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HPs Compaq-Übernahme am immer seideneren Faden

10.12.2001
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MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Einen weiteren herben Schlag für ihre Fusionspläne mussten Ende vergangener Woche Hewlett-Packard und Compaq einstecken: Die David and Lucile Packard Foundation entschied sich gegen die Merger-Pläne - wenn auch laut offizieller Pressemitteilung nur "vorläufig". "Der Stiftungsrat versteht zwar die strategische Absichten der Konzernspitze, ist aber nach eingehender Untersuchung zu dem Schluss gekommen, dass es im besten Interesse der Stiftung wäre, wenn Hewlett-Packard die vorgeschlagene Transaktion nicht weiter verfolgt", schreibt Susan Packard Orr, Chairman der Stiftung und eine der Töchter der Unternehmensmitgründers David Packard.

Die Stiftung hält 10,4 Prozent der HP-Aktien und ist damit größter Aktionär des Konzerns. Noch dazu wiegt das Wort der Nachfahren der einstigen Garagenunternehmer naturgemäß schwer. Zuvor hatten bereits Walter Hewlett und seine Familie und Packard-Sohn David gegen die geplante Fusion opponiert (Computerwoche online berichtete). Insgesamt 18 Prozent der Aktionärsstimmen sind damit bereits auf "Nein" programmiert - aus Sicht von Beobachtern bedeutet dies das Aus für den Deal. "Das dürfte fatal sein", urteilt beispielsweise Tony Sacconaghi von Sanford Bernstein. Immer ungewisser wird neben der Fusion damit auch die Zukunft von HP-Chefin Carleton "Carly" Fiorina, die den Zusammenschluss mit großem persönlichen Engagement vorangetrieben hatte. Sollte das Geschäft nicht zustande kommen, müsste sie aller Wahrscheinlichkeit nach ihren Hut nehmen.

Walter Hewlett nutzte die Gelegenheit, seine Ablehnung nochmals zu betonen: "Es freut mich, dass die Stiftung nach Abschluss ihrer Analyse entschieden hat, gegen den vorgeschlagenen Merger zu stimmen. HP kann für seine Aktionäre mehr erreichen, wenn es eigenständig bleibt." Was das Unternehmen brauche, sei ein Ausbau der Geschäftsbereiche Drucker, Highend-Server und Services und nicht etwa eine stärkeres Engagement im verlustbringenden PC-Markt. "Ich habe seit meiner Ankündigung mit mehreren anderen bedeutenden Aktionären gesprochen und dabei eine maßgebliche und breite Opposition gegen die Transaktion festgestellt. Wenn Hewlett-Packard und Compaq die Angelegenheit von den Aktionären abstimmen lassen, werde ich mich um Vollmachten bemühen."

Foto: HP

HP und Compaq haben bereits in Form einer gemeinsamen Stellungnahme auf die Entscheidung der Packard-Stiftung reagiert. Darin heißt es: "Wir sind enttäuscht über die vorläufige Entscheidung der Packard Foundation. Unsere Verantwortung gegenüber Aktionären, Kunden und Mitarbeitern verlangt von uns jedoch eine pragmatische Sicht des Geschäfts und einen Fokus auf die Zukunft. Unser starkes Engagement für diesen Merger rührt aus der Überzeugung, dass dieser die Branchenführung und den Gewinnzuwachs bringen, die unsere Shareholder erwarten und unsere Mitarbeiter brauchen." Man werde die kommenden Wochen und Monate nutzen, um den Anlegern die zu erwartenden Vorteile weiter zu kommunizieren.

Eine entscheidende Rolle für eine Abstimmung billigen Experten der Beratungsfirma ISS (Institutional Shareholder Services) zu, die institutionelle Anleger berät und bislang noch keine offizielle Stellungnahme abgegeben hat. In dieser Woche wird sich der dort zuständige Analyst Ram Kumar mit Investment-Bankern von HP sowie der Packard Foundation und Walter Hewlett beraten. "Wir werden versuchen herauszufinden, ob sich ihre Bedenken auf unsere Kunden übertragen lassen", erklärte der Experte. Eine endgültige Empfehlung wird ISS vermutlich Anfang kommenden Jahres veröffentlichen. Die Papiere von Hewlett-Packard sind zu 57 Prozent im Besitz institutioneller Anleger. Weitere 25 Prozent befinden sich in Streubesitz, und weniger als ein Prozent gehört Managern und anderen Insidern. (tc)