Starke Position im Infrastrukturgeschäft

HP übernimmt EDS

Joachim Hackmann ist Principal Consultant bei Pierre Audin Consulting (PAC) in München. Vorher war er viele Jahre lang als leitender Redakteur und Chefreporter bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Hewlett-Packard zahlt 13,9 Milliarden Dollar an die EDS-Aktionäre, um das Servicegeschäft auszubauen.

HP plant, den Zusammenschluss im zweiten Halbjahr 2008 abzuschließen. Dazu gründet das Unternehmen eigens eine neue Geschäftseinheit am EDS-Firmensitz in Plano, Texas, die zunächst beide Markennamen fortführen und vom EDS-CEO Ronald Rittenmeyer geleitet wird. Zusammen haben die Unternehmen im vergangenen Jahr 38 Milliarden Dollar mit rund 210 000 Mitarbeitern im Servicemarkt eingenommen. Zuletzt belief sich HPs Umsatz in diesem Segment eigenen Angaben zufolge auf 16,6 Milliarden Dollar. Mit der Transaktion steigt HP zum weltweit zweitgrößten IT-Service-Provider nach IBM auf. Big Blues Dienstleistungsarm nahm im vergangenen Jahr mehr als 54 Milliarden Dollar mit rund 180 000 Beschäftigten ein.

Für HP ist die EDS-Übernahme die größte Transaktion seit der Übernahme von Compaq für rund 20 Milliarden Dollar im Jahr 2002. "Die Akquisition beseitigt alle Zweifel an HPs Engagement im Servicemarkt ", kommentiert Tobias Ortwein, Geschäftsführer des Marktforschungshauses PAC in München, das Vorhaben. Zweifel daran gab es zuletzt, weil HPs Investitionen in den vergangenen Jahren vor allem in das Softwaregeschäft geflossen sind. Die Übernahmen der Softwareanbieter Opsware und Mercury Interactive ließ sich HP mehr als sechs Milliarden Dollar kosten. "Es hatte den Anschein, als ob das Servicegeschäft nur noch als Wegbereiter für die Software-Unit galt, zumal HP auch das Budget der Dienstleistungsparte gestrichen hat", schildert Ortwein.

Mit der EDS-Akquisition meldet sich HP mit einem Paukenschlag zurück im Servicegeschäft. Nun lässt sich das von IBM kopierte Geschäftsmodell, mit Hilfe der Serviceeinheiten den Hardware- und Softwareverkauf an Outsourcing-Kunden anzukurbeln, auf die EDS-Klientel ausweiten. Zu diesem Kreis zählen immerhin so illustre Namen wie General Motors, Sabre, die US-Navy sowie Karstadt-Quelle. Auch intern bekommen die IT-Services deutlich mehr Gewicht. Während HPs Servicearm bislang rund 16 Prozent zu den weltweiten Einnahmen beisteuert, verbessert der EDS-Deal diese Quote auf 30 Prozent. Der HP-Erfolg, der heute schwer auf den Schultern des Hardwaregeschäfts und insbesondere auf dem Verkauf von Druckern samt Zubehör beruht, ließe sich auf das Dienstleistungssegment ausweiten.

Das IT-Servicegeschäft gilt als hart umkämpft, aber auch als sehr lukrativ. Im vergangenen Jahr wuchs der Markt laut Gartner um 10,5 Prozent, jedoch konnten weder EDS noch HP Schritt halten. Während HP um 8,1 Prozent zulegte, schaffte EDS nur ein Plus von 3,4 Prozent. Zum Vergleich: IBM steigerte den Serviceumsatz um mehr als 12,2 Prozent. Auch hinsichtlich der Marge hat HP das Nachsehen gegenüber Big Blue, die der Marktführer um zirka das Doppelte überbietet. Die Kombination der Geschäfte von EDS und HP kommt mittelfristig der Effizienz zugute und kann die Gewinnspanne verbessern.

Eine Übernahme stärkt HPs Standbein im Infrastrukturgeschäft erheblich. Beide Anbieter haben eine sehr gute Reputation im Outsourcing- und Managed-Services-Geschäft. "Die Defizite von HP im Consulting, im Application-Management sowie im Projektgeschäft sowie im wichtigen SAP-Markt kann EDS nicht beheben", warnt Ortwein. Auch unter regionalen Aspekten ist der Nutzen des Zusammenschlusses begrenzt. Beide IT-Dienstleister betreiben gute Geschäfte in den wichtigen und großen angloamerikanischen Märkten. Die Aktivitäten in Kontinentaleuropa sind ausbaufähig. (jha)