zu aufwändig und teuer ist (Computerwoche.de berichtete). Außerdem erwägt HP Insidern zufolge, eigene Digitalfoto-Druckstationen in Drogerien und anderen Läden aufzustellen. Noch vor zwei Jahren hatte Joshi die Beteiligung an einem Joint-Venture mit Eastman Kodak aufgegeben, das solche Maschinen entwickelt hatte. (mb)