HP verordnet EDS harte Einschnitte

06.10.2008
In Deutschland streicht Hewlett-Packard insgesamt 1400 Arbeitsplätze. Jeder vierte EDS-Mitarbeiter verliert seinen Job.

Nur wenige Wochen nach der formell abgeschlossenen Integration von EDS in den HP-Konzern präsentiert die neue Muttergesellschaft den frisch gebackenen Kollegen die Rechnung: Von 4200 deutschen EDS-Mitarbeitern müssen in den kommenden zwei Jahren 1150 gehen. Das gab das deutsche HP-Management bekannt. Zudem müssen 250 HP-Kollegen ihren Platz räumen. HP selbst beschäftigt im IT-Servicebereich etwa 3000 Mitarbeiter in Deutschland.

Die ungleich stärkere Belastung der EDS-Kollegen begründete der weltgrößte IT-Hersteller damit, dass in den eigenen Reihen schon vor Jahren rationalisiert worden sei und deutlich mehr Aufgaben in Niedriglohnländern erledigt würden als bei EDS. Man wolle das erfolgreiche Geschäftsmodell mit globalen Lieferstrukturen nun von HP auf das neue Geschäftssegment "EDS an HP Company" übertragen.

"Sieht so ein guter Start aus?", fragt das enttäuschte Betriebsratsmitglied Stephan Buchal von EDS in Rüsselsheim. Andere Mitarbeiter werden deutlicher: "Entsetzen und der Zorn über HP sind groß", schimpft ein Beschäftigter.

Mitarbeiter planen Protestaktionen

EDS trägt die Hauptlast des Mergers

HP Deutschland

EDS Deutschland

Umsatz (2007)

1460 Millionen Euro* (nur Services)

605 Millionen Euro*

Mitarbeiter (2007)

Zirka 3000*

Zirka 4200*

Arbeitsplatzabbau

250

1150

Serviceportfolio

Hardwarenahe Services, IT-Out-sourcing, BPO, Systemintegration

IT-Outsourcing, Applikationsbetrieb, BPO

Wichtige Kunden

Thyssen-Krupp, West LB,Schott Zeiss

Opel, Vodafone, Arcandor

Bislang kennen die Arbeitnehmer nur die absoluten Zahlen der geplanten Stellenstreichungen. In welchen Bereichen wie viele Jobs wegfallen, wird ihnen in den kommenden Tagen oder Wochen mitgeteilt. Überrascht wurden sie vom Ausmaß, zumal EDS in Deutschland schwarze Zahlen geschrieben hat und wuchs. HP betont hingegen, ein Teil des Jobabbaus gehe auf EDS-eigene Pläne zurück, die bereits vor dem Merger gefasst worden seien. "Derartige Vorhaben gab es wohl", räumten EDS-Arbeitnehmervertreter ein, "sie wurden aber nie mit dem Betriebsrat verhandelt." Zudem habe EDS vor allem Stellen verschoben, aber keine Mitarbeiter entlassen. "Was HP nun vorhat, ist ein Personalabbau", ärgert sich ein EDS-Mitarbeiter. Für den 21. Oktober kündigte der Betriebsrat einen Aktionstag gegen HPs Pläne an.(jha)