EDS-Mitarbeiter verärgert

HP verordnet EDS harte Einschnitte

Joachim Hackmann ist Principal Consultant bei Pierre Audin Consulting (PAC) in München. Vorher war er viele Jahre lang als leitender Redakteur und Chefreporter bei der COMPUTERWOCHE tätig.
In Deutschland verliert mehr als jeder vierte EDS-Mitarbeiter seinen Arbeitsplatz.

Nur wenige Wochen nach der formell abgeschlossenen Integration von EDS in den HP-Konzern präsentiert die neue Muttergesellschaft den neuen Kollegen die Rechnung: Von 4200 deutsche EDS-Mitarbeitern müssen in den kommenden zwei Jahren 1150 gehen. Das gab das deutsche HP-Management bekannt. Zudem müssen 250 HP-Kollegen ihren Platz räumen. HP selbst beschäftigt im IT-Servicebereich etwa 3000 Mitarbeiter in Deutschland (siehe "Hewlett-Packard streicht 1400 Jobs in Deutschland").

Die ungleich stärkere Belastung der EDS-Kollegen begründete der weltgrößte IT-Hersteller damit, dass in den eigenen Reihen schon vor Jahren rationalisiert worden sei und deutlich mehr Aufgaben in Niedriglohnländer erledigt würden als bei EDS. Man wolle das erfolgreiche Geschäftsmodell mit globalen und effizienten Lieferstrukturen nun von HP auf das neue Geschäftssegment übertragen. Dazu sollen die IT-Outsourcing-, BPO- und Applikationsservices samt den damit befassten EDS- und HP-Mitarbeitern unter dem Dach "EDS an HP Company" zusammengelegt werden. "Sieht so ein guter Start aus?", fragt das enttäuschte Betriebsratsmitglied Stephan Buchal von EDS in Rüsselsheim. Andere Mitarbeiter werden deutlicher: "Entsetzen und der Zorn über HP sind groß", schimpft ein Beschäftigter.

Bislang kennen die Arbeitnehmer nur die absoluten Zahlen der geplanten Stellenstreichungen. In welchen Bereichen wie viele Jobs wegfallen wird ihnen in den kommenden Tagen oder Wochen mitgeteilt. Dass es zu Einschnitten in Folge der Übernahme kommen würde, war allen EDS-Mitarbeiter klar. Überrascht wurden sie vom Ausmaß, zumal EDS in Deutschland schwarze Zahlen geschrieben hat und wuchs. HP betont hingegen, ein Teil des Jobabbaus gehe auf EDS-eigene Pläne zurück, die bereits vor dem Merger gefasst worden seien. "Derartige Vorhaben gab es wohl", räumte EDS-Arbeitnehmervertreter ein, "sie wurden aber nie mit dem Betriebsrat verhandelt." Zudem habe EDS vor allem Stellen verschoben, aber keine Mitarbeiter entlassen. "Was HP nun vor hat ist ein Personalabbau", ärgert sich ein EDS-Mitarbeiter. Für den 21. Oktober 2008 kündigte der Betriebsrat bereits einen Aktionstag gegen das HP-Vorhaben an.

HP Deutschland

EDS Deutschland

Umsatz (2007)

1460 Millionen Euro*

605 Millionen Euro*

Mitarbeiter (2007)

Zirka 3000*

Zirka 4200*

Serviceportfolio

Hardwarenahe Services, IT-Outsourcing, BPO, Systemintegration

IT-Outsourcing, Applikationsbetrieb, BPO.

Wichtige Kunden

Thyssenkrupp, West LB, Schott.

General Motors, Vodafone, Arcandor(vormals Karstadt-Quelle).

*Quelle: Lünendonk