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HP stellt "seinen" iPod vor

27.08.2004
Zusammen mit rund 200 anderen Consumer-lastigen Neuheiten präsentiert Carly Fiorina heute in Miami HPs iPod-Variante - gute Nachrichten für Apple, dem bald mehr Schwergewichte Konkurrenz machen.

Die Hewlett-Packard-Chefin Carleton "Carly" Fiorina wird heute im Rahmen einer Presseveranstaltung in Miami die HP-gebrandete Version von Apples Audio-Player "iPod" präsentieren. Eine entsprechende Kooperation hatten beide Firmen bereits im Januar dieses Jahres angekündigt.

Insidern zufolge erhält der HP-iPod eine andere Verpackung und geringfügige Hardware-Modifikationen. Er wird wie Apples Gerät in weiß und silber gehalten sein (und nicht blau wie von Steve Jobs anfänglich vorhergesagt) und vom gleichen Auftragsfertiger gebaut. Käufer können ebenso wie die von Apples iPod Musik online im iTunes Music Store erwerben.

HP wird Apples Software darüber hinaus noch in anderen Geräten einsetzen. Verschiedene PCs des Herstellers werden bereits mit der Jukebox-Software "iTunes" ausgeliefert. Diese soll ebenfalls in einem neuen Gerätetyp stecken, den HP als "Digital Entertainment Center" bezeichnet. In Kombination mit einem Fernseher kann das Konvergenzgerät unter anderem DVDs abspielen, digitale Bilder und Musik speichern sowie als digitaler Videorekorder dienen. iTunes läuft darauf und wird per Fernbedienung gesteuert. Falls das Entertainment-Hub ans Internet angeschlossen ist, kann man auch Musik online erwerben und direkt wegspeichern.

"Das wird unser erster richtige Push in die gute Stube", erklärte HPs Vice President Chris Morgan. "Wir bringen einige Inhalte aus verschiedenen Geräten zusammen und integrieren sie." Weitere Details zu HPs Plänen in punkto digitaler Musik oder Gerätepreise wollte Morgan dem "Wall Street Journal" noch nicht verraten. Generell kündigt HP heute jede Menge Consumer-orientierte Produkte an - darunter LCD- und Plasma-Fernseher, Datenprojektoren und natürlich jede Menge Geräte im Bereich Digitalfotografie und Druck. Insgesamt über 200 Novitäten hat Fiorina im Miami-Gepäck.

Für Apple kommt HPs Musik- und Consumer-Offensive zu einem idealen Zeitpunkt, denn diese vergrößert die Reichweite von iPod und iTunes (Music Store) erheblich. Bislang spielt der Hersteller aus Cupertino im Vergleich zum Rest der legalen Online-Musikverkäufer in einer eigenen Liga. Diese Vormachtstellung wird allerdings jetzt durch potentere Gegner als bisher bedroht - Microsoft beziehungsweise MSN startet in der kommenden Woche den öffentlichen Betatest seines mit dem "Windows Media Player 10" verknüpften Online-Musikhandels. Yahoo will ebenfalls in einigen Monaten loslegen, und auch Viacom/MTV sowie Virgin hegen entsprechende Pläne.

Microsoft wird die Kompatibilität seines Dienstes mit zahlreichen portablen Playern von unter anderem Rio und Creative Labs mit einer neuen Werbekampagne "Plays For Sure" betonen. Entsprechende Aufkleber auf Geräten sollen à la "Intel Inside" die Unterstützung von Microsofts Digital Rights Management (DRM) herausstellen. Alle bei der Apple-Konkurrenz erworbenen und DRM-geschützten Songs lassen sich nur über mühevolle Umwege (Brennen auf CD, Import in iTunes) und einhergehendem Qualitätsverlust bei der Konvertierung verlustbehafterer Kompressionen ineinander auf Apples oder HPs iPod bringen. Einzig Real Networks unterstützt mit seiner von Apple nicht sanktionierten "Harmony"-Software den iPod direkt. (tc)