Ungewisse IA64-Zukunft

HP will Itanium-Support bei Oracle einklagen

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Der Kleinkrieg zwischen Hewlett-Packard und Oracle nimmt weiter an Schärfe zu. HP will nun die Unterstützung der Itanium-Prozessoren vor Gericht erzwingen.
Laut Oracle ist das EOL für Itanium längst beschlossene Sache.
Laut Oracle ist das EOL für Itanium längst beschlossene Sache.
Foto: Intel

Oracle hatte im März dieses Jahres angekündigt, keine Software mehr für die Itanium-Prozessoren zu entwickeln. HP, auf dessen Konto geschätzte mindestens 90 Prozent der Itanium-Verkäufe gehen, findet das gar nicht gut und hatte Oracle bereits in der vergangenen Woche schriftlich aufgefordert, diese Entscheidung zurückzunehmen. Die Stimmung zwischen den beiden einst eng partnerschaftlich verbandelten Unternehmen hat sich drastisch abgekühlt, seit Oracle-Chef Larry Ellison seinen Freund und früheren HP-Chef Mark Hurd, der über eine Liaison mit falscher Spesenabrechnung gestolpert war, ins Management geholt hatte.

Den Itanium-Chip mit seiner reinen 64-Bit-Architektur hatten Intel und Hewlett-Packard mit enormem finanziellem Aufwand gemeinsam entwickelt; HP löste damit die hauseigene PA-RISC-Architektur für seine Unix-Server ab. Der breiten Masse an Anwendern gefiel allerdings das von AMD mit dem Opteron eingeführte Konzept einer x86-Architektur mit 64-Bit-Erweiterungen erheblich besser, weil darauf auch vorhandene 32-Bit-Software weiterhin lief. Intel sprang dann flugs auf diesen Zug auf und brachte auch seine Xeon-Chips mit x64-Erweiterungen auf den Markt. Seither war das Innovationstempo bei x64 deutlich höher; Itanium fristet primär ein Nischendasein im HPC-Bereich (High-Performance Computing).

HP will mit seiner Klage, die es vor einem US-Bundesgericht im kalifornischen Santa Clara eingereicht hat, Oracle zwingen, eine vermeintlich früher einmal zugesicherte langfristige Unterstützung für Itanium einzuhalten. Oracle hat bereits öffentlich reagiert und wirft sowohl HP als auch dem Chiplieferanten Intel vor, die jeweilige Kundschaft bewusst zu täuschen. HPs Chefetage und Verwaltungsrat inklusive Léo Apotheker und Ray Lane (einst Oracles Nummer 2 hinter Ellison) wüssten sehr wohl, dass Intel bereit das End-of-life für Itanium plane. Das werde die bösartige und wertlose Klage von HP gegen Oracle nun vor Gericht ans Tageslicht bringen.

Gerüchte über Aus für Itanium gab es in der Vergangenheit schon des Öfteren. Dieses Mal dürfte man sie ernster nehmen müssen: Oracle riskiert schon einen ordentlichen Gesichtsverlust, falls Intel über "Kittson" - den bereits angekündigten Nachfolger der jüngsten Itanium-Generation "Poulson" - hinaus mit IA64 noch weitermacht. Falls Intel Itanium mit Kittson beerdigt, dann wird es das EOL (ebenso wie HP) aber natürlich erst in allerletzter Minute öffentlich machen wollen, um zumindest die bereits in das Chipdesign getätigten Investitionen noch zu refinanzieren. Offiziell dürfte die Itanium-Zukunft also wohl noch eine Weile unklar bleiben.