Tim Sheedy, Forrester Research

HP stehen zwei Jahre Integrationsarbeit bevor

Joachim Hackmann ist Principal Consultant bei Pierre Audin Consulting (PAC) in München. Vorher war er viele Jahre lang als leitender Redakteur und Chefreporter bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Die Kombination der IT-Servicegeschäfte von EDS und HP bietet großes Synergiepotenzial. Die Zusammenführung wird beide Unternehmen sehr lange beschäftigen, meint Tim Sheedy von Forrester.

Tim Sheedy, Senior Analyst bei Forrester Research: "HP übernimmt EDS für 13,9 Milliarden Dollar und wird die eigenen Outsourcing-Kapazitäten in die neue Organisation einbringen. Bislang ist noch nicht klar, was mit der Beratungs- und Integrations-Einheit passieren wird.

Das Abkommen ist noch sehr jung und die Transaktion soll erst im zweiten Halbjahr 2008 abgeschlossen werden. Ganz sicher ist, dass uns das Thema in den nächsten Monaten begleiten wird und es noch viel Unsicherheit gibt.

Keine Frage: Dies ist wirklich eine große Akquisition für HP. Das gemeinsame Unternehmen beschäftigt im Servicesegment 210 00 Mitarbeiter und erzielt einen Umsatz von 38 Milliarden Dollar in mehr als 80 Ländern. Der Merger wird beide Unternehmen in den kommenden zwei Jahren in Atem halten.

Es gibt enorme Überschneidungen, jedoch bietet der Zusammenschluss den Unternehmen auch Effizienzpotenzial, was allerdings wiederum die Komplexität des Mergers erhöht. Ein Beispiel: In jedem Prozess, den die Unternehmen etwa für den Betrieb des Desktop-Management etabliert haben, steht die Entscheidung an: Was ist der bessere Weg? Der von EDS oder der von HP? Ist ein Urteil gefällt, müssen die Mitarbeiter entsprechend geschult werden. Zudem müssen die Unternehmen die Kundenbetreuung synchronisieren. Auch hier gibt es Prozesse in der Kontaktpflege und der Unterstützung. Sind möglicherweise ganz neue Abläufe erforderlich? Sollen die alten beibehalten werde? Wenn ja, welche sollen es sein?

Bleibt die Frage der Kunden: Sind HP und EDS in dieser schwierigen Phase geeignete Partner für ein IT-Projekt? Ja, sie sind es, aber Anwender sollen Vorsicht walten lassen. Die Akquisition bietet große Hebelwirkungen im Preis, denn die Vertriebsmannschaft muss Quoten erfüllen. Mein Rat: Fordern sie vertragliche Passagen ein, die mögliche Auswirkungen der Akquisition klären (Bleibt das Mitarbeiter-Team? Wirkt sich das Vorhaben auf Service-Levels aus). Zwar ist es niemals ratsam, eine Outsourcing-Beziehungen mit Hilfe vertraglicher Paragrafen zu führen. In diesem speziellen Fall ist es erforderlich

Auch für Anwender, die bislang weder EDS noch HP auf der Liste möglicher Dienstleister in langfristige Outsourcing-Projekten führten, gilt das gleiche: Ja, EDS und HP sind eine Alternative und sei es nur, die Konkurrenten IBM, Accenture, CSC usw. unter Druck zu setzen. Unterm Strich entscheidet immer die persönliche Erfahrung mit den Anbietern sowie deren Lieferfähigkeit. Wird der Merger die Servicequalität verschlechtern? Kaum. Wird der Merger die Servicequalität verbessern? Mal sehen."