IDC-Kommentar zur Akquisition

HP und EDS: Vereint in Defiziten

Jan-Bernd Meyer betreut als leitender Redakteur Sonderpublikationen und -projekte der COMPUTERWOCHE. Auch für die im Auftrag der Deutschen Messe AG publizierten "CeBIT News" ist Meyer zuständig. Inhaltlich betreut er darüber hinaus Hardware- und Green-IT- bzw. Nachhaltigkeitsthemen sowie alles was mit politischen Hintergründen in der ITK-Szene zu tun hat.   
Die Marktanalysten von IDC haben in einer Stellungnahme den Kauf von EDS durch HP bewertet. Einiges spricht für die Akquisition. Es bleiben aber viele Fragezeichen.

Nach IDC hätte das Gespann HP-EDS in Europa im abgelaufenen Jahr 2007 einen Umsatz mit IT- und Business-Services von 13,3 Milliarden Dollar erzielt. Damit wäre das fusionierte Unternehmen deutlich die Nummer zwei. Ebenso eindeutig wäre allerdings auch, dass IBM mit einem Umsatz von 16,8 Milliarden Dollar aus dieser Geschäftstätigkeit in Europa 2007 klar die Topposition eingenommen hätte.

IDC-Analystin Mette Ahorlu sieht die Fusion von HP und EDS mit vielen Fragezeichen behaftet.
IDC-Analystin Mette Ahorlu sieht die Fusion von HP und EDS mit vielen Fragezeichen behaftet.
Foto: IDC

IDC vertritt die Ansicht, dass sich HP und EDS aus verschiedenen Gründen durchaus gut ergänzen würden. Da sei zunächst der geografische Aspekt zu nennen. HP ist, so die Analysten, in Europa sehr breit vertreten. Dabei sei die Stellung in Deutschland gut, in Großbritannien etwas schwächer. EDS wiederum sei stark auf die britische Insel fokussiert.

Auch die vertikale Ausrichtung auf Kundensegmente würde sich durchaus ergänzen. Wiederum auf Europa bezogen seien, argumentiert IDC, beide in den Segmenten öffentliche Hand, Fertigungsindustrie, Finanzdienstleister und Telekommunikation ordentlich vertreten.

EDS stark bei Infrastrukur-Services

EDS gehöre - anders als HP - zu den weltweit führenden Infrastruktur-Outsourcing-Anbietern inklusive eines fundierten Knowhows zum Thema Großrechnerwelt. HP sei hier mit seiner Herkunft aus dem Desktop- und Midrange-Server-Segment eher schwach auf der Brust. Weltweit wiederum führend seien sowohl HP als auch EDS, wenn es um Dienstleistungen für das Netz- und Desktop-Management geht.

Beide Firmen sind nach Meinung von IDC stark bei Infrastrukturaufgaben, weniger gut aufgestellt hingegen bei Applikationslösungen. Diesbezüglich wollen aber beide wachsen. EDS hat ein starkes Auge darauf, Legacy-Umgebungen, also tradierte Großrechnerlandschaften, zu modernisieren. HP fokussierte sich in der Vergangenheit auf SAP-Migrationen.

Kompetenz in Sachen SAP

SAP-Knowhow ist im Übrigen generell ein Kristallisationspunkt der Anstrengungen beider Firmen: EDS hat hier in jüngster Zeit verschiedene Ankündigungen gemacht wie etwa die Allianz mit PricewaterhouseCoopers. HP wiederum widmete sich vor allem auch den Themen SAP-Implementierungen und -Applikations-Management. Außerdem versuchte sich Hewlett-Packard verstärkt darin, SAP-6.0-Upgrades quasi fabrikmäßig, also standardisiert, abzuwickeln.

Während darüber hinaus HP - natürlich wegen seiner Hardware-Herkunft - immer ein starkes Augenmerk auf Support-Aktivitäten hatte, stieß EDS genau dieses Geschäft in Europa gegen Ende 2006 ab.

IDC hat ein weiteres Service-Betätigungsfeld ausfindig gemacht, auf dem sich beide Fusionspartner künftig ergänzen dürften: Offshoring. Hier hat Hewlett-Packard kaum etwas zu bieten. EDS hingegen konnte hier zulegen. Der Zukauf von Mphasis bringe EDS nach Meinung von IDC auf Augenhöhe mit führenden Offshoring-Anbietern - und könnte möglicherweise sogar mit IBM und Accenture mithalten.