Marktanalyse von ama

HP muss im Storage-Markt Federn lassen

Christoph Witte ist freier Publizist und Kommunikationsberater.
Rund 2200 Telefoninterviews mit ITK-Entscheidern zeigen: Zwischen Januar und September 2011 wechselten 362 Anwender den Hersteller ihrer Speichersysteme. Dabei verlor HP die meisten Kunden, NetApp gewann kräftig hinzu.

Der deutsche Markt für Speichersysteme wächst nicht nur konstant, er ist auch von einer ausgeprägten Wechselbereitschaft der Kunden geprägt. Das belegt die Auswertung von 2193 Telefoninterviews, die der ITK-Informationsdienstleister ama zwischen Januar und September 2011 mit IT-Entscheidern aus Unternehmen und Behörden geführt hat. Das seit 1988 existierende Unternehmen stützt sich dabei auf eine Datenbank mit 45.000 Profilen von ITK-Anwendern, aus denen sich detaillierte Informationen zu den ITK-Landschaften herausziehen lassen. Dazu fragt ama die IT-Entscheider regelmäßig telefonisch nach Veränderungen in ihrem IT-Portfolio und kann so Wanderbewegungen nachvollziehen. Auch Aussagen zu den Marktanteilen nach Betriebsgrößen, Branchen und Bundesland sind möglich.

Die Telefoninterviews mit IT-Entscheidern wurden in 2193 Unternehmen verschiedener Branchen geführt, die insgesamt 2393 Storagesysteme einsetzen. Die Basis setzt sich zu 20 Prozent aus Großunternehmen (ab 500 Beschäftigte), 62 Prozent aus Mittelständlern (100 bis 500 Beschäftigte) und zu 18 Prozent aus kleineren Betrieben zusammen (50 bis 100 Beschäftigte).

Zwischen Januar und September 2011 wurden demnach in dieser Gruppe insgesamt 502 neue Storage-Systeme installiert. Bei 140 davon handelt es sich um Systeme, die gegen solche desselben Herstellers ausgetauscht wurden. Demnach hat bei 362 Anschaffungen ein Herstellerwechsel stattgefunden. Die Austauschbereitschaft ist mit 72,1 Prozent erstaunlich hoch, was auf einige Unzufriedenheit mit dem angestammten Speicherhersteller schließen lässt.


Die drei Hersteller Hewlett-Packard (HP), NetApp und IBM dominieren, gemessen an den von ama abgefragten Installationen, derzeit klar den Markt. EMC und Dell folgen auf den Plätzen 4 und 5. Die Wanderungsanalyse zeigt aber, dass von den Marktführern nur NetApp und IBM Zuwanderungsgewinne erzielen, während HP, Dell und EMC verlieren.

Insgesamt scheint sich der Markt aber zugunsten der Top-5 zu entwickeln: Unterm Strich konnten diese Hersteller 46 Kunden gewinnen, während die zahlreichen kleineren Produzenten Abgänge verzeichneten. Insbesondere bei NAS- und SAN-Systemen konzentrieren die Anwender sich offenbar auf die großen Hersteller. Eine mögliche Erklärung ist, dass Analysten wie Forrester und Gartner ihnen empfehlen, ihren Storage-Bedarf nicht mehr im Best-of-Breed-Verfahren zu decken, sondern sich auf einen Hersteller zu konzentrieren, der möglichst viele Protokolle, Speichertechnologien und Managementsoftware abdeckt. Das vereinfache das Storage-Management.

Darüber hinaus bemühen sich die Big Player mit großem Entwicklungsaufwand, bezüglich neuer Technologien und Anforderungen ständig auf dem modernsten Stand zu bleiben. Vorherrschende Trends wie konvergente Speichertechnologien, Unified Storage und im Bereich des Network attached Storage (NAS) die Hinwendung zu File-Storage- anstatt Block-Storage-Lösungen bedienen große Hersteller wie HP, Dell, IBM, EMC und NetApp unisono. Dabei beobachten Analysten schon seit einiger Zeit, dass sich NetApp hier besonders gut aufgestellt habe – vor allem in den Bereichen Deduplication, Unified Storage und Compression.

Auch scheuen Anwender zunehmend, bei kleineren Anbietern zu ordern, weil sie fürchten, ihre Investitionen seien dort nicht mehr sicher. Diese Furcht kommt nicht von ungefähr. Der Speichermarkt war 2010 und 2011 stark in Bewegung. Viele kleine Player mit innovativen Technologien sind von den großen aufgekauft worden. Das brachte auf Anwenderseite Unsicherheit. Es war nicht immer klar, ob Installationen weiterhin ordentlich supportet und angeschaffte Produkte weitergeführt würden oder ob die Hersteller sie in bestehende Produktlandschaften integrieren würden.

Ausgehend von den 362 gezählten Anbieterwechseln steht HP als eindeutiger Verlierer dieser Statistik da: Die detaillierten Wanderungsanalysen zeigt, dass 83 Kunden HP den Rücken kehrten, aber nur 62 Kunden neu hinzukamen. HP verlor also unterm Strich 21 Kunden, während Dell 17 und EMC zwei Abgänge verzeichnete. IBM und Netapp legten jeweils zu.

Vor dem Hintergrund, dass HP sich im Storagebereich mit 3Par verstärkt hatte, kommen diese Zahlen überraschend. 3Par verfügt über Virtualisierungs- und Provisioning-Technologien, die HPs Portfolio ausweiten und den Anbieter auf das Geschäft mit Private Clouds vorbereiten, einen für größere Anwender interessanten Markt. Und so gilt HP trotz dieser Zahlen im Speicherbereich als gut aufgestellt. Vor allem die starke Position im Servermarkt sollte den Absatz von Speichersystemen auf Dauer unterstützen.

Die Abgänge von HP-Installationen gehen überwiegend an NetApp, was mit der guten Aufstellung von NetApp im Bereich NAS zu tun haben dürfte. Netapp nahm der Konkurrenz 91 Installationen ab und verlor selbst nur 22 Kunden. Die meisten Überläufer kamen von HP.

NetApps Erfolg ist für Analysten keine Überraschung. Das Unternehmen hat derzeit das vollständigste Angebot in Sachen Deduplizierung und Unified Storage. Deduplizierung sorgt im File-Storage-Bereich dafür, dass redundante Inhalte aufgespürt und gelöscht werden. Das macht die Nutzung der Speicherkapazitäten im Unternehmen effizienter und reduziert den Speicherbedarf. Von Unified Storage wird gesprochen, wenn ein Storage-System Files und Applikationen verwalten kann. Unified Storage kann File- und Block-basierende Speicher in einer Plattform konsolidieren und unterstützt sowohl Fibre Channel, iSCI als auch NAS. Diese Vorteile reduzieren die Investitionen in Speichersysteme und erleichtern ihr Management.

Neben Netapp gehört IBM zu den Gewinnern der Bilanz. Insgesamt 51 Kunden konnten von den Wettbewerbern herübergelotst werden – bei 34 Abgängen. IBM gewann die meisten Kunden von HP, verlor aber auch einige an Netapp. Big Blue profitierte dabei von seinem großen Portfolio und seinen eindeutigen Stärken im oberen Enterprise-Segment.